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Sport

Dämpfer gegen den Erzrivalen

Die deutsche Nationalmannschaft verliert gegen die Niederlande mit 2:4. In der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 wächst dadurch wieder der Druck.

Oranje jubelt, die deutschen Nationalspieler sind konsterniert: Nach dem 1:1 der Niederlande schreitet Dortmunds Marco Reus genervt zum Anstoßpunkt, Defensivspezialist Lukas Klostermann von RB Leipzig wischt sich den Schweiß vom Gesicht.
Oranje jubelt, die deutschen Nationalspieler sind konsterniert: Nach dem 1:1 der Niederlande schreitet Dortmunds Marco Reus genervt zum Anstoßpunkt, Defensivspezialist Lukas Klostermann von RB Leipzig wischt sich den Schweiß vom Gesicht. © dpa/Christian Charisius

Von Jörg Soldwisch und Marco Mader

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Hamburg. Joachim Löw gratulierte Bondscoach Ronald Koeman, dann tröstete der Bundestrainer seine niedergeschlagenen Jungspunde: Die 2:4 (1:0)-Niederlage gegen den Erzrivalen Niederlande hatte den Spielern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sichtlich zugesetzt, von den Rängen in Hamburg waren einzelne Pfiffe zu hören.

"Wir haben unter unseren Möglichkeiten gespielt. Über 90 Minuten war Holland die bessere Mannschaft. Wir haben verdient verloren. Trotz der Führung hatten wir das Spiel nie unter Kontrolle", sagte Löw bei RTL. Niklas Süle gab sich selbstkritisch: "In der ersten Halbzeit hatten wir kaum Ballbesitz. Das kann nicht unser Anspruch sein. Insgesamt war es ein ganz schwaches Spiel von uns. Aus diesem schlechten Spiel müssen wir lernen."

Statt mit dem Sprung an die Tabellenspitze der Gruppe C einen riesigen Schritt Richtung EM 2020 zu machen, steht die DFB-Auswahl (9 Punkte) nach dem turbulenten Prestigeduell am Montag (20.45 Uhr/RTL) in Belfast gegen Gastgeber Nordirland (12) unter Druck, da auch die Niederländer (6, ein Spiel weniger) auf Tuchfühlung sind.

Da war die Welt noch in Ordnung: Serge Gnabry trifft zum 1:0 für die DFB-Auswahl. 
Da war die Welt noch in Ordnung: Serge Gnabry trifft zum 1:0 für die DFB-Auswahl.  ©  dpa/Robert Michael

"Wir kriegen die Gegentore viel zu leichtfertig, das 2:3 schenken wir einfach her. Das darf uns nicht passieren", sagte Serge Gnabry, der die Führung erzielt hatte (9.). Frenkie de Jong (59.) gelang der Ausgleich, nach einem Eigentor von Jonathan Tah (66.) ließ ein von Toni Kroos verwandelter zweifelhafter Handelfmeter zumindest auf einen Punktgewinn hoffen (73.). Doch Donyell Malen (79.) und Georginio Wijnaldum (90.+1) besiegelten die erste Heimniederlage in der EM-Qualifikation seit zwölf Jahren. Vier Gegentore hatte das DFB-Team zuletzt im September 2014 kassiert.

Löw gab vor 51.299 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion dem zuletzt in der Liga treffsicheren Timo Werner den Vorzug gegenüber Julian Brandt als Ersatz für den verletzten Leroy Sane (Kreuzband-OP). "Timo hat das Selbstbewusstsein von fünf Toren in der Bundesliga", begründete Löw seine Personalentscheidung.

Löw-Elf lauert auf Ballgewinne

Doch zunächst waren die Gastgeber in der Defensive gefordert. Die Niederländer um Ausnahmeverteidiger Virgil van Dijk übernahmen in der Anfangsphase die Spielkontrolle, die DFB-Auswahl lauerte wie schon beim Hinspielsieg in Amsterdam (3:2) auf Ballgewinne und daraus resultierende schnelle Umschaltmomente.

Die erste Chance hatte aber die Elftal. Bei einem strammen Schuss von Memphis Depay war Kapitän Manuel Neuer zur Stelle (8.). Der viermalige Weltmeister antwortete mit der Führung. Nach einem Traumpass von Joshua Kimmich scheiterte Lukas Klostermann zwar noch freistehend an Schlussmann Jasper Cillessen, doch Gnabry erzielte im Nachschuss sein achtes Tor im neunten Länderspiel.

Die Vorentscheidung: Donyell Malen bezwingt Manuel Neuer und trifft zum 3:2 für die Niederlande.
Die Vorentscheidung: Donyell Malen bezwingt Manuel Neuer und trifft zum 3:2 für die Niederlande. © dpa

Der Münchner bedankte sich damit bei seinem Chef Löw. "Gnabry spielt immer", hatte der Bundestrainer erklärt und dem 24-Jährigen damit vor dem Spiel eine für ihn ungewohnte Stammplatzgarantie gegeben.

Löw, der nach seinem Hantel-Unfall die beiden Qualispiele im Juni verpasst hatte, konnte aber zunächst nicht nur mit Gnabry zufrieden sein. Die Niederländer hatten zwar weiterhin viel Ballbesitz, doch die DFB-Auswahl um Abwehrchef Süle verteidigte sehr aufmerksam. Nach Ballgewinnen ging es schnell nach vorne. Gnabry übersah allerdings bei einem Konter den gut postierten Werner (27.). Besser machte es Toni Kroos bei seinem Zuspiel auf Marco Reus. Der Dortmunder fand aber aus kurzer Distanz im stark reagierenden Cillessen seinen Meister (42.).

Nach dem Ausgleich geht die Kontrolle verloren

"Von Hamburg über München bis nach London" war auf einem Fan-Banner in Anspielung auf den Vorrunden-Spielort und den Finalort der EM im kommenden Jahr zu lesen. Und der dreimalige Europameister weckte auch zu Beginn der zweiten Halbzeit Hoffnungen bei den Anhängern. Nach einer Hereingabe von Nico Schulz verpasste Gnabry seinen zweiten Treffer nur knapp (52.).

Die Niederländer erhöhten mit zunehmender Spieldauer das Risiko. Kapitän Neuer parierte gegen Wijnaldum noch gut (56.), doch danach ging die Ordnung bei der DFB-Auswahl verloren. Beim ersten Länderspieltor von de Jong befand sich die deutsche Abwehr im kollektiven Tiefschlaf.

Löw reagierte auf den Ausgleich und brachte Kai Havertz und Ilkay Gündogan für Reus und Werner. Doch sein Team verlor zunehmend die Kontrolle. Neuer verhinderte gegen einen Kopfball von van Dijk zwar noch den Rückstand, doch Sekunden später lenkte Tah den Ball ins eigene Netz.

Nach dem glücklichen Ausgleich von Kroos durfte das DFB-Team wenigstens auf einen Punkt hoffen, doch der eingewechselte Malen bestrafte die Nachlässigkeiten in der deutschen Defensive mit dem dritten Tor der Gäste, dem Wijnaldum in der Nachspielzeit das vierte folgen ließ. (sid).