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Damit’s in der Mühle weiter klappert

Die „Liethenmühle“ ist einer der ältesten Waldgasthöfe im Landkreis. Jetzt wird ein Nachfolge-Wirt gesucht.

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© Norbert Millauer

Von Peter Salzmann

Kleinhennersdorf. Berthold Hesse, seit 20 Jahren Wirt der „Liethenmühle“, will das Denkmal erhalten. „Spätestens in drei Jahren geht’s in den Ruhestand“, blickt der 63-Jährige in die nahe Zukunft. Deshalb sucht er schon jetzt einen Käufer oder Pächter, der den Gasthof mitten im Talkessel zwischen Krippen und Kleinhennersdorf annimmt. Das müsse sein, meint der Gastronom, „nicht nur der Historie wegen“. Denn im schmucken Dorf gäbe es keine Gaststätte mehr: Der einst gemütliche „Konsum“ an der Hauptstraße ist lange dicht, die „Heymannbaude“ auch.

Umkränzt von mächtigen Fichten, deren Dunkelgrün die Senke fast mythisch erscheinen lässt, schlängelt sich am Fuße von Kohlborn- und Laasenstein der Liethenbach durch Hänge und Steine. Forellen tummeln sich im glasklaren Wasser. Seit nahezu 115 Jahren ist die Liethenmühle Einkehr für die Wanderer und Einwohner. Doch der Ursprung des Hauses liegt weitaus länger zurück.

Ungemütliche Müller

In der Regierungszeit des Kurfürsten „Vater August“ bat vor 444 Jahren Michael Saupe darum, eine Mühle zu bauen. Das behagte den Krippener Müllern gar nicht, „weil die für ihre Mühlen nötige Wasserkraft schwinden würde“. Ihre vehementen Beschwerden halfen ihnen nicht – Saupe errichtete seine Mühle. Bis heute ist am Fachwerkhaus zwischen stilisierten Steinböcken, Hasen und Eichhörnchen in rotbraunen Lettern zu lesen: „Liethenmühle, erbaut 1572“.

Die gastliche Stätte ist noch immer eine Zeitreisende. Anno 1653 musste Besitzer Jacob Biener zweifache Steuern zahlen, weil er neben seinem Häuschen im Dorf noch die Mühle besaß. Nach Hans Mitscherlich folgte 1755 bis 1789 Johann Gottlieb Mitscherlich, der sich nebenbei als Steinbrecher verdingte. Von dessen Erben kaufte im Jahre 1854 Friedrich August Grohmann das Anwesen „für 2 900 Taler in gangbarer Münzsorte samt Garten und Gräserei“, ließ einen Webstuhl aufstellen, betrieb eine Weberei und bot dem Schandauer Messerschmied die Chance, in einem Raum sein Gewerbe zu betreiben.

Das Jahr 1895 wird zur Zäsur, weil die Grohmann-Witwe „dem einzigen in der Mühle geborenen Müllersohn Otto Grohmann die Leitung der Mühle“ übertrug. Bis 1901 konnte er den Betrieb aufrechterhalten. Er wandelte die Mahlstube um, damit „Milch und Kaffee ausgeschenkt werden konnten“. Das machte sich bezahlt, denn der Müllerssohn erhielt „die Konzession zum vollen Gastwirtschaftsbetriebe“. Er empfiehlt das Anwesen als „Badeanstalt – ein stiller, romantischer Aufenthalt in reiner, staubfreier Waldluft“.

Nach dreimaligem Wechsel waltete Martha Knoche ihres Amtes, bis 1968 das Uhrenkombinat Ruhla aus dem Waldgasthof ein Betriebsferienheim machte. Das Ehepaar Achim und Christine Pieschner ist in die Annalen eingegangen, weil sie die gastliche Pforte für jedermann geöffnet hielten. 1996 übernahm Berthold Hesse mit Köchin und Ehefrau Katja den Ausschank. Zusätzlich stehen zehn gemütliche Zimmer für Übernachtungen zur Verfügung. „80 Prozent unserer Gäste kommen aus den neuen Bundesländern, 20 Prozent aus den alten“, erzählt Hesse. Manch einer sei erstmals hier gewesen, schwärme von der Sächsischen Schweiz – und kam danach wieder in die „Liethenmühle“.