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Dammbau in der Warteschleife

Wilsdruff möchte die Wilde Sau bändigen. So einfach geht das aber nicht.

© Symbolfoto: Sebastian Schultz

Von Maik Brückner

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Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Deshalb bemüht sich die Stadt Wilsdruff seit Längerem, den Hochwasserschutz entlang der Wilden Sau zu verbessern. Davon sollen alle Anwohner entlang des Baches in Grumbach und Wilsdruff profitieren. Bauamtsleiter André Börner schätzt, dass es rund 1 000 Bürger sind. Allerdings komme man nicht so schnell voran wie geplant, räumt Börner ein. Es sei nicht einfach, die Interessen von Gewässer-, Natur- und Denkmalschutz unter einen Hut zubringen. „Jedes Fachamt hat verschiedene Belange.“ Das wurde beim letzten Gespräch mit dem Landratsamt deutlich. Dort ging es um das Rückhaltebecken oberhalb von Grumbach.

Hier soll ein Erddamm errichtet werden, der später begrünt wird. Steigt der Pegel der Wilden Sau, staut sich deren Wasser vor dem Damm. Dieser lässt dann nur eine bestimmte Menge Wasser abfließen. Diese wird nicht so groß sein, dass die Anlieger um ihr Hab und Gut fürchten müssten. Ähnliche Anlagen, aber zum Teil viel größer, gibt es unter anderen in Reinhardtsgrimma, Glashütte und Lauenstein.

„Um dieses Rückhaltbecken zu errichten, müssen wir eine Ausgleichsmaßnahme leisten – und das in einem Gewässer“, sagt Börner. Geplant war der Rückbau eines alten Mühlenwehrs in Grumbach. Doch nun habe das Landratsamt darauf hingewiesen, dass diese Anlage unter Denkmalschutz stehe und deshalb erhalten werden soll. Damit hatte man im Wilsdruffer Bauamt nicht gerechnet. Das widerspräche auch den Forderungen des Gewässerschutzes, wonach möglichst alle Hindernisse im Bachverlauf herausgenommen werden sollten. „Wir suchen nach einer Lösung“, sagt Börner. Eine Sanierung des Wehrs sieht er nicht gerechtfertigt, zumal es keine Funktion mehr hat, weil der Mühlgraben längst verfüllt wurde. Um dennoch Baurecht für den Damm in Grumbach zu bekommen, habe man dem Landratsamt angeboten, ein Wehr an der Triebisch in Grund zurückzubauen. Nun wartet Wilsdruff auf eine Entscheidung.

Auf einen möglichen Baubeginn für den Grumbacher Damm möchte sich der Bauamtsleiter nicht festlegen. „Ich denke aber, dass wir in den nächsten zwei Jahren damit beginnen können.“ Er hofft auf eine zügige Bearbeitung durch die Genehmigungsbehörden. „Die Bürger warten darauf“, sagt Börner. Denn die Zahl der Hochwasserereignisse hat zugenommen. Nach der Jahrhundertflut im August 2002, bei dem im Wilsdruffer Stadtgebiet Schäden in Millionenhöhe angerichtet wurden, traten die Bäche auch in den Jahren 2010 und 2013 über die Ufer.

Deshalb sieht Börner Handlungsbedarf, auch für die Kernstadt. Auch die soll mit einem Rückhaltebecken geschützt werden. Um das zu bauen, muss die Stadt aber noch höhere Hürden nehmen. Bei der Untersuchung des potenziellen Baugebietes wurde die Haselmaus entdeckt. Diese Tiere stehen in den Ländern der Europäischen Union unter strengem Artenschutz. Auch Exemplare der Haubenlerche, deren Bestand in Europa ebenfalls hochgradig gefährdet ist, wurden an der potenziellen Baustelle gesichtet. Noch ist unklar, wie die Interessen von Hochwasserschutz und Naturschutz ausgeglichen werden können, so Börner.

Deshalb konzentriere man sich auf den Damm von Grumbach. Hier sei die Stadt auch in der Abstimmung mit den 24 Grundstückseigentümern sehr weit vorangekommen. Alle haben zugestimmt. Mit einigen habe die Stadt auch Flächen getauscht. Auch die Finanzierung ist hier gesichert. Bei einer Bausumme von rund 1,7 Millionen Euro kann Wilsdruff mit der 90-prozentigen Förderung aus dem Programm präventiver Hochwasserschutz rechnen.