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Dampfertickets werden teurer

Flotten-Chefin Hildebrand kann wieder positive Geschäftszahlen verkünden. Auf beliebten Strecken aber erhöht die Sächsische Dampfschiffahrt die Preise. Für Kinder und Studenten wird es günstiger.

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© Sven Ellger

Von Tobias Wolf

Der Sturm wirbelt Karin Hildebrands Haare auf, als sie auf das klitschnasse Oberdeck des Salonschiffs tritt. Gerade erst ist eine Sturmfront mit Donnergrollen vorbeigezogen. Regentropfen peitschten wie Hagelkörner gegen die Glasfronten. Kein Wetter, um draußen zu sein. Die 60-Jährige ist bester Laune, musste sie doch in den letzten beiden Jahren in geschäftlicher Hinsicht einige Widrigkeiten überstehen.

Der Sturm im Elbtal könnte als Sinnbild für Hildebrands Kurswechsel bei der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS) stehen. Seit November 2013 führt die gebürtige Augsburgerin und Witwe des Reeders Klaus Hildebrand das Traditionsunternehmen und verkündete gestern erstmals wieder positive Geschäftszahlen.

Der inzwischen 179. Start der ältesten Raddampferflotte der Welt in die Saison bringt auch für die Fahrgäste einige Änderungen. So werden die Fahrten ins Elbland ausgeweitet. Die Schiffe dampfen nun wieder bis nach Diesbar-Seußlitz und kehren nicht schon in Meißen um. Außerdem gibt es ein völlig neues Preissystem. Dazu wurde die Fahrstrecke auf der Elbe in sechs Tarifzonen aufgeteilt, zum Beispiel von Pillnitz bis Blasewitz und Blasewitz bis Radebeul. Für einen Abschnitt kostet die Fahrt zehn, bei zwei 15 Euro und ab drei Abschnitten 20 Euro.

Neue Flottenwerkstatt in Laubegast

Die Rückfahrten kosten immer fünf Euro, egal, wie groß die Distanz ist. Wurden die Stadtrundfahrten in Dresden bisher gestaffelt zwischen elf und 15 Euro abgerechnet, sind es nun einheitlich 16 Euro. Das sei ein marktüblicher Preis, der auch in Bussen zu zahlen ist, begründet Hildebrand die Preiserhöhung. Auch die Schlösserfahrt verteuert sich von 17,50 auf 20 Euro.

Dafür gebe es ab diesem Jahr die Möglichkeit, für eine Kurzstrecke für 7,50 Euro an Bord zu gehen. Einzige Bedingung: Die Fahrt darf nicht mehr als 20 Minuten dauern. Laut Vertriebschefin Katja Novotny gelte dies beispielsweise für die Strecke zwischen Prossen und Königstein in der Sächsischen Schweiz. Neu ist auch eine ermäßigte Jahreskarte für Kinder von sechs bis 14 Jahren sowie Schüler und Studenten. Sie kostet 50 Euro für 100 Prozent Rabatt auf alle Linientickets. Für den gleichen Jahrespreis erhalten Erwachsene 50 Prozent Ermäßigung auf das Ticket. Ebenfalls neu sind Veranstaltungsfahrten wie Ü40-Partys auf dem Wasser und die Osterkaffeetour am kommenden Sonntag.

Auch das Kombiticket von Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und Sächsischer Dampfschiffahrt soll fortgeführt werden. Damit können Fahrgäste eine Richtung mit dem Dampfer und die Rücktour beispielsweise mit der S-Bahn abfahren, allerdings nur, wenn es über die Stadtgrenzen hinausgeht. Zwischen Dresden und Bad Schandau kostet das 23 Euro, zum Endpunkt Seußlitz in der Gegenrichtung 18 Euro. Die Kombination von Dampfschiff, Bus und Bahn sei in der letzten Saison gut angekommen, so VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen. Über 20 000 Tickets wurden verkauft.

Das ist einer der Bausteine für den neuen Erfolg der Dampfschifffahrt. Nach hohen Verlusten im vorvergangenen Jahr präsentierte Hildebrand auf dem Salonschiff „August der Starke“ für 2014 einen Gewinn von 588 000 Euro bei einem Umsatz von rund 9,2 Millionen Euro. Die gesunkenen Einkaufspreise für Dieseltreibstoff haben mit zum guten Jahresergebnis beigetragen.

Aber es wurden auch 90 000 Tickets mehr als 2013 verkauft. Außerdem konnten die Schiffe gegenüber dem Krisenjahr mit der Juni-Flut täglich fahren. „Ich habe jeden Tag auf den Wasserstand geguckt und gehofft“, sagt Hildebrand. Anfang dieses Jahres hat sie dann noch einen Großteil der Laubegaster Werft gemietet – als Werkstatt für die eigene Flotte. Das verbessert die Verhandlungsposition gegenüber der Roßlauer Werft, wo ein Teil der Dampfer repariert wird. Auch die Catering-Tochter Elbe-Zeit GmbH hat sich laut Geschäftsführer Jeffrey Pötzsch gut entwickelt und liefert rund 160 000 Euro Gewinn an die Sächsische Dampfschiffahrt ab.

Bei den neuen Fahrpreisen soll es auch 2016 bleiben. Wenn die Dieselkosten nicht wieder massiv ansteigen. Hier hat SDS-Chefin Hildebrand jedoch vorgebaut. Für 2015 seien die Lieferungen abgesichert. Auch für 2016 ist ein Teil des benötigten Treibstoffs bereits fest kalkuliert. Von den derzeit rückläufigen Dieselpreisen dürfte auch die nächste Jahresbilanz profitieren. Denn die Dampfschifffahrt muss gegenüber 2013 rund zehn Prozent weniger bezahlen.