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Kamenz

Kamenzer Heim setzt auf Personal aus Mexiko

Drei Jahre lang konnte eine ganze Etage in dem Neubau nicht für die Pflege genutzt werden. Jetzt gibt es eine Lösung.

Drei Mexikanerinnen verstärken seit Anfang dieses Monats das Team des Azurit-Pflegeheimes in Kamenz: Elvir Lorena Valdovinos Rivera, Natividad de Lourdes Rivera Gutierrez und Kennia Luna Rodriguez (v.r.).
Drei Mexikanerinnen verstärken seit Anfang dieses Monats das Team des Azurit-Pflegeheimes in Kamenz: Elvir Lorena Valdovinos Rivera, Natividad de Lourdes Rivera Gutierrez und Kennia Luna Rodriguez (v.r.). © René Plaul

Kamenz. Am 1. September feiert das Azurit-Pflegeheim in Kamenz seinen dritten Geburtstag.  Aktuell leben 71 Bewohnerinnen und Bewohner im Neubau am Bautzner Berg. 84 Mitarbeiter kümmern sich um deren Wohl - inklusive Reinigungspersonal und eigener Küche. So weit so gut, wären da nicht die Personalsorgen. Die plagen die Unternehmensgruppe bundesweit, doch vor allem in der Kamenzer Region. "Hier klafft  ein großes Loch, das ist anderswo in Sachsen nicht so", sagt Hausleiter Ralph Domschke.

Auch deshalb konnte man seit Inbetriebnahme des Hauses einen kompletten Wohnbereich überhaupt nicht öffnen.  "Die zweite Etage mit 47 Betten steht seit drei Jahren leer", so Domschke. Eine nicht tragbare Angelegenheit. Doch was tun ohne Pflegepersonal?

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Identische Ausbildung wie in Deutschland

Umso mehr freut sich das Kamenzer Azurit-Pflegeheim nun, dass es seit 1. August drei neue Kolleginnen im Team hat. Diese kommen aus Mexiko und wurden im eigenen Land fünf Jahre zu Krankenschwestern ausgebildet. Nach einem aufwendigen Anerkennungsverfahren in Deutschland legten sie kürzlich in Chemnitz ihre mündlichen Prüfungen ab. Und sind nun befähigt, die deutschen Kollegen zu unterstützen. Ihr Visa geht gerade ins Verlängerungsverfahren. Und sie schauen sich in Kamenz nach Wohnungen um.

Dank ihnen konnte die ersehnte Eröffnung des ungenutzten Wohnbereiches erfolgen. Vorerst mit ein paar Zimmern, aber immerhin. "Der traurige Umstand hat nun ein Ende, das freut uns alle", sagt Ralph Domschke. "Unsere Hausmeister mussten schließlich auch diese Räume mitbetreuen, ohne dass sie genutzt wurden. Bis September sollen zehn bis zwölf neue Bewohner einziehen, zwei sind schon da. Weitere folgen, wenn wir mehr Personal bekommen."

Die ausländischen Kolleginnen seien prima angenommen worden, berichten sie. Die 34-jährige Elvir Lorena Valdovinos Rivera zum Beispiel ist glücklich, hier zu sein. "Für uns hat sich ein Traum erfüllt", sagt sie. Sie stammt aus einem kleinen Dorf im Westen Mexikos. Für sie ist Kamenz groß. Kontakt zur Familie hält sie über WhatsApp. "In zwei Jahren kann ich sie frühestens wiedersehen", sagt sie.

Drei Jahre war die obere Etage des Azurit-Pflegeheimes in Kamenz ungenutzt. Jetzt zieht langsam Leben ein. Auch die deutschen Kolleginnen Andrea Lubk (vorn links) und Selina Pohl (vorn rechts) freuen sich mit den mexikanischen Pflegekräften und den Bewohn
Drei Jahre war die obere Etage des Azurit-Pflegeheimes in Kamenz ungenutzt. Jetzt zieht langsam Leben ein. Auch die deutschen Kolleginnen Andrea Lubk (vorn links) und Selina Pohl (vorn rechts) freuen sich mit den mexikanischen Pflegekräften und den Bewohn © René Plaul

Seit Sommer 2019 leitet Ralph Domschke das Haus. Woran der extreme Fachkräftemangel vor Ort liegt, kann er schlecht sagen. Wenn die Azurit-Gruppe zum Beispiel in der Chemnitzer Region, wo sie auch Einrichtungen betreibt, Stellen ausschreibt, dann müsse sie nie lange suchen.

In Kamenz tragen die ländliche Gegend und die fehlenden nahen Ausbildungsstätten zum Problem bei. "Als die Kamenzer Pflegeschule kürzlich schloss, war das auch für uns ein riesiges Problem. Jetzt bildet nur noch das Berufliche Schulzentrum Kamenz aus, die nächste Schule ist in Großröhrsdorf."

Entlohnung in der Branche hat sich verbessert

Die Pflegebranche habe sich hingegen in Sachen gerechter Entlohnung in den  Jahren gemausert. "Wir selbst zahlen Haustarif, auch sonst hat die Branche einen Sprung nach vorn gemacht. Der Job wird gerecht entlohnt, es gibt  Zuschläge, und selbst Azubis starten mit gutem Gehalt", weiß  Pflegedienstleiterin Andrea Beyer.

Bei der Karriere ist einiges machbar, Fort- und Weiterbildungen werden angeboten. Doch auch mit diesen  Aussichten bleibt der Arbeitsmarkt hart umkämpft. Junge Leute lernen selten  Pflegeberufe. Die Aussicht auf Schichtarbeit an 365 Tagen im Jahr trage unter anderem dazu bei, dass es an willigen Nachwuchs fehlt.

Seit 1. August 2020 gehören junge Mexikanerinnen zum festen Team des Azurit-Pflegeheimes in Kamenz. Bei einem mexikanischen Abend brachten sie Kollegen und Bewohnern ihre Traditionen näher.
Seit 1. August 2020 gehören junge Mexikanerinnen zum festen Team des Azurit-Pflegeheimes in Kamenz. Bei einem mexikanischen Abend brachten sie Kollegen und Bewohnern ihre Traditionen näher. © PR Azurit/Schäfer

Die Fachkräfte aus Mexiko werden über eine Agentur vermittelt. "Das alles kostet den deutschen Steuerzahler keinen Cent, nur das Unternehmen Azurit", so Ralph Domschke.  Mit ihrem natürlichem Temperament sind die ausländischen Pflegekräfte übrigens sehr beliebt bei den Bewohnern. Auch auf die vietnamesischen Kollegen im Haus trifft dies zu.

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