Merken

Darauf fährt Bautzen ab

Der Blick in die Kfz-Statistik des Landkreises offenbart echte Bestseller, sterbende Arten und einen wahren Exoten.

Teilen
Folgen
© dpa-tmn

Von Sebastian Kositz

Immer weniger Menschen, immer mehr Autos. Während die Zahl der Einwohner im Landkreis Bautzen seit Jahren kontinuierlich schrumpft, bleibt die Menge der hier zugelassenen Fahrzeuge kurioserweise stabil – und legt jedes Jahr sogar noch leicht zu. Das Auto ist eben des Deutschen liebstes Kind. Exakt 249 280 Fahrzeuge waren Ende März im Landkreis zugelassen, 177 000 davon sind Pkw. Das sind etwa 3 000 Wagen mehr als noch vor drei Jahren. Doch Auto ist nicht gleich Auto. Unterschiedliche Marken konkurrieren um die Gunst der Käufer, zugleich gibt es Autoliebhaber, für die es stets etwas Besonderes sein muss. Die SZ hat sich die Statistik genau angeschaut und herausgefunden, worauf die Menschen zwischen Radeberg und Weißenberg, Hoyerswerda und Wilthen abfahren – und worauf nicht.

Die beliebtesten Automarken im Landkreis.
Die beliebtesten Automarken im Landkreis. © SZ/Grafik

Volkswagen ist die mit Abstand beliebteste Automarke

Er läuft und läuft und läuft – was einst für den Käfer galt, lässt sich für Volkswagen allgemein auch heute noch unterschreiben. Bei fast jedem fünften zugelassenen Pkw im Kreis Bautzen handelt es sich um ein Modell des Autobauers aus Wolfsburg. Mit knapp 34 000 Autos liegt VW unangefochten an der Spitze und verweist Opel, Škoda, Ford und Audi auf die Plätze (siehe Grafik). Interessant ist indes aber der Vergleich mit der deutschen Zulassungsstatistik. Dort ist VW vor Opel zwar auch die klare Nummer eins – auf Platz drei steht dort jedoch Mercedes. Im Landkreis schafft es die Autoschmiede mit dem Stern nicht einmal in die Top Ten. Stattdessen vertrauen die Menschen hierzulande vielmehr auf Škoda. In der Gesamtstatistik für die Bundesrepublik landet der Hersteller aus der Nachbarrepublik Tschechien hingegen nur auf Rang acht. Auch Autos der Marke Seat sind im Landkreis übrigens deutlich beliebter als im Rest des Landes.

Zurückhaltung bei extravaganten Sport- und Luxuswagen

Schnell und luxuriös und im besten Fall sogar beides: Wer es hat, kann für ein extravagantes Auto viel Geld ausgeben. Doch offenkundig wollen oder können das im Landkreis Bautzen nur die wenigsten. Die allermeisten zugelassenen Modelle der Hersteller extravaganter Luxus- und Sportwagen lassen sich jeweils an einer Hand abzählen. In der Kartei des Landratsamtes sind aktuell beispielsweise nur je drei Flitzer von Aston Martin und Maserati, je zwei Bentleys, Ferraris, Panther und Lotus sowie ein Lamborghini, ein Cadillac und ein Borgward vermerkt. Vor drei Jahren waren es übrigens noch drei Ferraris und drei Autos des renommierten englischen Sportwagenherstellers Lotus. Wer es im Landkreis auf dem Asphalt schnell angehen möchte, setzt hingegen auf einen Klassiker: Mit aktuell 142 zugelassenen Fahrzeugen ist Porsche quasi ohne Konkurrenz die beliebteste Marke bei den Sportwagen – und das mit steigender Tendenz. Noch Ende 2011 waren nur 113 Porsche angemeldet. Doch ungeachtet des beachtlichen Zuwachses ist die Anzahl im deutschlandweiten Vergleich sehr gering. Bei den insgesamt 235 000 registrierten Modellen des Herstellers aus Stuttgart-Zuffenhausen fallen die 142 „Bautzner“ nicht wirklich ins Gewicht.

Besonders beliebt sind zudem auch Fahrzeuge der britischen Marke Jaguar, von denen immerhin 45 Karossen im Landkreis angemeldet sind. Darüber hinaus produzieren etwa auch Audi, BMW, Mercedes und andere bekannte Hersteller eine Reihe von Oberklassewagen. Wie viele davon umherdüsen, konnten die Mitarbeiter der Kreisverwaltung aber nicht ermitteln. Die Zulassungsstatistik lässt sich zwar nach Herstellern filtern – unterscheidet aber nicht zwischen einzelnen Modellen wie beispielsweise einem Audi A3 oder einem Premiumboliden wie dem Audi RS 6 Avant.

Elektroautos fahren trotz hoher Zuwachsraten weiter hinterher

Die Zahl der im Landkreis Bautzen zugelassenen Elektrofahrzeuge hat sich innerhalb von zwei Jahren glattweg mehr als verdoppelt. Was zunächst sensationell klingt, relativiert sich allerdings rasch beim Blick auf die absoluten Zahlen. Denn Anfang 2013 waren es gerade einmal nur 21 Autos mit Elektroantrieb. Inzwischen tanken bereits 45 Fahrzeuge nicht mehr an der Zapfsäule, sondern an der Steckdose. Weil allen voran die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs noch immer verhältnismäßig teuer ist, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Unter den Elektroautos im Landkreis gibt es übrigens bereits auch einen sehr edlen Exoten. Laut Kreisverwaltung surrt auch ein Modell des exklusiven kalifornischen Elektromobilbauers Tesla Motors – Einstiegspreis ab 70 000 Euro – über die Straßen zwischen Spree und Röder.

Trabis verschwinden zunehmend von der Bildfläche

Ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung sind die DDR-Autos inzwischen beinah gänzlich von den Straßen verschwunden. Klapperten einst noch Tausende Trabis übers hiesige Granitpflaster, so sind aktuell nur noch 870 Rennpappen gemeldet. Noch vor drei Jahren gab es über 1 000 Trabis, vor einem Jahrzehnt waren allein auf dem Gebiet des damaligen Altkreises Bautzen noch mehr als doppelt so viele unterwegs. Auch der Wartburgbestand hat sich gegenüber 2012 weiter dezimiert, statt etwa 200 gibt es derzeit nur noch 180. Aber: Im Vergleich zum Vorjahr ist beim Wartburg inzwischen sogar wieder ein Modell hinzugekommen. Wer die Augen offenhält, könnte unter Umständen auch noch einen der insgesamt sieben Moskwitschs zu Gesicht bekommen. Vergangenes Jahr waren es sogar noch neun. Ob und wie viele Shigulis und Wolgas noch fahren – dazu machte die Kreisverwaltung in Bautzen keine Angaben.