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Darf’s ein Gipfelbier sein?

Die Försters aus Nentmannsdorf haben das Bierbrauen für sich entdeckt. Und verbinden es mit einer anderen Leidenschaft.

© Marko Förster

Von Katharina Klemm

Nentmannsdorf. Hinter dem Fenster eines Schuppens wird mächtig gerührt. Ute Förster steht mit einem großen Löffel bewaffnet vor einem noch größeren Edelstahltopf. Drinnen blubbert und dampft es. Hinter ihr türmen sich in Metallregalen verschiedene Gerätschaften, Schläuche und unzählige Flaschen. In die soll dann das fertige Bräu gefüllt werden.

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Denn Ute Förster braut Bier, gemeinsam mit ihrem Bruder Uwe Förster. Ihr schmackhaftes Hobby betreiben sie nun schon seit dem Frühjahr 2014. Ihrem Vater hatten sie einen Bierbraukurs geschenkt, erzählt die 39-Jährige. Sie begleite ihn. Seitdem lies sie das Handwerk um Wasser, Hopfen und Malz nicht mehr los. Außerdem lässt sich das Bierbrauen bestens mit einem anderen Hobby der beiden vereinbaren. „Wir klettern auch für unser Leben gern“, sagt Ute Förster. „Da wollten wir auch unser Gipfelbier mal selber brauen.“ Die nötigen Gerätschaften und Zutaten waren über das Internet schnell bestellt. Eine professionelle Brauanlage für mehrere Tausend Euro, um privat zu brauen, ist nicht nötig. Den Riesenkochtopf in einen Braukessel zu verwandeln, dabei half ein Freund. Der schweißte einen Wasserhahn als Ablass dran.

Biere mit regionalem Touch

Gebraut wird bei den Geschwistern, die gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Kindern auf einem Hof in Nentmannsdorf leben, etwa einmal im Monat. „Je nachdem, wie wir eben Lust haben“, sagt Uwe Förster. „Wenn es im Winter kalt ist, brauen wir manchmal auch öfter, im Sommer dafür seltener.“ Natürlich alles nur für den Privatgebrauch – und damit mengenbegrenzt.

Dennoch erfreuen sich die Biere auch bei Familie und Freunden großer Beliebtheit. Und sie sind offenbar so gut, dass sogar Nicht-Biertrinker mal zur Flasche greifen. „Wir haben eine Freundin, die sonst kein Bier trinkt“, sagt Ute Förster. „Aber unser Bier schmeckt ihr.“ Vielleicht auch, weil ihr selbst Gebrautes geschmacklich einen Riesenunterschied zu Industriebier darstellt, sagen die Geschwister.

An diesem Tag machen die beiden ein paar Reste alle, die sie noch vorrätig haben. Wasser und Malz haben sie bereits vermischt, die sogenannte Maische erhitzt und dann geläutert. Dabei wird der Treber von der Würze, dem flüssigen Teil, der weiter zu Bier verarbeitet wird, getrennt. Über den Treber, also den Malzrest, dürfen sich später die Hühner, Kaninchen und Gänse des Hofes freuen – ein feiner Leckerbissen. Die Würze muss nun köcheln. Dann gibt Ute Förster Hopfen hinzu. Noch einmal kräftig umgerührt, und schon kann das flüssige Gold in einen Gärbehälter abgelassen werden. Am nächsten Tag wird noch Hefe hinzugegeben. Dann muss das Getränk reifen.

Wie wichtig den beiden ihre Hobbys sind, wird auch deutlich, wenn man sich die Namen ihrer Biere anschaut. Alle Sorten sind nach Klettergipfeln der Sächsischen Schweiz benannt, die Ute und Uwe Förster schon erklommen haben, wie der Julikopf, der Jahrhundertturm oder die Große Hunskirche. Daher auch der Name „Sächsische Gipfelbiere“.

Das wäre doch bestimmt auch im Verkauf erfolgreich. Planen die beiden, ihr Hobby zu professionalisieren? Das können sie sich nicht vorstellen, da sind sie sich einig. Schließlich wollen sie auch noch Zeit fürs Klettern haben, sagen sie. Könnte Ute Förster es sich jedoch noch einmal aussuchen, dann wäre sie wohl Brauerin geworden, sagt sie lachend.