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Darum geht‘s beim Projekt Narrenhäusel

© Visualisierung: Arte4D, Andreas Hummel/GHND

Noch immer hat Investor Frank Wießner Probleme mit den Ämtern der Stadt Dresden. Damit er alles, was er bis in Kleinste bereits durchgeplant hat, auch so schnell wie möglich bauen kann, fehlt Wießner aber etwas Entscheidendes.

Von Kay Haufe

Ein Großteil der Dresdner liebt das Narrenhäusel, obwohl der kleine barocke Bau mit seinen zwei typischen Rundtürmen schon seit 68 Jahren nicht mehr an der Neustädter Seite der Augustusbrücke steht. Seine Ruine wurde 1950 abgerissen, nachdem das Haus im Februar 1945 von Bomben schwer beschädigt worden war. Doch seitdem der Stadtrat im März 2016 beschloss, das Narrenhäusel wieder aufzubauen, nahm das Projekt Fahrt auf. Das Interesse in der Bürgerschaft ist riesig.

Bauunternehmer Frank Wießner erhielt im November 2017 den Zuschlag für das Grundstück an der Augustusbrücke, wo er das Gebäude nach historischem Vorbild wieder aufbauen will. „Geht es nach mir, würde ich am liebsten gleich mit dem Bau beginnen“, sagt er und zeigt auf die umfangreichen Planungen, die er bereits in Auftrag gegeben hat. Bis hin zum Aufenthaltsraum für das Personal der künftigen Gaststätte im Unter- und Erdgeschoss ist alles angeordnet. Doch obwohl es bereits mehrere Gespräche mit unterschiedlichen Ämtern der Stadt gegeben habe, wartet Wießner noch immer auf den Kaufvertrag. „Ohne den erfolgt alles auf mein persönliches Risiko. Inzwischen habe ich bereits rund 30 000 Euro investiert“, sagt er. Und er sieht angesichts der Arbeiten an der Augustusbrücke auch dringenden Gesprächsbedarf mit der Verwaltung. „Den Abwasseranschluss müsste ich zum Beispiel in der Brücke verlegen lassen. Es ist doch sinnvoll, jetzt darüber zu reden als Monate später, wenn der Fußwege- und Straßenbelag schon wieder fertig ist“, sagt Wießner.

Die Stadtratsfraktion der Sozialdemokraten, die damals auch den Antrag zum Wiederaufbau des Narrenhäusels gestellt hatte, wollte vom Oberbürgermeister wissen, wie weit die Vertragsverhandlungen mit dem Investor gediehen sind. Aus der Verwaltung erfuhren sie, dass nicht alle geforderten Angaben und Unterlagen vorliegen würden. „Besonderer Klärungsbedarf stellt sich zur lage- und höhenmäßigen Einordnung des Bauwerkes, seiner Erschließung und seiner Einfügung in die in Umgestaltung befindliche Augustusbrücke heraus“, heißt es in der Antwort der Stadt. Frank Wießner kann darüber nur den Kopf schütteln. „Ich würde sehr gern darüber mit der Stadt ins Detail gehen“, sagt er. Doch um weitere Planungen zu beauftragen, müsse ihm das Grundstück gehören. „Was ist denn, wenn sich die Stadt plötzlich alles anders überlegt?“, fragt er. Er hat bereits alle Mieter für sein Projekt gefunden. Das Restaurant mit gutbürgerlicher Küche für ein breites Publikum soll vom Betreiber des benachbarten Biergartens geführt werden. Für die Büros in der Etage über der Gaststätte gebe es zahlreiche Interessenten, denn der Blick sei einmalig. „Und ich habe genügend Kontakte, falls jemand abspringt“, sagt Wießner.

Dass der Vorgang so „zäh“ vorangehe, kritisiert Thomas Blümel der Fraktionsgeschäftsführer der SPD. „Ich verstehe, dass die Verwaltung die größtmögliche Rechtssicherheit haben will. Doch es wäre schön, wenn sich beim Narrenhäusel endlich etwas bewegt. Bei Großprojekten wie der Ansiedlung von Bosch funktioniert das doch auch“, sagt Blümel. Problematisch sei vor allem, dass bei Bauvorhaben jedes Amt der Stadt für sich allein arbeite und Investoren immer nur häppchenweise Informationen und Anforderungen bekommen, verteilt über viele Monate. „Ein gutes Beispiel ist die Lenkungsgruppe zum Thema Fernsehturm, wo alle Beteiligten an einem Tisch sitzen. Das würde ich mir auch für viele Bauvorhaben wünschen.“

Nach Auskunft der Stadt geht eine Vorlage zum Verkauf des Grundstückes in den nächsten Wochen in den Gremienumlauf. Im vierten Quartal könnte der Stadtrat einen Beschluss dazu fassen. Doch vorher müsse Frank Wießner noch eine Auflage erfüllen: In der Ausschreibung ist eine Mehrfachbeauftragung für die Fassadengestaltung verlangt worden. „Damit soll an diesem exponierten Standort der beste Entwurf gefunden werden“, schreibt die Stadt. Eine Mehrfachbeauftragung für eine Fassadengestaltung oder einen Wettbewerb würde von allen Bauherren verlangt, die an vergleichbar hochwertigen Standorten bauen.

Mit dieser Aussage kann Wießner allerdings nichts anfangen. „In der Ausschreibung ist lediglich die Rede von einem Wettbewerb für die Gestaltung der Nordfassade. Den kann ich doch aber erst ausloben, wenn mir das Grundstück gehört. Und meist geschieht das gemeinsam mit dem Stadtplanungsamt“, sagt er. Doch er ist froh, dass er nun einen Anhaltspunkt hat. „Dazu werde ich das Gespräch mit der Stadt suchen.“ Geht seine jetzige Zeitplanung auf, könnte nach archäologischen Grabungen und dem Wettbewerb im Februar 2020 mit dem Bau begonnen werden. Er rechnet mit rund 2,5 Millionen Euro für den Bau des Narrenhäusels.