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Darum ist Studieren in Meißen beliebt

Am Ende des Jahres wird die fast fertig sanierte Wohnanlage voll sein. Sie bietet nun auch für Behinderte gute Bedingungen.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Die kürzlich beschlossene Ausbildungsoffensive des Freistaates soll dem drohenden Engpass an gut ausgebildeten Mitarbeitern in den Verwaltungen von Kommunen, Landkreisen und Städten entgegenwirken. Das hat auch Auswirkungen auf die Hochschule Meißen (FH). Lag die Zahl der hier neu dazukommenden Studenten 2015 noch bei 165, wird sie laut aktueller Prognose der FH im kommenden Jahr auf 424 ansteigen.

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Absolut wird die Studentenzahl in Meißen auf über 1 000 steigen. „Was die Neueinstellungen angeht, rechnen wir mit einer Steigerung von 88 Prozent“, sagt Frank Roleder, Referatsleiter Allgemeine Verwaltung an der FH. In Meißen werde Personal für die Rathäuser und Landratsämter geschult – aber nicht ausschließlich. „Wir haben zudem einen eigenständigen Masterstudiengang und bilden für die Sozial- und allgemeine Verwaltung aus“, so Roleder.

Auch wenn durch den Wechsel aus Theorie an der FH und Praxis in den Betrieben und Firmen nie alle Studenten gleichzeitig auf dem Campus sein werden, wird sich auch hier die Zahl erheblich erhöhen. „Wenn sich heute reichlich 500 Präsenzstudenten auf dem Campus befinden, werden es 2020 nach jetzigem Stand 848 sein“, rechnet der Referatsleiter vor. Das bedeutet auch einen steigenden Bedarf bei den Wohnplätzen.

Von den drei Wohnblöcken in Meißen-Bohnitzsch werden aktuell 298 Plätze abgedeckt, 150 Wohnplätze hat die Hochschulverwaltung über die Meißner und Coswiger Wohnungsgesellschaften Seeg und WBV in den jeweiligen Städten angemietet. Die derzeit noch laufenden Sanierungsarbeiten am Meißner Stadtrand sollen im Juli beendet sein. Insgesamt investiert das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) rund 3,5 Millionen Euro in den Standort, der zuletzt von 1994 bis 1996 umgebaut wurde und 2015/2016 vorübergehend als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt wurde.

Auskunft über den Stand der Arbeiten kann der Sachbearbeiter Liegenschaften und Sport an der FH, Jens Hillig, geben. „Die beiden vorderen Blöcke sind bereits saniert und aktuell von 180 Studenten bezogen. Im dritten Wohnblock fehlen noch zwei Aufgänge. Insgesamt gibt es 98 Wohnungen mit je drei Einzelzimmern“, sagt Hillig. Eine Wohnung ist dabei 58 Quadratmeter groß. Zusätzlich stehen jeweils ein kleiner Gemeinschaftsbereich, eine Küche und ein Sanitärbereich mit Toilette sowie eine Gemeinschaftsdusche auf dem Hausflur bereit. W-Lan liegt jeweils an.

„Die Wohnungen werden meistens nur von einem Studenten bewohnt. Durch den sehr leistungsorientierten, engmaschigen Lehrplan dienen die Wohnungen vor allem als Rückzugsort. Die klassische WG gibt es nicht“, so Hille. Auch sonst ist der FH-Student kaum mit einem Lernenden einer Voll-Uni zu vergleichen. „Unsere Studenten gehen ein Angestelltenverhältnis ein, verdienen während ihrer dualen Ausbildung sofort Geld“, sagt Pressesprecherin Christine Skokan. Daher ist für die meisten ein eigenes Auto obligatorisch und der Mietpreis in Bohnitzsch attraktiv. Er liegt bei circa 200 Euro pro Wohnung und Monat. Ein Irrglaube sei es, sagt Jens Hillig, dass die in Meißen Studierenden lieber in die Innenstadt wollen, sich am Rand quasi abgehängt fühlten. „Es gibt eine Studie, die belegt, dass über 70 Prozent die Wohnanlage in Bohnitzsch der Altstadt vorziehen.“ Das habe zum einen mit der besagten Mobilität der Studierenden zu tun. Auf Busse sind sie kaum angewiesen und mit dem eigenen Auto fährt es sich schnell in die Stadt oder zum Einkaufen. „Zum anderen erleben wir, dass es in der Altstadt schneller Beschwerden von Nachbarn gibt. Außerdem empfinden viele Studenten die Parkplatzsituation als sehr schlecht“, sagt Hille. Dagegen steht in Bohnitzsch ein großer Parkplatz mit kostenlosen Plätzen parat. Und auch der Außenbereich wird sich bald sehen lassen können.

Bereits vorhanden sind ein Mehrzweck-Sportplatz sowie mehrere Sitzmöglichkeiten. „Gerade werden noch Wege angelegt und befestigt. Und es wird bald einen Beachvolleyball- und einen Grillplatz auf dem Gelände geben“, so Hille. Darüber hinaus, ergänzt Frank Roleder, wird zukünftig hinter den Blöcken ein großes Festzelt aufgebaut werden können. Zeit, um sich auszutauschen und dabei noch Sport zu machen oder anderweitig Spaß zu haben, bleibt somit zur Genüge. Nicht zu vergessen: „Es gibt in der Wohnanlage einen eigenen Studentenclub, Fitnessräume sowie Waschmaschinen- und Trockenareale“, sagt Jens Hille. Kurz: Die Studenten haben in Bohnitzsch alles, was sie brauchen. Vor allem Platz und Ruhe.

Über eine weitere Neuerung freuen sich die beiden Mitarbeiter der Hochschulverwaltung besonders. So sei im Zuge der Sanierung eine barrierefreie Doppelwohnung entstanden. Sie schließt seitlich an eine der Wohnblöcke an. „Anders als vor der Sanierung können wir nun Studierende mit Behinderungen aufnehmen. Es stehen vier Plätze zur Verfügung. Diese können auf Wunsch auch durch Betreuer der Personen mit Handicap bewohnt werden“, erzählt Roleder. Das Gesamtpaket für die Studenten könne sich ab dem Sommer sehen lassen.

Ein Problem bleibt jedoch: Ab September kommenden Jahres werden die rund 450 Plätze in Meißen nicht mehr ausreichen. Deshalb hatte die SZ gefragt, ob Interesse an den beiden gelben Wohnhäusern an der B 101 – direkt vor der Studentenwohnanlage – bestehe? „Unsere Hochschule könnte sich vorstellen, dass auch auf diesem Areal Bezug zu Studenten der FH geschaffen wird. Zuständig für die Bedarfsdeckung ist jedoch das SIB. Wir haben dort den Mehrbedarf angemeldet, der Rest ist Sache des Freistaats“, sagt Frank Roleder. Der Kontakt zum österreichischen Besitzer der Fläche bestehe. Ein Abriss der alten Soldatenhäuser würde wohl notwendig werden. Aber auch zusätzliche Wohnungen in der Altstadt sind eine Option. Allerdings nicht die Wahrscheinliche. Das zeigt die Zufriedenheit der Studierenden am Meißner Stadtrand.