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Das Abenteuer geht weiter

Nach einem Jahr auf Reisen kehrt DA-Redakteur Eric Mittmann in die Heimat zurück. Dort wartet die nächste Herausforderung.

© André Braun

Von Eric Mittmann

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Döbeln/Waldheim. Genau 362 Tage, acht Länder, 63 000 Kilometer. Das vergangene Jahr als Abenteuer zu bezeichnen, wäre wahrscheinlich noch immer eine Untertreibung. Ich bin im Pazifik geschwommen, in Australien gesurft, habe mit Koalas und Kängurus gekuschelt, Südostasien mit dem Motorroller erkundet, im Marina Bay Sands Hotel in Singapur übernachtet, bin im Shinkansen durch Japan gefahren und in Neuseeland fast ums Leben gekommen. Es war eine unglaubliche Reise, wie ich sie mir in meinen kühnsten Träumen nicht erhofft habe. Ein Trip, der mich vielleicht nicht weiser gemacht, aber definitiv verändert hat.

Nach einem Jahr Work and Travel (Arbeiten und Reisen) kehre ich nun also zurück in meine Heimat. Was ich aus den vergangenen Monaten mitgenommen habe: Sonnencreme ist nicht nur in Australien Pflicht. Die Tongariro Alpine Crossing in Neuseeland sollte man nie bei schlechtem Wetter in Angriff nehmen. Reisen ist schöner in Gesellschaft. Und das Essen in Südostasien ist das Beste, das es gibt – auch wenn davon hin und wieder eine Lebensmittelvergiftung droht.

Doch nicht nur das. Ich habe auch gelernt, die Dinge pragmatischer zu sehen und sich auf das Wichtige zu konzentrieren, statt aus jeder Mücke gleich einen Elefanten zu machen. Das kann mitunter äußerst banal und oberflächlich erscheinen. So gab es Tage, an denen ich feststellen musste, dass meine größte Sorge darin bestand, in welches Restaurant ich abends gehe, damit ich etwas Gutes zu essen habe. Vielleicht muss man das Leben aber auch hin und wieder etwas entschlacken.

Und dann ist da noch ein anderer wichtiger Grund, aus dem ich jedem eine solche Reise wärmstens ans Herz lege: Man verlässt seine Komfort-Zone und lernt neue Kulturen kennen. Neues Essen auszuprobieren, ist sowieso die zweitschönste Sache am Reisen. Viel schöner ist es jedoch, neue Leute kennenzulernen und festzustellen, wie großartig die Menschen sind. Und die Geschichten, die sich daraus ergeben.

Den eigenen Horizont erweitern

Wir haben Street Food in Hanoi mit einem Mann aus Kalifornien probiert, der in den 1980er-Jahren als Journalist in Mittelamerika arbeitete, unter anderem Noam Chomsky interviewte und angeblich eines Tages von Guerilleros mit vorgehaltener Waffe entführt wurde. In Tokyo, wo überraschend wenig Menschen Englisch sprechen, treffe ich beim Friseur auf einen älteren Herrn, der nicht nur des Englischen mächtig ist, sondern darüber hinaus drei Jahre in Deutschland gelebt hat. Ich glaube, ich hatte nur selten einen besseren Haarschnitt.

Ein Mädchen aus Holland und ich sind jeden Abend auf dem Nachtmarkt von Luang Prabang den Süßigkeiten verfallen. In Hà Giang, im Norden Vietnams, lädt uns eine Familie zu gebratener Schnecke und Reiswein ein. Und dann ist da natürlich noch meine australische Au-pair-Familie, die Connellys, für die ich acht Monate gearbeitet und mit ihnen zusammen gelebt habe. Was ich mit all diesen Beispielen sagen möchte, ist: Die Welt ist unglaublich schön und es gibt wohl nichts Spannenderes, als in sie hinauszuziehen. Gerade in einer Zeit wie der jetzigen – in der uns dieser wunderbare Planet offen steht, wir theoretisch alles tun können und uns doch vor so vielem fürchten – ist wohl nichts von größerer Wichtigkeit, als den eigenen Horizont zu erweitern und den Menschen, denen wir begegnen, mit Offenheit gegenüberzutreten. Auch wenn man am Ende erkennt, dass es keinen schöneren Ort als Zuhause gibt.

Wie geht es jetzt also weiter? Um ehrlich zu sein, habe ich erwartet, erst einmal ein Weilchen arbeitslos zu sein. Stattdessen hat mir die Geschäftsleitung des Döbelner Anzeigers eine Stelle angeboten. Ich habe mir ein Auto gekauft und ziehe demnächst auch wieder in eine eigene Wohnung. Könnte es aktuell besser laufen? Ich kann es mir zumindest nicht vorstellen.

Ab und zu packt mich noch eine gewisse Unruhe. Man muss sich eben erst einmal wieder daran gewöhnen, nicht jeden Tag unterwegs zu sein und abzuschalten. Und letztendlich sind auch erst drei Wochen vergangen.

Natürlich kommen mir hin und wieder auch schon Gedanken an den nächsten Roadtrip, die nächste Reise. Im Moment freue ich mich jedoch vor allem darauf anzukommen und bald wieder ein richtiges Zuhause zu haben, alte Freunde zu treffen und zu erfahren, was sich hier in den vergangenen Monaten so getan oder eben auch nicht getan hat. Das ist eben das Schöne an Zuhause: Man mag vielleicht für kurz oder lang mal verschwinden und die Dinge mögen sich verändern, aber am Ende ist und bleibt es trotzdem Zuhause.