merken

Gesundheit

Das Alter mit allen Sinnen genießen

Mit zunehmender Lebensdauer lassen unsere Sinne langsam nach.

Im Alter lassen die Sinne langsam nach – und werden so noch wichtiger für ein gutes Leben.
Im Alter lassen die Sinne langsam nach – und werden so noch wichtiger für ein gutes Leben. © Adobe Stock/Kzenon

Diese altersbedingte Entwicklung bedeutet einen erheblichen Verlust an Lebensqualität – wenn ihr nicht entgegengewirkt wird.

Alle Sinne beisammen

Wie sehr wir uns im Alltag auf unsere Sinne verlassen, wird dann am deutlichsten, wenn einer davon nicht so funktioniert, wie er soll: Wenn wir nicht mehr richtig riechen, sehen, hören, fühlen oder schmecken können, verlieren wir ein wichtiges Mittel, um unsere Umwelt wahrzunehmen.

Gleichzeitig sind unsere Sinne einer immer größeren Zahl an Reizen ausgesetzt. Kurzsichtigkeit oder Ohrgeräusche sind inzwischen häufige Krankheitsbilder, die vor allem deswegen zustande kommen, weil die Sinnesorgane langfristig überfordert sind. Mehr Computer- bzw. Bildschirmarbeit, mehr Smartphone-Nutzung, mehr Umgebungslärm – viel zu tun also für die Sinne und die dazugehörigen Rezeptoren.

Wie die Sinne funktionieren

Unabhängig davon, um welchen Sinn es geht, ist die Funktionsweise im Prinzip immer die gleiche: Ein äußerer Reiz trifft auf die jeweils speziellen Sinneszellen und Rezeptoren. Dort wird aus dem Reiz ein bioelektrisches Signal, das wiederum an das Gehirn weitergeleitet wird. Die hier sitzenden Bereiche für die Verarbeitung dieser Signale haben anschließend die Aufgabe, diese zu unseren Sinneseindrücken umzuwandeln.

Was im Normalfall so selbstverständlich und unmittelbar abläuft, ist in Wahrheit eine Höchstleistung des Körpers, um aus vielen unterschiedlichen Reizen ein vollständiges „Bild“ der Umwelt entstehen zu lassen:

Beim Sehen sorgen die Stäbchen (Unterscheidung von hell und dunkel) und Zapfen (Farbbereiche rot, blau und grün) auf der Netzhaut – in Zusammenarbeit mit anderen Nervenzellen – dafür, dass aus den elektromagnetischen Wellen des Lichts zuerst chemische, dann elektrische Signale werden, die im visuellen Zentrums des Gehirns ein Bild ergeben.

Das Hören basiert auf der Umwandlung von Schallwellen in bioelektrische Signale. Damit das funktioniert, braucht es in der Cochlea (Schnecke) des Innenohrs eine komplexe Anordnung von Haarsinneszellen: Einige dieser Sinneszellen wirken als Verstärker der eingehenden Schallimpulse, während andere als Vermittler vom Innenohr über den Hörnerv zum Hörzentrum dienen.

Noch komplexer wird es beim Fühlen, denn hier spielen sehr verschiedene Reize eine Rolle – Druck, Vibration, Dehnung, Gewebeschäden, Kälte und Wärme werden dabei von ebenso unterschiedlichen Sinneszellen registriert und verarbeitet. Vater-Pacini-Körperchen reagieren auf Druckveränderungen und Vibrationen in der Unterhaut, Ruffini-Körperchen sitzen in der Lederhaut und erkennen Dehnungen. Ebenfalls in der Lederhaut sind Krause-Körperchen und freie Nervenendigungen zu finden, die Kälte (Krause-Körperchen), Wärme und Schäden des Gewebes (beides freie Nervenendigungen) erkennen.

Meissner-Körperchen und Merkel-Zellen sitzen in besonderer Dichte in den Fingerspitzen, den Lippen, den Brustwarzen und den äußeren Geschlechtsorganen und sind hochsensible Tastrezeptoren. In allen Fällen müssen mechanische Reize in bioelektrische Signale umgewandelt werden.

Beim Schmecken geht es hingegen weder um physikalische noch um mechanische Reize, sondern um Chemie. Die Geschmacksrezeptoren auf der Zunge reagieren auf chemische Stoffe, nach denen die fünf unterschiedlichen Geschmäcker – süß und salzig, bitter und sauer sowie umami – unterschieden werden können. Durch eine biochemische Reaktion senden die Rezeptoren ihre Eindrücke über Transmitter an andere Nervenzellen, wo wiederum die bioelektrischen Reize entstehen, die die Informationen an das limbische System des Gehirns weiterleiten.

Das Riechen benötigt erst einmal eine ausreichend große Anzahl an Duftmolekülen. Erreichen diese die Millionen Riechsinneszellen der Nase, lösen sie eine biochemische Reaktion, die im Nervenbündel des Riechstrangs die bioelektrischen Impulse auslöst, die an verschiedene Bereiche des Gehirns geschickt werden: Die Riechrinde sorgt für den konkreten Geruchseindruck, das limbische System für die Verknüpfung von Geruch und Emotionen.

Mehr als die fünf Sinne

Tatsächlich handelt es sich beim Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen nur um die fünf Hauptsinne, die dem Menschen zur Verfügung stehen. Es gibt daneben noch einige mehr – und damit ist nicht häufig die als sechster Sinn bezeichnete Intuition gemeint. So können beispielsweise das Schmerzempfinden oder der Temperatursinn ebenfalls als eigenständige Sinne aufgefasst werden.

Der Gleichgewichtssinn. Das sogenannte vestibuläre System ist für die Wahrnehmung der Position und der Bewegung des eigenen Körpers im Raum zuständig – sozusagen ein permanent aktives 3D-Navigationsgerät. Es liegt im Innenohr und besteht aus dem Drehsinnesorgan sowie zwei Vorhofsäckchen, die Geschwindigkeitsänderungen „messen“.

Damit sowohl unsere Bewegungen als auch unser Bild der Außenwelt stabil sind, arbeitet das vestibuläre System besonders schnell mit den Augenmuskeln zusammen. Dank des vestibulo-okulären Reflexes können wir alles sehen, ohne dass die Körperbewegung das Bild zum „Wackeln“ bringt.

Mehr Sicherheit beim Gehen: Ein Rollator kann auch helfen, einen schwächeren Gleichgewichtssinn abzumildern. 
Mehr Sicherheit beim Gehen: Ein Rollator kann auch helfen, einen schwächeren Gleichgewichtssinn abzumildern.  © Adobe Stock/Robert Hoetink

Die Propriozeption. Ein weiterer Sinn, den wir meistens ganz unbewusst nutzen, der aber in Verbindung mit dem Gleichgewichtssinn überaus wichtig ist. Die Propriozeption ermöglicht es dem Körper durch verschiedene Rezeptoren in Muskeln, Gelenken und Sehnen, jederzeit über die Position seiner Gliedmaße informiert zu sein. Das gilt außerdem für die Lage des Körpers im Raum – es handelt sich also gewissermaßen um einen Sinn der Selbstwahrnehmung.

Daran wirken aber nicht nur die genannten Rezeptoren mit, sondern genauso visuelle Informationen sowie der Gleichgewichtssinn. Die komplexe Verschränkung dieser unterschiedlichen Eindrücke bei der Propriozeption macht es uns unter anderem möglich, die Nasenspitze auch bei geschlossenen Augen zielsicher mit dem Finger zu berühren.

Die viszeralen Sinne. Sie werden selten wirklich bewusst wahrgenommen, trotzdem sind sie für das Überleben extrem wichtig. Denn hierbei handelt es sich um die Wahrnehmung der inneren Organe – am auffälligsten ist sie noch dann, wenn sie durch Schmerzimpulse auf Missstände hinweist. Dieser Sinn ist aber gleichzeitig dafür verantwortlich, Warnsignale zu senden, wenn Verhungern oder Verdursten droht.

Im Nachfolgenden soll es jedoch vorrangig um die fünf „klassischen“ Sinne gehen, wie sie seit Aristoteles gelten – und um die Frage, wie sich das Alter eines Menschen auf die Funktionsfähigkeit seiner Wahrnehmungsorgane auswirkt und welche Folgen das wiederum für das alltägliche Leben haben kann.

Wenn die Sinne schwächer werden

Das Alter eines Menschen ist selbstverständlich nicht der einzige Grund, aus dem die Zuverlässigkeit der einzelnen Sinne nachlässt. Allerdings konnten Studien eindeutig nachweisen, wie groß der Anteil des fortschreitenden Alters daran ist – und worin genau die Ursachen liegen.

Altersschwache Sinne

Eine US-amerikanische Untersuchung konnte bei Studienteilnehmern im Alter zwischen 57 und 85 ein weitreichendes Nachlassen der Leistungsfähigkeit der Sinne aufzeigen. Am häufigsten zeigten sich Einbußen bei einem der fünf Sinne, aber bei rund einem Drittel der Probanden konnten auch Schwächen bei bis zu drei Sinnen nachgewiesen werden.

Besonders betroffen ist der Geschmackssinn, der bei etwa der Hälfte der Teilnehmer so weit nachgelassen hatte, dass keine der Geschmacksrichtungen bei Proben erkannt werden konnte. In ähnlicher Weise vielen die Ergebnisse zu allen Sinnen aus – wer im Alter noch über (weitgehend) voll funktionierende Sinne verfügt, bildet demnach die Ausnahme.

Gründe hierfür gibt es einige: Sie reichen von der altersbedingten Degeneration der Nervenzellen über Umwelteinflüsse bis hin zu genetischer Vorbelastung. Ausschlaggebend dafür, wie schwerwiegend das Nachlassen der Sinne tatsächlich ist, bleibt aber die individuelle Kombination der relevanten Faktoren.

Die Leistungsfähigkeit der Augen lässt bereits relativ früh nach und verschlechtert sich sukzessive. 
Die Leistungsfähigkeit der Augen lässt bereits relativ früh nach und verschlechtert sich sukzessive.  © Adobe Stock/Rawpixel.com

Die häufigsten Anzeichen und Auswirkungen nachlassender Sinne

Dass die Augen, die Ohren, die Nase und die übrigen Sinnesorgane nicht mehr so mitmachen und nicht mehr so zuverlässig die Informationen von außen vermitteln können, ist im Übrigen keine Erscheinung, die erst in einem vergleichsweise hohen Alter einsetzt. Bemerkbar machen sich altersbedingte Einflüsse auf die Leistungsfähigkeit der Sinne bereits ab dem 45. Lebensjahr.

Beim Sehen

Wenn beim Lesen die Buchstaben nur noch dann erkennbar sind, wenn die Zeitung oder das Buch in ausreichend große Entfernung zum Auge gebracht werden, ist das bereits der beginnenden Altersweitsichtigkeit geschuldet. Sie entsteht dadurch, dass die Augenlinsen über die Jahre an Elastizität verlieren – meistens hat sie schon bis Mitte 60 ihren Höhepunkt erreicht.

Gleichzeitig büßen die Augenlinsen ihre Transparenz ein. Bereits mit 50 liegt die Durchsichtigkeit der Linsen deutlich unter der von Kinderaugen. Ab dem 60. Lebensjahr kommt erschwerend hinzu, dass das Auge weniger empfindlich für Kontraste wird: Es fällt ihm schwer, Hell und Dunkel richtig zu unterscheiden. Besonders das Erkennen von Gesichtern fällt dadurch in zunehmendem Maße schwer.

Empfindlicher werden die Augen wiederum gegenüber Licht bzw. schnell wechselnden Lichtverhältnissen. Die Pupillen öffnen und schließen sich erheblich langsamer, außerdem öffnen sie sich generell weniger weit. Das erschwert das Sehen im Dunkel. Bei einem schnellen Wechsel zwischen Hell und Dunkel werden ältere Menschen zudem häufiger geblendet, da die Pupillen sich nicht mehr rechtzeitig schließen, um für Schutz vor dem einfallenden Licht zu sorgen.

Die mit Abstand häufigste Einschränkung der Sehkraft entsteht jedoch durch die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Davon betroffen sind die Sehsinneszellen an dem Punkt der Netzhaut, wo das schärfste Sehen geleistet wird.

Ablagerungen und Durchblutungsstörungen verursachen unscharfes Sehen, Verzerrungen oder Wellen beim Sehen. Buchstaben sind nur noch verzerrt oder verformt erkennbar, in der Mitte des Sehfeldes erscheint ein grauer Fleck – er ist womöglich schon ein Zeichen dafür, dass dort später der völlige Sehverlust droht, während die Sehkraft um das Zentrum herum noch erhalten bleibt.

Das Problem besteht vor allem darin, dass AMD als häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen für Menschen, die älter als 65 Jahre sind, nur in einer der beiden Erscheinungsformen behandelbar ist. Laser und Medikamente, die das Gefäßwachstum helfen, können die sogenannte feuchte Makuladegeneration zwar aufhalten – sie ist allerdings sehr viel seltener als die trockene Makuladegeneration, für die es bislang keine Therapiemöglichkeit gibt.

Wenn das Gehör nachlässt, fallen Unterhaltungen zunehmend schwerer. 
Wenn das Gehör nachlässt, fallen Unterhaltungen zunehmend schwerer.  © © Adobe Stock/Seventyfour

Beim Hören

Ein ebenso bekanntes wie häufig auftretendes Problem ist Altersschwerhörigkeit. Bei Menschen mit Mitte 60 ist schon die Hälfte betroffen, mit fortschreitendem Alter liegt der Anteil sogar noch höher. Unterschiede gibt es zwischen den Geschlechtern: Männer bekommen deutlich früher Schwierigkeiten beim Hören, die Hörfähigkeit verschlechtert sich dazu auch schneller als bei Frauen.

Die Symptome sind jedoch die gleichen. Zuerst schwindet die Wahrnehmung von hohen Frequenzen, bei den niedrigeren Frequenzen vollzieht sich der Hörverlust langsamer. Im Alltag spürbar wird die Schwerhörigkeit, sobald Frequenzbereiche zwischen 1.000 und 3.000 Hertz nicht mehr richtig registriert werden. Diese sind jedoch zentral, um Sprache verstehen zu können.

Hier treten die Schwierigkeiten ebenfalls zuerst bei den Buchstaben, die in den höheren Frequenzen angesiedelt sind. Dazu gehören etwa „t“, „p“, „k“, „f“, „s“ und „ch“, die immer schlechter voneinander unterschieden werden können – was ebenso für Worte und Wortteile gilt, die ähnlich klingen.

Auf den möglichen Hörverlust wird das Problem von älteren Menschen jedoch selten geschoben. Als Grund für Verständnisschwierigkeiten wird vielmehr zu leises und/oder zu undeutliches Reden des Gesprächspartners angegeben. Erschwert wird das Ganze durch anhaltende Nebengeräusche.

Einer früheren Studie zufolge besteht außerdem ein Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und Sterblichkeit – der Hörverlust führe demnach zu einer früheren Sterblichkeit. Weitere Folgen von Altersschwerhörigkeit wurden in jüngeren Studien untersucht, darunter auch ein erhöhtes Demenzrisiko.

Beim Riechen und Schmecken

Der Geschmackssinn nimmt mit dem Alter ab, da immer weniger Geschmacksknospen übrigbleiben, um die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen zu unterscheiden. Vor allem salzig und bitter werden dadurch schlechter erkannt, genauso wie sauer, aber nicht im selben Ausmaß. Bei süßen Lebensmitteln hingegen funktioniert der Geschmackssinn noch verhältnismäßig gut, vor allem im Vergleich zu den anderen Geschmacksqualitäten.

Als zweiter chemo-sensorischer Sinn neben dem Schmecken lässt auch die Fähigkeit, verschiedene Gerüche zu unterscheiden, mit dem Alter nach. Die besondere Tragweite von Verlusten in diesen beiden Bereichen rührt daher, dass die beiden Sinne zwar insgesamt weniger Bedeutung für die auditiv-visuelle Strukturierung unserer Umwelt haben – wir nehmen sie vornehmlich über das Sehen und Hören wahr –, aber gerade bei der Nahrungsaufnahme eine wichtige Funktion haben.

Aromen werden vollständig erst durch das Zusammenspiel der Geschmacks- und Geruchsrezeptoren erfasst. Dabei geht es in der Regel darum, Speisen und Getränke richtig genießen zu können. Dass das Riechen aber nicht nur dem Genuss dient, wird spätestens dann klar, wenn Lebensmittel nicht mehr zum Verzehr geeignet sind: Ob etwas verdorben ist, lässt sich am einfachsten anhand des Geruchs erkennen. 

Mit dem Alter lässt auch der Geschmackssinn nach und schmälert damit den Genuss beim Essen. 
Mit dem Alter lässt auch der Geschmackssinn nach und schmälert damit den Genuss beim Essen.  © Adobe Stock/Rido

Besonders der Geruchssinn ist daher ein wichtiger Impulsgeber für mehr oder weniger bewusste Verhaltensweisen. Das Beschnuppern von Lebensmitteln, um Informationen zu deren Qualität zu erhalten, ist eine bewusste Handlungsweise. Sich von bestimmten Gerüchen bei Kaufentscheidungen leiten zu lassen, eine unbewusste.

Auswirkungen hat der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn aber zuallererst auf die Art und Weise, wie Menschen im Alter ihr Essen wahrnehmen: Selbst bei einem normalen Einsatz von Gewürzen schmecken Speisen fade, weil die Rezeptoren die eingehenden Reize nicht mehr ausreichend verarbeiten können. D s nachlassende a Riech- und Schmeckvermögen hat dadurch einen erheblichen Einfluss auf die Essgewohnheiten im Alter – von Appetitlosigkeit bis hin zu Fettleibigkeit.

Schmerzen und Durst

Schwerwiegende Folgen für den Alltag im Alter ergeben sich auch durch andere nachlassende Sinne. Ein bekanntes Problem ist beispielsweise, dass ältere Menschen dazu neigen, (zu) wenig zu trinken. Das hat nichts damit zu tun, dass sie das Trinken vergessen würden, sondern hängt mit der schwächer ausgeprägten Wahrnehmung des Durstes zusammen. Selbst bei einsetzender Dehydratation werden die Warnsignale nicht mehr als solche erkannt.

Ähnlich gefährlich kann darüber hinaus das abnehmende Schmerzempfinden sein. Das führt nämlich dazu, dass Verletzungen, Infektionen und sonstige Schädigungen des Körpers häufig erst zu spät registriert werden. Bei bettlägerigen Menschen kann das in ungünstigen Fällen zu einem Dekubitus führen, also Druckstellen wegen der fehlenden Bewegung.

Umgekehrt erleichtert es die veränderte Wahrnehmung der Schmerzen älteren Menschen häufig, mit chronischen Schmerzen oder mit Schmerzen, die mit einer anderen Erkrankung einhergehen, zu leben. Allerdings besteht auch hierbei stets das Risiko, kritische Veränderungen des Gesamtzustands der Betroffenen deshalb nicht rechtzeitig zu bemerken.

Gutes Leben im Alter

Ein selbstbestimmtes Leben in der gewohnten Umgebung, mit dem gewohnten Alltag – das ist die verbreitete Vorstellung davon, wie ein erfülltes und gutes Leben im Alter aussehen sollte. Ob das wirklich gelingt, hängt jedoch auch davon ab, inwieweit der Körper dazu noch in der Lage ist. Funktionieren die Sinne nicht mehr in der üblichen Weise und werden unzuverlässig, ergeben sich daraus unter Umständen gravierende Einschränkungen für die eigenen Handlungsmöglichkeiten.

Die Umwelt wieder erlebbar machen

Mit der Wahrnehmung geht außerdem der Kontakt zur Außenwelt verloren: Leben und er-leben liegen in diesem Zusammenhang dicht beieinander. Mehr als genug Gründe also, um den eigenen Sinnen frühzeitig und regelmäßig auf die Sprünge zu helfen – und dabei auf individuelle Bedürfnisse zu achten.

Die Voraussetzungen können nicht nur in Abhängigkeit vom Alter, sondern vor allem durch unterschiedliche Lebensläufe und Krankheitsverläufe stark voneinander abweichen. Es gilt also, die Menschen über die Sinne zu erreichen, auf die sie noch am meisten ansprechen und durch ein verbessertes Erleben der Umwelt ein besseres Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

Gegen das altersbedingte Nachlassen der Sinne gibt es unterschiedliche Hilfsmittel wie etwa Hörgeräte. 
Gegen das altersbedingte Nachlassen der Sinne gibt es unterschiedliche Hilfsmittel wie etwa Hörgeräte.  © Adobe Stock/Kara

Alterssichtigkeit und Schwerhörigkeit

Gerade für die beiden wichtigsten Sinne, das Sehen und das Hören, gibt es eine Vielzahl an Hilfsmitteln, die dem altersbedingten Nachlassen entgegenwirken können. Dass sich bestimmte Formen des schlechteren Sehens beispielsweise mit Hilfe von Laser- oder medikamentöser Behandlung verbessern lassen, wurde bereits erwähnt. Bei Alterssichtigkeit oder Presbyopie gibt es tatsächlich eine Vielzahl von Therapiemöglichkeiten. Die gängigste Methode, um altersschwachen Augen zu helfen, bleibt aber die Brille.

Altersschwerhörigkeit kann durch verschiedene Umstände beschleunigt werden. Unzureichender Schutz bei lauten Tätigkeiten und kaltem Wetter, Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes tragen zum schlechteren Hören bei. Nicht zu unterschätzen ist hierbei auch das falsche Vorgehen, wenn es um die Reinigung der Ohren geht: Es kann beinahe nicht häufig genug wiederholt werden, dass Wattestäbchen nichts im Gehörgang verloren haben.

In diesem Fall hilft der Besuch beim HNO-Arzt, um mindestens einen Teil der Hörfähigkeit wiederherstellen zu lassen. Für fortgeschrittenere Altersschwerhörigkeit hingegen reicht es nicht aus, störendes Ohrenschmalz entfernen zu lassen. Das Pendant zu den Brillen ist (nicht nur) für ältere Menschen nach wie vor das Hörgerät.

Es stellt die einfachste Möglichkeit dar, um den Hörverlust einzudämmen oder womöglich sogar ganz zu stoppen – damit schaffen Hörgeräte in vielerlei Hinsicht Vorteile im Alltag. Deshalb sollte nicht aus falscher Eitelkeit auf dieses Hilfsmittel verzichtet werden, zumal die Geräte vielfach kaum noch sichtbar sind.

Sollte die Altersschwerhörigkeit aus einer Beeinträchtigung des Innenohrs, also der Hörschnecke, resultieren, kommt unter Umständen ein Cochlea-Implantat in Frage. Besonders in Fällen, in denen bereits absehbar ist, dass herkömmliche Hörhilfen aufgrund der Schädigungen im Innenohr nur eine geringfügige oder gar keine Wirkung erzielen, sind die Implantate eine echte Alternative.

Eine nicht zu unterschätzende und häufig schon früh auftretende Gefahr für die Hörfähigkeit im Alter stellt ein Tinnitus dar. Solche Ohrgeräusche lassen sich jedoch mit einem Tinnitusmasker überdecken. 

Am Leben teilnehmen und es mit allen Sinnen genießen: Das ist – mit Einschränkungen – auch im Alter noch möglich. 
Am Leben teilnehmen und es mit allen Sinnen genießen: Das ist – mit Einschränkungen – auch im Alter noch möglich.  © Adobe Stock/Kara

Alle Sinne fordern

So sehr unsere Wahrnehmung auch von auditiv-visuellen Reizen bestimmt ist, so sehr gilt es gerade bei einem drohenden oder sich bereits vollziehenden Verlust eines oder mehrerer Sinne, diese nach allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu fördern.

Nur so kann ein gutes Leben im Alter funktionieren. Wie eine Umfrage des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz gezeigt hat, gehört dazu ein gewohntes Wohnumfeld und stabile soziale Netzwerke. Dazu gehört aber eben auch, sich bis ins hohe Alter auf seine Sinne verlassen zu können, um sich innerhalb dieses Umfelds und dieser Netzwerke ohne größere Schwierigkeiten zurechtfinden zu können.

Wie die Förderung und Stimulierung der Sinneswahrnehmung aussehen kann, hat das Bayerische Rote Kreuz in der Broschüre „Füllhorn der Sinne“ zusammengetragen. Darin enthalten sind unterschiedlichste Beispiele, wie die Sinne älterer Menschen auf kreative Art und Weise reaktiviert werden können.

Diese Beispiele stammen zwar aus dem Bereich der Altenpflege, allerdings heißt das keineswegs, dass sie nicht Anregungen für all die Senioren enthalten können, die noch zu Hause leben – und dort leben bleiben wollen. Denn unabhängig von der jeweiligen Wohn- und Lebenssituation bedeuten sinnliche Erfahrungen ein enormes Plus an Lebensqualität.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur Autorin: KH. Wieden.