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Das Bauernhäusl ist zurück

Zehn Monate nach dem Elbehochwasser öffnet das Gasthaus in Pötzscha wieder – und freut sich über die nächste Flut.

© Daniel Förster

Von Katarina Lange

Dort, wo Mirko Täubrich heute steht, hätte er im Juni 2013 Jahres nicht nur nasse Füße bekommen. Die Elbe hätte ihn buchstäblich überragt. Der Wirt des Bauernshäusls in Pötzscha zeigt, wie hoch der Fluss vor zehn Monaten stand. Etwa 1,60 Meter stand der Gastraum damals unter Wasser. Man braucht viel Fantasie, um sich das Szenario vorzustellen. Denn heute schlängelt sich die Elbe friedlich an den Pötzschaer Elbwiesen entlang, etwa sechs Meter unterhalb des Gasthauses.

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Pünktlich zum Osterfest kann Täubrich das Bauernhäusl nun wieder eröffnen. „Es war allerhöchste Zeit“, sagt der Gastronom. Eigentlich wollte er schon Silvester die ersten Besucher begrüßen. Doch noch war zu viel zu tun, um die Flutschäden zu beseitigen. Rund 500 000 Euro wurden allein in das Gebäude gesteckt. An Möbeln und Inventar kamen weitere 200 000 Euro hinzu.

Und auch jetzt seien noch nicht alle Reparaturen abgehakt. „Doch das liegt außerhalb des Sichtfeldes unserer Gäste“, sagt Mirko Täubrich. Alle Räume, die die Besucher sehen, sind instand gesetzt. Doch hinter den Kulissen geht die Arbeit weiter. Auch die Wohnung von Mirko Täubrich, die sich im Bauernhäusl befindet, ist noch nicht hergerichtet. „Das muss vorerst warten“, sagt Täubrich. Ihm war es wichtig, dass das Geschäft wieder losgeht. Dass man wieder zu Potte kommt, wie der stämmige Pötzschaer es salopp formuliert. Die Osterfeiertage hätten sich für die Eröffnung angeboten. Zumal Ostern dieses Jahr recht spät im April gefeiert wird. Das hätte ihm zusätzlich mehr Zeit verschafft.

Zum Durchatmen kommt der Gastwirt dennoch nicht. Mit dem Ostergeschäft kommt die nächste Flut auf ihn zu – im positiven Sinne. Seit vergangener Woche stehe das Telefon kaum still. Die Anrufer reservieren für die Feiertage. Vor allem am Ostersonntag und Montag platzte das Bauernhäusl aus allen Nähten. „Wir müssen die Saison jetzt gut über die Bühne bringen“, sagt Mirko Täubrich. Er und auch die anderen Gastwirte und Hoteliers, die die Flut im letzten Jahr erwischt hat, seien auf Besucher angewiesen. Nur wenn sie wiederkommen, könne man überleben.

Drei Hochwasser in elf Jahren

Das Leben an und mit der Elbe ist der Pötzschaer gewohnt. 1998 hat er das Haus an der Bahnhofstraße gekauft. 2002 machte er die erste große Hochwasserkatastrophe mit. 2005 ging dann die Pension in Betrieb, ein Jahr später wurde die Ausflugsgaststätte eröffnet. Noch im gleichen Jahr rückte die Elbe dem Bauernhäusl gefährlich nahe. Der Keller wurde bei diesem Hochwasser geflutet. Mit Pumpen versuchte Täubrich damals, die Kellerdecke trocken zu halten. Wäre sie nass geworden, wäre auch der Gastraum betroffen gewesen. Doch die Decke blieb trocken.

Im letzten Jahr folgte dann das nächste Elbehochwasser – Nummer drei innerhalb von nur elf Jahren. „Das Haus wurde 1806 erbaut, es richtig hochwassersicher zu machen, geht nicht“, sagt Mirko Täubrich. Das Gemäuer ist löchrig. Vor allem im Keller dringt bei einem hohen Elbepegel Wasser ein. „Die Sächsische Aufbaubank finanziert leider nur den Wiederaufbau mit“, sagt Täubrich. Vorsorgemaßnahmen gegen die nächste Flut würden hingegen nicht finanziell unterstützt werden. Mirko Täubrich bedauert das. Denn Ideen, wie das Bauernhäusl flutsicherer wird, hätte er.