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Das Baukastenhaus

Experte Andrej Eifert aus Auer hat ein vielseitig verwendbares und kostengünstiges Bausystem entwickelt.

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© Norbert Millauer

Von Wolf Dieter Liebschner

Moritzburg. Module sind nichts Neues. Sie werden in den verschiedensten Wirtschaftszweigen verwendet. Standardisiert gefertigt sind sie preiswerter, leichter handhabbar, effektiv zu verbauen und fast universell einsetzbar. Diesen Möglichkeiten hat sich der Baufachmann Andrej Eifert mit seiner Ein-Mann-Firma Nextperience aus dem Moritzburger Ortsteil Auer verschrieben. Er hat ein Holzrahmen-Bausystem namens xT-Bauweise entwickelt, das für die Errichtung von bis zu viergeschossigen Wohn- und Gewerbebauten eingesetzt werden kann.

Vom Holzrahmen bis hin zum fertigen Haus. Andrej Eifert sieht die Zukunft seines Modulsystems vor allem im sozialen Wohnungsbau.
Vom Holzrahmen bis hin zum fertigen Haus. Andrej Eifert sieht die Zukunft seines Modulsystems vor allem im sozialen Wohnungsbau. © Andrej Eifert (Abbildung)
© Andrej Eifert (Abbildung)
© Andrej Eifert (Abbildung)
© Andrej Eifert (Abbildung)

Nach Eiferts Angaben werden damit Quadratmeterpreise von 1 200 bis 1 700 Euro Baukosten nicht überschritten. „Das ist abhängig von der gewünschten Ausstattung sowie dem Anteil erbringbarer Eigenleistungen“, sagt der 42-jährige Freiberufler. Damit erreicht er ein komfortables Verhältnis von Preis und Leistung, das heutzutage ohne den Einsatz von Fördermitteln nicht mehr machbar ist.

Die einfache Handhabung der rund 70 Kilogramm schweren Einzelmodule macht laut Eifert auch einen Selbstaufbau in Nachbarschaftshilfe möglich. Ein erstes Pilotprojekt ist in Leipzig zu besichtigen. Dort wurde nach Eiferts Methode ein Anbau an ein Verlagshaus errichtet. Den eigentlichen Vorteil seiner Modulbauweise sieht er jedoch in der Lückenbebauung im innerstädtischen Bereich.

Deshalb will er demnächst in die Offensive gehen und Entscheidungsträger in der Verwaltung und der Wohnungswirtschaft „im Weichbild Dresdens“, so Eifert, davon zu überzeugen, „dass bezahlbares Bauen und Wohnen in Größenordnungen möglich ist“. Zusätzliche Vergünstigungen könnten sich noch aus einem bereits angelaufenen Förderprogramm für Mikroappartments ergeben.

Eifert denkt dabei an mehrgeschossige Bauten, mit denen das Stadtbild sozialverträglich verdichtet werden könnte. Im Blick hat er dabei vor allem Städte wie Radebeul, Coswig oder Radeburg. Die Realisierung sei jedoch davon abhängig, inwieweit verfügbare Flächen vorhanden sind. „Mit diesem Modulsystem können fast alle möglichen Gebäude errichtet werden, angefangen beim Buswartehäuschen. Aber es kann nicht nur darum gehen, wie man sich mit einfachen Mitteln ein Gartenhäuschen oder Einfamilienhaus selber bauen kann. „Die Bezahlbarkeit von Wohnraum ist nur in den größeren Dimensionen von kompakten Mehrgeschossern mit sparsamer Erschließung möglich und die Anforderungen an die Bauwirtschaft wachsen stetig.“ Eifert bezieht sich dabei nicht nur auf den Wärmeschutz und den demografischen Wandel. „Wir werden in Deutschland nicht nur weniger, sondern zunehmend schneller auch älter und bunter“, sagt er. „Vor allem diesen Herausforderungen muss sich der soziale Wohnungsbau stellen.“

Eifert erwähnt Bevölkerungsprognosen, nach denen sich in größeren Kommunen der Anteil Hochbetagter über 80 Jahre in den nächsten zehn Jahren um die Hälfte erhöhen wird. Sein Modulbausystem ist barrierefrei und geeignet, sich altersgerecht den jeweiligen Lebensumständen anzupassen. Ebenso sieht er Möglichkeiten, die Module auch für die speziellen Bedürfnisse von behinderten Menschen einzusetzen oder auch für kostengünstige und kurzfristige Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. „Als reine Modulbaugruppe in Eigenleistung können Gebäude zwar nur dreigeschossig errichtet werden“, so Eifert. „Es ist aber auch möglich, die Modulbauweise mit einem herkömmlich massiv erstellten Erdgeschoss zu verbinden, sodass letztendlich auch viergeschossige Bauten entstehen können.“

Eifert verweist zudem darauf, dass die Konstruktion der Häuser nahezu beliebig veränderbar ist und sogar tragende Teile noch nutzungsbedingt versetzt werden könnten. Hinzu komme die sehr gute Dämmeigenschaft. „Tragkonstruktion und Dämmung liegen in einer Ebene. Damit kann der gesamte Wandquerschnitt für die Wärmedämmung genutzt werden.“

Nicht zuletzt könnte Eiferts baukonstruktives Patent auch der Bewältigung von Katastrophen zugute kommen. „Ich möchte die xT-Bauweise nach dem Beben in Ekuador auch als einfache und weitgehend erdbebensichere Option für den Wiederaufbau zerstörter Stadtteile lizenzfrei anbieten“, sagt der Baufachmann. „Deshalb arbeite ich auch an einem Typenentwurf zur Wiederaufbauhilfe als Angebot an Herrn Jurado, den Botschafter Ecuadors hier in Deutschland.“ Das Land war im April dieses Jahres von einem schweren Erdbeben getroffen worden.