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Das beruhigende Rascheln der Polyesterfäden

Ex-Yeti-Chef Kay Steinbach startet neu – mit einer Hightech-Matratze. Und einer schönen Turnerin.

Von Lars Radau

Dresden. Karolina Raskina ist an diesem Nachmittag so etwas wie der lebende Beweis. Dafür, dass die „Soulmat“ mehr ist als eine normale Matratze. Sie taugt auch als Unterlage für akrobatisch-anmutige Übungen der zehnfachen Deutschen Meisterin für Rhythmische Sportgymnastik. Während die 22-Jährige auf der Liegefläche ihren Oberkörper reckt und ihr rechtes Bein samt gestrecktem Fuß neben dem Kopf in die Höhe streckt, versucht Kay Steinbach, möglichst unbeeindruckt Fragen zu beantworten. Doch die Matratzenkante, auf der der Chef der Product Emotion GmbH sitzt, ist von dem Geschehen wenige Zentimeter hinter seinem Rücken durchaus in Wallung gebracht.

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Innerlich dürfte indes auch Steinbach aufgewühlter sein, als er es sich anmerken lassen will. Für den ehemaligen Geschäftsführer des Outdoor-Spezialisten Yeti geht es nicht zuletzt auch um viel Geld. Rund eine halbe Million Euro, sagt der 42-Jährige, sei in den vergangenen zwei Jahren in die Entwicklung der „Soulmat“ geflossen.

Was Steinbach als „revolutionäres Schlafsystem“ preist, ist weniger prosaisch eine Hightech-Schlafunterlage, die die „Vorteile aller bisherigen Matratzen und Matratzen-Materialien in einem Produkt bündeln“ soll. Selbst an ein „leises und beruhigendes Rascheln“ wie von Stroh-Matratzen haben die „Soulmat“-Designer gedacht. Es entsteht allerdings, wenn das System aus Luft, Schaum und neuartigen Mikrofedern sich auf einen neuen Schlafgast einstellt. Mit einem Ventil lässt sich der Härtegrad der Matratze stufenlos einstellen. „Das System pumpt sich gewissermaßen von selbst auf“, sagt Steinbach. Nur wer es ganz hart wolle, müsse noch mit Überdruck nachhelfen – also pusten.

Die Matratze, an deren Entwicklung unter anderem auch Designer und Materialwissenschaftler der privaten Fachhochschule Dresden mitgearbeitet haben, besteht aus zwei Modulen. Das obere ist ein sogenanntes Abstandsgewirk, in dem Millionen von Polyesterfäden die Feuchtigkeit abtransportieren, die jeder Nutzer in der Nacht von sich gibt. Es passe sich nicht nur dem Nutzer an, sondern funktioniere auch als „Öko-Klimaanlage“, betont Steinbach. Das zweite Modul ist eine 15 Zentimeter dicke Luft-Schaum-Matte. Sie wird mit dem Abstandsgewirk verknöpft, beide Module werden zudem von einem knappen Kleid aus Hightech-Kunststoff umschlossen.

So, sagt Steinbach, habe das Team einerseits erreicht, dass die „Soulmat“, die in Döbeln montiert wird, nur elf Kilo wiege – und andererseits sehr leicht zu reinigen sei. Das sind handfeste Argumente für die Zielgruppe, die der „Soulmat“-Chef neben Privat-Kunden anpeilt: Betreiber von Hotels und Senioren- oder Pflegeheimen. Für die dürfte auch der Preis weniger ein Hindernis sein: Bis zum Jahresende ist die „Soulmat“ noch für 899 Euro zu haben, danach soll sie 1.099 Euro kosten. „Das ist durchaus selbstbewusst“, weiß Kay Steinbach. Er ist aber selbstbewusst genug, immer wieder zu betonen, dass sein Produkt eben mehr ist als eine normale Matratze. Selbst, wenn Karolina Raskina sich nicht darauf räkelt.