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„Das Brettspiel stirbt nicht aus“

Die momentan 10. Spielewochen im Elbsandsteingebirge sind eine gute Idee, sagt ein Spiel-Experte. Denn Spielen ist wichtig.

© Steffen Füssel

Carina Brestrich

Dieses Jahr kann es nur eine Glückszahl geben: die Nummer 10. So oft haben die Spielewochen schon kleine und große Fans ins Elbsandsteingebirge gelockt. Auch dieses Jahr wird in den Winterferien wieder gewürfelt, gereizt und geschmissen. Unter dem Motto „Hier spielt sich was ab!“ treffen sich vom 31. Januar bis 21. Februar zahlreiche einheimische und auswärtige Spielefans. Warum Spielen so wichtig ist und ob Brettspiele noch beliebt sind, darüber hat die SZ mit Dr. Thomas Markert gesprochen. Der Sozialpädagoge ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Wohlfahrtswissenschaften der TU Dresden.

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Dr. Thomas Markert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden und hat sich auf Spielepädagogik spezialisiert.
Dr. Thomas Markert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden und hat sich auf Spielepädagogik spezialisiert. © privat

Die Lieblingsspiele der SZ-Redakteure

Bohnanza  Wer glaubt, Bohnen sind nur ein einfaches Gemüse, der irrt. Denn bei diesem Kartenspiel dreht sich alles rund um Sorten wie Feuerbohne, Saubohne und Brechbohne. Es gilt, mit Taktik, Tausch und Glück die meisten Taler zu verdienen. Und die gibt es nur, wenn man seine Bohnen geschickt anbaut und möglichst gewinnbringend verkaufen kann. Für die ersten Runden braucht es zwar immer mal wieder den Blick in die Anleitung. Ansonsten ist es aber ein unterhaltsames, witziges und familientaugliches Kartenspiel für drei bis fünf Spieler. Zudem sind einige Erweiterungen erhältlich und auch eine Version für zwei Spieler. (9 Euro)  Matthias Weigel
Bohnanza Wer glaubt, Bohnen sind nur ein einfaches Gemüse, der irrt. Denn bei diesem Kartenspiel dreht sich alles rund um Sorten wie Feuerbohne, Saubohne und Brechbohne. Es gilt, mit Taktik, Tausch und Glück die meisten Taler zu verdienen. Und die gibt es nur, wenn man seine Bohnen geschickt anbaut und möglichst gewinnbringend verkaufen kann. Für die ersten Runden braucht es zwar immer mal wieder den Blick in die Anleitung. Ansonsten ist es aber ein unterhaltsames, witziges und familientaugliches Kartenspiel für drei bis fünf Spieler. Zudem sind einige Erweiterungen erhältlich und auch eine Version für zwei Spieler. (9 Euro) Matthias Weigel
Rummikub   Wer Rommé kann, hat schon mal das Grundwissen, wer Räuberrommé spielt, schon ein bisschen mehr. Es geht darum, entweder Steine mit Ziffern verschiedener Farben oder Ziffernreihen zu sammeln. Mindestens drei Steine müssen zueinanderpassen. Es wird rausgelegt – damit beginnt das Kombinieren. Alles, was auf dem Tisch liegt, kann verwendet werden, um neue Kombinationen zu finden und eigene Steine loszuwerden. Das braucht mitunter viel Zeit, Geduld, Grips. Sieger ist, wer keine Steine mehr hat. Es ist ein Spiel, das man sehr gut auch zu zweit spielen kann. Eine abgewandelte Form gibt es mit Würfeln. (15 Euro)  Heike Sabel
Rummikub Wer Rommé kann, hat schon mal das Grundwissen, wer Räuberrommé spielt, schon ein bisschen mehr. Es geht darum, entweder Steine mit Ziffern verschiedener Farben oder Ziffernreihen zu sammeln. Mindestens drei Steine müssen zueinanderpassen. Es wird rausgelegt – damit beginnt das Kombinieren. Alles, was auf dem Tisch liegt, kann verwendet werden, um neue Kombinationen zu finden und eigene Steine loszuwerden. Das braucht mitunter viel Zeit, Geduld, Grips. Sieger ist, wer keine Steine mehr hat. Es ist ein Spiel, das man sehr gut auch zu zweit spielen kann. Eine abgewandelte Form gibt es mit Würfeln. (15 Euro) Heike Sabel
Phase 10   Schlechtes Wetter, nölende Kinder und Langeweile? Dann sollte Phase 10 ins Spiel kommen. Bei diesem kniffeligen Kartenspiel muss jeder Spieler in mehreren Runden zehn verschiedene Kartenkombinationen vorweisen. Die Kombinationen bestehen aus Farben beziehungsweise aus Zahlenfolgen. Besonders gemein sind die Aussetzkarten. Da schlagen die Emotionen schon mal hoch. Hingegen gibt es auch zahlreiche Joker, um schwierige Phasen doch noch innerhalb der Runde zu schaffen. Phase 10 ist ein fesselndes Spiel für Kinder und Erwachsene. Da es lediglich aus Karten besteht, kann es gut mit auf Reisen gehen. (8 Euro)  Mareike Huisinga
Phase 10 Schlechtes Wetter, nölende Kinder und Langeweile? Dann sollte Phase 10 ins Spiel kommen. Bei diesem kniffeligen Kartenspiel muss jeder Spieler in mehreren Runden zehn verschiedene Kartenkombinationen vorweisen. Die Kombinationen bestehen aus Farben beziehungsweise aus Zahlenfolgen. Besonders gemein sind die Aussetzkarten. Da schlagen die Emotionen schon mal hoch. Hingegen gibt es auch zahlreiche Joker, um schwierige Phasen doch noch innerhalb der Runde zu schaffen. Phase 10 ist ein fesselndes Spiel für Kinder und Erwachsene. Da es lediglich aus Karten besteht, kann es gut mit auf Reisen gehen. (8 Euro) Mareike Huisinga
Wikingerschach   Dieses Spiel ist genau das richtige für die Gartenparty oder einen Nachmittag im Park: Kubb. In Skandinavien der Renner, hat das Outdoor-Geschicklichkeitsspiel unter dem Namen „Wikingerschach“ inzwischen auch hierzulande die Wiesen erobert. Ziel ist es, mit Wurfhölzern die Holzklötze der gegnerischen Mannschaft umzuwerfen. Zum Schluss muss der König in der Mitte des Spielfeldes zu Fall gebracht werden. Die Mannschaft, die zuerst alle Klötze samt König getroffen hat, ist Sieger. Das Schöne an Kubb: Man kann sich nebenbei unterhalten, und es eignet sich perfekt für heiße Sommertage. (ab 18 Euro) Carina Brestrich
Wikingerschach Dieses Spiel ist genau das richtige für die Gartenparty oder einen Nachmittag im Park: Kubb. In Skandinavien der Renner, hat das Outdoor-Geschicklichkeitsspiel unter dem Namen „Wikingerschach“ inzwischen auch hierzulande die Wiesen erobert. Ziel ist es, mit Wurfhölzern die Holzklötze der gegnerischen Mannschaft umzuwerfen. Zum Schluss muss der König in der Mitte des Spielfeldes zu Fall gebracht werden. Die Mannschaft, die zuerst alle Klötze samt König getroffen hat, ist Sieger. Das Schöne an Kubb: Man kann sich nebenbei unterhalten, und es eignet sich perfekt für heiße Sommertage. (ab 18 Euro) Carina Brestrich
Activity   Sie haben kein Problem damit, sich peinlich zu verrenken und dafür lautstark ausgelacht zu werden? Dann ist Activity genau das richtige Spiel für Ihren nächsten Abend mit Familie oder Freunden. In Teams aufgeteilt, müssen mehr oder weniger kniffelige Begriffe erraten werden. Einer ist der Erklärbär, die anderen raten. Die Wörter müssen entweder gemalt, mit anderen Begriffen umschrieben oder pantomimisch dargestellt werden. Letzteres dürfte für viele die größte Herausforderung sein, garantiert zugleich aber auch die schönsten Lacher. Mittlerweile gibt es zahlreiche Activity-Versionen für jedes Alter. (ab 15 Euro) Linda Barthel
Activity Sie haben kein Problem damit, sich peinlich zu verrenken und dafür lautstark ausgelacht zu werden? Dann ist Activity genau das richtige Spiel für Ihren nächsten Abend mit Familie oder Freunden. In Teams aufgeteilt, müssen mehr oder weniger kniffelige Begriffe erraten werden. Einer ist der Erklärbär, die anderen raten. Die Wörter müssen entweder gemalt, mit anderen Begriffen umschrieben oder pantomimisch dargestellt werden. Letzteres dürfte für viele die größte Herausforderung sein, garantiert zugleich aber auch die schönsten Lacher. Mittlerweile gibt es zahlreiche Activity-Versionen für jedes Alter. (ab 15 Euro) Linda Barthel

Herr Markert, was spielen Sie als Spielexperte am liebsten?

Das kann ich gar nicht so eindeutig sagen. Ich besitze mehr als 50 Brettspiele. Jedes Jahr kommen um die drei dazu. Wir spielen in der Familie sehr viel. Und ich kann jedes Engagement, das Spielen fördert, nur begrüßen, so wie die Spielewochen.

Die Höhepunkte der Spielewochen

1. Deutscher Kartenspieltriathlon: Wer hat die besten Karten? Um diese Frage geht es am 21. Februar im Aktiv-Hotel in Pirna. Von 11 bis 17 Uhr treten dort die Gewinner der Qualifikationen im „Ligretto“, „Skull King“ und „Mensch ärgere dich nicht – das Kartenspiel“ an. Die Qualifikationen finden am 20. Februar von 17 bis 21 Uhr statt. An beiden können Zuschauer auch selbst eine Runde spiele. Eintritt (pro Tag): Erwachsene 1,50 Euro, Teilnahme am Turnier und Kinder kostenfrei.

2. Sächsische Meisterschaft im „Mensch ärgere dich nicht“: Etwa einhundert Spieler treten am 31. Januar, ab 10 Uhr, in der Marie-Curie-Oberschule in Dohna an. Schirmherr ist Kabarettist Uwe Steimle. Startgebühr für Erwachsene: 8 Euro.

„Das magische Labyrinth“ in Lebensgröße: Fans des beliebten Schiebespiels können im Irrgarten des Elbefreizeitlands in Königstein auf die Jagd gehen und knifflige Fragen beantworten. Termine: 5., 12. und 19. Februar, jeweils von 13 bis 18 Uhr. Eintritt (pro Tag): Erwachsene 1,50 Euro, Kinder frei.

Großer Spieletag mit Benjamin Blümchen: Spielspaß für die Kleinsten: Benjamin Blümchen kommt am 14. Februar ins Nationalparkzentrum nach Bad Schandau. Von 11 bis 16.30 Uhr können Kinder mit dem sprechenden Elefanten spielen. Bereits am Vortag können Besucher von 11 bis 16.30 Uhr mehr als 100 Brettspiele kennenlernen und ausprobieren. Höhepunkt des Tages ist ein Quiz zum Thema Nationalpark Sächsische Schweiz. Eintritt (pro Tag): Erwachsene 2 Euro, Kinder 1 Euro.

Großer Spiel- und Puzzletag: Alle, die Puzzle lieben, sind am 6. Februar im Hotel Erbgericht in Krippen richtig. Von 16 bis 20 Uhr gibt verschiedene Puzzle-Wettbewerbe für Kinder und Erwachsene. Spielerklärer zeigen die neusten Spiele der Firma Schmidt Spiele. Eintritt: Erwachsene 1,50 EUR, Kinder frei.

Carcassone-Fan-Treffen: Hinter den Mauern der Festung Königstein treffen sich am 7. Februar zahlreiche Fans des Legespiels. Spieler aus Deutschland, Tschechien und Polen kämpfen von 11 bis 16.30 Uhr um den Titel des Carcassonne-Meisters. Eintritt: Erwachsene 8 Euro, Kinder 6 Euro, Familien 21 Euro (inkl. Festungsbesuch).

Lesung mit dem Carcassone-Erfinder: Klaus-Jürgen Wrede liest am 6. Februar, um 14 Uhr, auf der Festung Königstein aus seinem ersten Thriller „Das Geheimnis des Genter Altars“. Die Geschichte basiert auf tatsächlichen Ereignissen und führt quer durch Europa. Eintritt: im regulären Festungseintritt enthalten: Erwachsene 8 Euro, Kinder 6 Euro, Familien 21 Euro.

Quelle: Tourismusverband Sächsische Schweiz

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Spielen die Leute heute etwa weniger als früher?

Zahlen sind mir dazu keine bekannt. Grundsätzlich aber bin ich da optimistisch eingestellt. Ich glaube auch nicht, dass das Gesellschaftsspiel aussterben wird. Seine Idee hat sich nur weiterentwickelt.

Aber sind heute nicht der Fernseher, das Smartphone oder der Computer eine Bedrohung für die Runde „Mensch ärgere dich nicht“ am Küchentisch?

Nein, ich denke nicht. Es gibt Trends, die kommen und gehen, aber das Ursprüngliche, der Drang nach Geselligkeit, der bleibt. Und so lange Menschen zusammen sind, wird auch gespielt. Neulich erst war ich in einer Spielekneipe, die war rappelvoll. Außerdem beobachte ich, dass das Internet das klassische Gesellschaftsspiel erweitern und fördern kann. Das zeigen zum Beispiel mehrere Internetportale, in denen Brettspiele getestet und erklärt werden.

Und was ist mit den vielen Apps für Smartphones oder Tablets? Inzwischen gibt es da eine ganze Fülle.

Nehmen wir zum Beispiel die Leute, die in der S-Bahn die ganze Zeit mit ihrem Handy beschäftigt sind. Erstaunlich oft spielen diese Leute irgendwelche Spiele. In dem Moment nimmt die Rolle eines menschlichen Gegenübers nur eben ein Gerät ein. Mittlerweile gibt es auch Apps für Spiele, die es bisher nur als Brettspiel gab. Diese Spiele kann man jetzt über die Apps spielen, ohne an einen Ort gebunden zu sein. Manchmal sind die Geräte sogar vernetzt und es spielen Menschen zusammen, ohne am selben Ort zu sein.

Warum ist Spielen für uns so wichtig?

Im Alltag begegnen uns unzählige Spielarten. Verstecken, Theater oder Sport gehören beispielsweise auch dazu. Von Bedeutung ist vor allem eines: Was in der Spielewelt passiert, bleibt ohne Folgen für die Realität. Wenn ich etwa beim „Mensch ärgere dich nicht“ einen Kontrahenten rausschmeiße, dann ist das nicht schlimm. Deshalb bietet das Spielen viele Möglichkeiten, sich auszuprobieren.

Welche Wirkung haben denn Spiele?

Spielen heißt Lernen. Und es hat Folgen für die kognitiven, motorischen, aber auch sozialen Fähigkeiten. Man lernt beim Spielen sehr viel: Strategien auszuprobieren, Hierarchien zu verschieben, Regeln einzuhalten, Misserfolge einzustecken. Vieles davon nehmen wir gar nicht bewusst wahr. Ein Kind, das etwa einen Ball in die Luft wirft, spielt – und lernt ganz nebenbei die Folgen der Erdanziehung kennen.

Manchmal enden Spieleabende auch im Streit. Was macht denn ein schlechter Verlierer falsch?

Wir leben in einer leistungsbezogenen Gesellschaft, in der es ständig darum geht, Dinge zu entscheiden oder zu beeinflussen, und das möglichst ohne dabei Fehler zu machen. Wer spielt, der übernimmt eine Rolle und die versucht er bestmöglich auszufüllen. Wenn das nicht gelingt, dann führt das mitunter zu Frustration.

Haben Sie einen Tipp, was man dagegen tun kann?

Oft ist den Spielenden nicht bewusst, dass bei vielen Spielen auch Glück eine Rolle spielt. Und das kann man eben nicht beeinflussen. Welche Augenzahl der Würfel zeigt, ist in der Regel eine Sache des Zufalls. Vielleicht würde es dem ein oder anderen helfen, sich das vor Augen zu führen. Und das Schöne ist ja: Beim Spiel gibt es immer eine neue Chance – indem man einfach noch eine Runde spielt.

Was denken Sie als Pädagoge: Wird in der Schule zu wenig gespielt?

Die vorherrschende Meinung ist: Spielen kann jeder. Deshalb wird das Spielen leider noch zu wenig reflektiert. Und das wiederum hat zur Folge, dass die Spielpädagogik in der Lehrerausbildung leider noch zu wenig eine Rolle spielt. Dabei finden Kinder übers Spielen einen Zugang zu vielen Themen oder Lösungsansätzen. Ein Kind kann man über Spiele viel besser motivieren.