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„Das Chaos wird nicht ausbleiben“

Der ADAC erklärt, wie man sein Auto für den nahenden Winter vorbereitet und warum der Winterdienst nicht überall sein kann.

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© Archivfoto: Roland Halkasch

Von Tobias Winzer

Freital/Dippoldiswalde. Zentimeterdicker Schnee auf der Straße, vereiste Scheiben und glatte Pisten – auch wenn es die derzeitigen Temperaturen noch nicht vermuten lassen: Der Winter kommt mit Sicherheit. Und damit kommt auch das Chaos auf den Straßen. Zwei Experten vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) erklären, warum sich das wohl nicht vermeiden lässt, warum der Winterdienst nicht überall gleichzeitig sein kann und warum der Winter an den Straßen der Region nagt.

Warum herrscht immer, wenn der erste Schnee fällt, sofort Chaos?

„Das Chaos wird nicht ausbleiben, denn wir sind Künstler im Verdrängen“, sagt Markus Löffler, Verkehrsingenieur beim ADAC in Dresden. „Wir schieben zum Beispiel das Reifenwechseln auf bis zum letzten Tag. Aber dann ist es zu spät.“ Wer hingegen jetzt schon die Reifen wechsele, werde belächelt. „Aber in 14 Tagen kann schon Winter sein.“

Der ADAC-Experte glaubt aber nicht, dass das vielfach beobachtete Verkehrschaos nach dem ersten Schneefall allein durch sommerbereifte Autofahrer entsteht. Insgesamt müssten sich die Autofahrer auf die neuen Straßenverhältnisse einstellen. Meistens dauere das zwei bis drei Tage. Danach laufe der Verkehr wieder normal. Löffler empfiehlt, bei winterlichen Straßenverhältnissen mehr Zeit für zum Beispiel den Arbeitsweg einzuplanen. „Die Gefahr entsteht, weil alles so laufen muss wie immer. Bei glatten Straßen ist das aber nicht möglich.“

Wie kann man sich als Autofahrer gut auf den Winter vorbereiten?

„Das Fahrzeug sollte generell winterfit gemacht werden“, so Löffler. „Die Reifen sind nicht das Einzige.“ Er erinnert vor allem an die Beleuchtung, die von vielen Kfz-Werkstätten jetzt kostenlos getestet werde. „Denn der Berufsverkehr findet nun meistens in der Dämmerung oder im Dunkeln statt.“ Wichtig sei es außerdem, Frostschutz in den Wischwasser-Behälter zu füllen, die Türgummis zu behandeln oder auch die Batterie zu prüfen. „Wenn die Batterie schon im letzten Winter geschwächelt hat, sollte man über einen Wechsel nachdenken“, so Löffler.

Reichen Allwetterreifen für das Fahren im Winter?

Das komme darauf an, sagt der technische Berater beim ADAC, Thomas Kubin. Wer moderat und nicht sportlich sowie eher im Flachland und nur selten im Gebirge unterwegs sei, der komme auch mit Allwetter zurecht. „Die Reifen sind in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden“, sagt Kubin. Allwetterreifen seien aber immer eine Kompromisslösung. In den meisten Fällen seien sie besser auf winterliche Straßenverhältnisse abgestimmt, hätten also bei sommerlichen Straßenverhältnissen einen längeren Bremsweg und sorgten für ein etwas schwammiges Fahrgefühl. Generell rät der Experte zum Wechsel auf Winterreifen. „Sie haben einfach einen besseren Grip.“ Von Mitte Oktober bis Mitte April sollten sie aufgezogen werden.

Was hilft am besten gegen vereiste und beschlagene Scheiben?

„Gegen vereiste Scheiben hilft am besten die Standheizung“, sagt Kubin. Das könne sich aber nicht jeder leisten. Wer mit dem handelsüblichen Eiskratzer nicht weiterkomme, könne zum Enteiser-Spray greifen. Hilfreich sei auch, die Frontscheibe über Nacht mit einer Plane zu schützen. Wovon Kubin dringend abrät, ist, heißes Wasser auf die Autoscheiben zu schütten. „Wenn es richtig kalt war in der Nacht, können die Scheiben reißen.“ Beim Kratzen sei es wichtig, auf eine saubere Scheibe zu achten. „Ansonsten wird die Scheibe durch die Schmutzpartikel beschädigt“, so Kubin.

Gegen beschlagene Scheiben hat der Experte einen besonderen Tipp. Wenn man ein bisschen Zeit habe, könne man eine Wärmflasche oder eine Flasche mit warmem Wasser aufs Armaturenbrett legen. „Nicht erlaubt ist es, den Motor schon einmal laufen zu lassen.“ Wer dabei erwischt werde, müsse mit einem Bußgeld von zehn Euro rechnen.

Warum sind die Straßen im Winter oftmals nicht geräumt?

Es sei ein Dilemma, sagt ADAC-Verkehrsingenieur Markus Löffler. „Natürlich würde man sich mehr Winterdienst-Fahrzeuge und mehr Personal wünschen.“ Aber das sei einfach nicht bezahlbar. „Es hat keinen Sinn, Fahrzeugbestand und Personal auf die Spitze des Bedarfs auszulegen.“ Deswegen komme es, wenn es sehr viel schneie, zu teils chaotischen Straßenbedingungen. „Man kann nicht damit rechnen, dass nach nächtlichem Schneefall um 5 oder 6 Uhr schon alle Straßen geräumt sind.“

Seiner Erfahrung nach leisten die Winterdienste in der Region insgesamt gute Arbeit. Die Vorräte an Streusalz seien ausreichend. Und es sei genug Personal für die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge da. Für die Autofahrer hat er einen Tipp: bei Schneefall am besten die Strecken des öffentlichen Nahverkehrs nehmen. Diese würden als erstes geräumt.

Warum gibt es nach jedem Winter so viele kaputte Straßen?

Vor allem häufiger Wechsel aus Tauwetter und Frost macht den Straßen zu schaffen – vor allem denen, die sowieso nicht im besten Zustand sind. Wasser dringt in die Straßen ein, gefriert, dehnt sich aus und sprengt die Deckschicht regelrecht ab. „Bei vier Wochen Dauerfrost leidet eine Straße nicht so sehr“, sagt Löffler.

Von den Gemeinden und dem Landkreis fordert er ein fortlaufendes Instandhaltungsmanagement. Eine Straßendecke müsse auch einmal instand gesetzt werden, wenn diese vordergründig noch einen guten Eindruck mache. „Das ist wie beim Zahnarzt: Wenn man frühzeitig behandelt, tut es kaum weh.“ Das alles sei jedoch eine Sache des jeweiligen Budgets. „Eigentlich müsste man die Logik umdrehen und ruhig einmal eine völlig kaputte Straße noch ein Jahr länger liegenlassen, wenn dafür eine noch halbwegs intakte Straße auf Vordermann gebracht werden kann.“

Denn bei Schlaglöchern haben letztlich die Autofahrer den Schaden. Es sei sehr schwer, die Gemeinden bei Schäden am Stoßdämpfer oder anderen Teilen haftbar zu machen. Denn die Straßenverkehrsordnung mahne zur „ständigen Vorsicht“. Die Hürden für eine Haftung bei Schäden seien deshalb sehr hoch.