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Das dicke Ende kommt noch

Ein langjähriger Betrüger hat nun einen Großteil der Vorwürfe eingeräumt. Ihm droht neben der neuen Verurteilung auch Ärger aus vergangenen Tagen.

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Von Alexander Schneider

Kenny B. lebt gerne über seine Verhältnisse. Das hat dem 33-jährigen gelernten Friseur schon vor Jahren Ärger mit der Justiz eingebracht. Er hat bereits mehr als ein Dutzend Vorstrafen. Doch selbst eine langjährige Freiheitsstrafe hat den Mann nicht dazu angehalten, es von nun an mit etwas mehr Ehrlichkeit und Verantwortung zu versuchen. Zu groß waren offensichtlich die Verlockungen, schnell Geld zu machen oder schöne Autos zu fahren – ohne Fahrerlaubnis, versteht sich.

Inzwischen hat B. seinen Lebensmittelpunkt nach Flensburg verlegt, wo er mit seiner Partnerin und dem gemeinsamen Kind lebt, arbeitet und seine Schulden zurückzahlt. Doch gestern hatte Kenny B. wieder einen Termin am Amtsgericht Dresden, um alte Sünden aufzuarbeiten. Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte nur wenige Wochen nach der vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis per E-Bay einen Laptop versteigert. 400 Euro habe der Käufer angezahlt, doch B. habe ihm den Computer nicht ausgeliefert. Auf den Namen eines Verwandten seiner Freundin habe B. im Sommer 2012 einen drei Jahre alten Audi A3 Sportback gekauft, aber sei der Audi-Bank die rund 28 000 Euro für die Anschaffung schuldig geblieben. Etwa zur selben Zeit habe B. für 5 000 Euro auch noch eine Küche in seine Wohnung am Nickerner Weg einbauen lassen. Geld sei, wenn überhaupt, sehr wenig geflossen. Nicht zuletzt habe er im August 2013 ebenfalls unter falschem Namen einen VW Passat CC für knapp 17 000 Euro kaufen wollen, was jedoch schiefgegangen ist.

Als Motiv für die schnellen 400 Euro über Ebay nannte B. akute Geldnot. Doch mit dieser Begründung kam er bei der Audi-Bestellung nicht mehr durch. Es sei auch Luxus im Spiel gewesen, den A 3, Neupreis um die 60 000 Euro, zu fahren. Er habe damit seine Freundin zur Arbeit gebracht, sagte er. Nach einem Jahr habe er den Schlitten für rund 9 000 Euro weiterverkauft. Offen blieb, wie er zu der Küche gekommen war – ohne Vorkasse läuft nichts. Aber B. wäre kein guter Betrüger, wenn er die Leute nicht nach Strich und Faden bequatschen könnte.

Das Schöffengericht verurteilte B. zu zwei Strafen, die zusammen drei Jahre und neun Monate ergeben. Richter Frank Ponsold lobte, dass der Mann gestanden habe – doch die Beweise seien auch so erdrückend. Schlimmer ist für den Angeklagten, dass er noch ein Jahr und acht Monate an offener Bewährung mitbringt. Es muss für fast fünfeinhalb Jahre hinter Gitter.