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Das Ende der Gifthalde naht

Jahrzehntelang wurde im Dresdner Süden Uran abgebaut. Geblieben ist strahlender Unrat. Nun soll die Gefahr weichen.

© Sven Ellger

Von Annechristin Bonß

Es riecht nach frisch geschlagenem Holz. Äste, Zweige und Gestrüpp lagern auf der Anhöhe. Daneben sind Stämme gestapelt. Kurz vor Ende der Fällsaison haben Arbeiter ganze Arbeit im Dresdner Süden geleistet.

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Die entstandene Freifläche ist beachtlich. Was mancher Passant als Eingriff am grünen, bewachsenen Hang empfindet, ist für Bernd Richter, Sachgebietsleiter im Umweltamt, der erste Schritt zur Sanierung der Collmberghalde. Bis 2022 soll der künstlich aufgeschüttete Hügel oberhalb der Weißeritz samt seinem strahlenden Inhalt sauber sein. Für die Dresdner entsteht hier eine Grünfläche zum Spazieren, Wandern und Entspannen.

Doch bis es so weit ist, haben die Arbeiter eine schwierige Aufgabe zu erledigen. Die Collmberghalde misst etwa 17 Hektar und besteht im Wesentlichen aus Uranerz, Hausmüll und Kraftwerksasche. Experten wie Bernd Richter sprechen von einer Misch-Altlast.

Die Historie der heutigen Altlast geht ins 18. Jahrhundert zurück. 1790 bis 1861 hatte es in dieser Region Stollen für
den Steinkohlenbergbau gegeben. Durch die Wismut erfolgten im Revier Heidenschanze ab 1947 Erkundungsarbeiten und später von 1949 bis 1953 Uranbergbau. Schließlich, zwischen 1965 und 1974, lagerte die Stadtreinigung hier kommunalen Müll, Asche aus Kraftwerken und Bauschutt ab. Heute ist nicht sichtbar, welcher Inhalt unter der Erdoberfläche lagert. Wie gefährlich dies durchaus ist, können Experten mit Messinstrumenten ermitteln. Kleine Brocken Uranerz liegen überall herum, rollen den Hang hinunter, der besonders an der Heidenschanze extrem steil ist. Sie strahlen noch immer, so sehr, dass ein Messinstrument zu piepen beginnt. Zweieinhalb Millisievert gasförmiges Radon pro Jahr dürfen Menschen abbekommen. An den Füßen der Halde ist die Belastung höher. Die reicht mitunter direkt bis an die Häuser, so direkt hinter dem Hotel Heidenschanze und der Sprengstoffschule. 20 Meter hoch türmt sich dort die Halde. Die Neigung beträgt 37 Grad. Standsicher ist die Böschung nicht. Immer wieder rutscht belastetes Material den Hang hinunter.

Gräben leiten das Regenwasser ab

Wegen der austretenden Belastung und dem ungesicherten Gelände hat die Stadt für die Sanierung der Halde Fördermittel bekommen. Acht Millionen Euro kostet die Sanierung. Nur die Hälfte davon kommt aus dem städtischen Haushalt. Den Rest zahlen Bund und Land. Bei der Sicherung und Verwahrung der alten Schächte arbeitet das Umweltamt zudem mit dem Oberbergamt zusammen.

Bis 2022 soll der Boden so verdichtet werden, dass kein Radon mehr ausweicht. Dafür kommt eine Walze zum Einsatz. Auch soll die Böschung gesichert und abgeflacht werden. Die Fläche, auf der nun die Bäume gefällt wurden, dient als Versuchsgebiet. Hier wollen die Planer testen, ob das Sanierungsverfahren funktioniert. Mitte des Jahres sollen die Arbeiten beginnen. Auch an dieser Stelle soll die Böschung später wesentlich flacher sein.

Am Fuß der Böschung entsteht ein Grabensystem, in dem das Regenwasser aufgenommen wird. Denn nach der Sanierung soll kaum mehr Wasser in den Boden sickern und diesen porös machen. Weil das Wasser dann aber vom Hang hinunterläuft, entsteht ein neuer Graben, der zum Gitterseebach führt. Weitere Leitungen sollen das Wasser zur Weißeritz leiten.

Nach der Sanierung soll die Halde zu einem Grünareal werden, in dem Anwohner spazieren und die Natur genießen können. Wie das aussehen könnte, das ist bereits in Coschütz zu sehen. Dort hat die Stadt ebenfalls eine alte radioaktive Gift-Halde saniert. Der Umbau begann 1993. Im Jahr 2012 wurde das neue Gebiet übergeben. Noch immer kontrollieren die Experten, ob nach der Sanierung auch wirklich keine Strahlung mehr austritt.