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Das Ende der „Pitralon“-Bande

© SZ

Nach 32 Tagen ist das Urteil im Prozess gegen fünf Autoschieber aus Tschechien gefallen. Die Angeklagten verhedderten sich in Widersprüchen.

Von Alexander Schneider

Drei Männer sitzen auf einem Wohnzimmersofa. Rudolf Kober fläzt sich vor dem Fotografen breitbeinig ins Polster. In der Mitte sitzt Petr Pejril, den Ellenbogen aufs Knie gestützt schaut er ernst in die Linse. Zu seiner Rechten Stepan Ctvrtnik, auch er hat eine ernste Mine aufgelegt und fächert stolz ein dickes Bündel Geldscheine vor seiner Brust auf. Auch auf dem Couchtisch vor den Männern stapelt sich das Geld – zwischen Fernbedienungen und Aschenbechern. Die Polizei schätzt die Summe auf zwei Millionen Tschechische Kronen.

Wer einen Beweis gesucht hat, dass diese Männer eine Bande sind – dieses Foto, das offensichtlich beim Geldzählen entstanden ist, „spricht Bände“, sagt Richter Herbert Pröls, der Vorsitzende der Strafkammer am Landgericht Dresden. In 32 Sitzungstagen hat die Aufnahme im Prozess gegen fünf Autoschieber aus Tschechien eine tragende Rolle gespielt. Erst vergangene Woche hielt Staatsanwalt Thomas Hellmich den Angeklagten das Foto wieder vor die Nase. Auch Richter Pröls kommt jetzt in seiner Urteilsbegründung nicht umhin, nochmals auf diese bildgewordene Männerfantasie einzugehen.

Sieben Monate nach Prozessbeginn im Mai spricht das Gericht die Autoschieber schuldig. Kober wird als Chef der als „Pitralon“ bekannt gewordenen Gruppe wegen schweren Bandendiebstahls in 18 Fällen zu sieben Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Ctvrtnik muss als zweiter Anführer für fünf Jahre und acht Monate hinter Gitter. Pejril, auch er hatte mehr zu sagen, erhielt sechs Jahre und zehn Monate.

Das Gericht ist überzeugt, dass die Männer Mitte 30 gezielt Autos in Sachsen gestohlen und in ihren Werkstätten ausgeschlachtet haben, um sie schleunigst zu verwerten. „Stehlen, schnellstmöglich überführen, zerlegen und verkaufen – alles war in einer Hand“, sagt Pröls. Natürlich seien die Angeklagten eine Bande. Sie kannten sich seit Kindesbeinen, sind alle zum Teil erheblich vorbestraft und standen in Tschechien teilweise gemeinsam vor Gericht. Angeklagt waren sie für den Diebstahl von 28 Autos in Dresden und Umgebung, meist traf es Skodas und VWs.

Trotz erdrückender Beweise machten die Angeklagten nur wenige Angaben – oder verhedderten sich in Widersprüchen. So zeigte das Gericht tagelang Videoaufnahmen aus einer Werkstatt der Bande und befragte tschechische Ermittler dazu. Beamte einer Spezialeinheit für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität hatten die Täter längere Zeit observiert und abgehört. Erst danach durchsuchte die Polizei im Oktober 2013 bei einer Razzia in Decin Werkstätten, Garagen und Wohnungen und stellte Teile Hunderter gestohlener Autos sicher.

Auch die tschechischen Behörden werden den Prozess mit Interesse verfolgt haben. Erstmals ist es gelungen, Verdächtige, gegen die in Tschechien ermittelt wurde, im Nachbarland anzuklagen – dort, wo die Autos gestohlen wurden. Allerdings blamierte sich die sächsische Justiz, denn die Justizvollzugsanstalten waren überfordert, die Angeklagten pünktlich und getrennt voneinander, wie es das Gericht angeordnet hatte, zu ihrem Prozess zu bringen. Oft begannen die Sitzungstage verspätet, weil nicht alle Angeklagten anwesend waren. Darüber hinaus sollen die Angeklagten aus der U-Haft heraus Zeugen bedroht haben und wurden mit Handys erwischt. Kober hatte sogar Fotos aus dem Kraftraum des Dresdner Gefängnisses auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Staatsanwalt Hellmich hatte Strafen von bis zu neuneinhalb Jahren gefordert. Die Verteidiger plädierten auf deutlich niedrigere Haftstrafen und bestritten den Bandenvorwurf. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.