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Das Ende des Schlachthofs

An der Breitscheidstraße in Löbau wird ein über 120 Jahre altes Gebäude abgerissen. Der Eigentümer hat bereits Pläne für die Zeit danach.

© Rafael Sampedro

Von Marcus Scholz

Löbau verliert in den nächsten Monaten ein traditionsreiches Gebäude. Der ehemalige Schlachthof an der Breitscheidstraße wird abgerissen. Das hat der Eigentümer Roland Richter, Inhaber der Fleischerei Richter, bestätigt. Bereits vergangene Woche hat der Abriss des Ziegelbaus begonnen. Bis Ende Juli soll der Schlachthof samt einem Nebengebäude vom Erdboden verschwunden sein.

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Seit 2009 hält Fleischermeister Richter die Eigentumsrechte an dem Areal an der Breitscheidstraße. Fleisch hat er seitdem in dem ehemaligen Schlachthof nicht mehr verarbeitet, sondern direkt nebenan in seiner moderner Produktionsstätte. Das Gebäude sei lediglich als Lagerstätte genutzt worden. Andere Nutzungsformen sind schon längst nicht mehr möglich gewesen. Den Schlachthof zu sanieren, sei auch nicht infrage gekommen. „Eine Sanierung wäre ein Fass ohne Boden und auch zu teuer gewesen“, sagt Richter. Von außen macht der Ziegelbau zwar noch einen guten Eindruck. Im Inneren sieht es da schon anders aus. „Der Dachstuhl ist zusammengebrochen. Es war nichts mehr zu retten“, so Stefan Richter, Sohn des Eigentümers.

Nachdem die Fleischerei nach der Insolvenz des Löbauer Fleischwerks die Geschicke an der Breitscheidstraße übernommen hat, hat es damals keine Pläne für die Nutzung des alten Schlachthofs gegeben. Für die Zeit nach dessen Abriss sieht das mittlerweile anders aus. Roland Richter will in Kunden- und Mitarbeiterfreundlichkeit investieren. So sollen zum Beispiel neue Parkplätze auf dem Firmengelände entstehen. Außerdem könne er sich vorstellen, noch eine Lagerhalle bauen zu lassen. Weitere Gedankenspiele, was einmal auf dem Gelände passieren soll, seien noch nicht spruchreif. Seinen Betrieb bei Bedarf erweitern zu können, sei auch der Grund dafür gewesen, dass der Fleischermeister das alte Areal nach der Fleischwerk-Insolvenz mit übernommen hat. Aber nicht nur sich, sondern auch dem Stadtbild will Richter durch den Abriss etwas Gutes tun. „Zum Tag der Sachsen sollte die Industrieruine weg sein. Der Schlachthof war kein schöner Blickfang mehr“, sagt der Eigentümer.

Mehr als ein Jahrhundert zuvor ist das Areal mehr als nur ein Blickfang gewesen. Das geht aus Unterlagen hervor, die Löbaus Stadtarchivar Jürgen Görner betreut. In Löbaus Archiv ist, fein säuberlich sortiert, alles über den Schlachthof zu erfahren. In einer Ausgabe des Sächsischen Postillons ist zum Beispiel etwas über die Eröffnung des Schlachthofs am 21. Mai 1894 zu lesen. Mit Aufnahme des städtischen Schlachtbetriebs sind private Fleischer damals ins Hintertreffen geraten. Denn Fleisch durfte nur noch im Löbauer Schlachthof verkauft werden. „Die Fleischermeister haben sich gegen den Bau gewehrt. Sie sahen Konkurrenz und haben geklagt“, weiß Archivar Görner. Gebracht hat das aber nicht viel. 250 000 Ziegel sind für den Schlachthof verbaut worden. Zu Wurst sind neben Rindern, Schweinen und Schafen auch Pferde oder Hunde verarbeitet worden. Nachdem das Löbauer Fleischwerk schließlich im Jahr 1994 in seine neue, benachbarte Produktionshalle umgezogen ist, hat der alte Schlachthof leer gestanden. In wenigen Monaten wird der Ziegelbau dann völlig von der Bildfläche verschwunden sein.