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Das Experiment

Für eine TV-Show lebte Mihai Roman mit 99 anderen Kandidaten auf engstem Raum. Ums Preisgeld ging es ihm kaum.

© ProSieben

Von Henry Berndt

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Na klar hätte er sich über die 100 000 Euro nicht beschwert. Aber Mihai Roman war realistisch genug, nicht allzu sehr daran zu glauben, dass er diese Show gewinnen könnte. Der 25-jährige Dresdner, der vor 14 Jahren mit seiner Familie aus Moldawien nach Deutschland kam, war Teil einer außergewöhnlichen TV-Sendung, die gerade donnerstags 20.15 Uhr auf ProSieben läuft: „Get the F*ck out of my House“ heißt das Format, stammt ursprünglich aus den Niederlanden und ist eine Art „Big Brother“ unter verschärften Bedingungen. In Kurzform: 100 Menschen ziehen gemeinsam in ein Häuschen ein und leben dort auf 116 Quadratmetern zusammen. Es gibt keine Handys, keine Bücher, ja nicht mal eine Uhrzeit. Jeder kann jederzeit das Haus verlassen, verlässt damit aber auch die Show. Genauso können Kandidaten aber auch gegen ihren Willen rausgeworfen werden. Wer als Letztes übrig bleibt, gewinnt am Ende die 100 000 Euro.

Wenn an diesem Donnerstag der Sieger gekürt wird, wird Mihai Roman ganz entspannt in Dresden vor dem Fernseher sitzen. Nach zweieinhalb Wochen musste er selbst das Haus verlassen. Der „Hausboss“, ein auf Zeit gewählter Chef, schmiss ihn zu seiner eigenen Überraschung raus. Mihai landete damit auf Platz 44 – und kann gut damit leben. „Das Preisgeld hatte ich sowieso nie im Kopf“, sagt er. Vielmehr habe er sich ein wenig bekannter machen wollen. Sein Geld verdient der 25-Jährige nämlich als DJ, legte schon beim Sputnik Spring Break auf oder beim Laternenfest in Halle an der Saale – vor 15 000 Menschen. Sein zweites Standbein ist sein eigener Wodka namens „Exclusiv“, den er in seiner früheren Heimat Moldawien brennen lässt.

Als er von der TV-Show mit dem eigentümlichen Namen erfuhr, bewarb er sich spontan mit einem Freund. Nur er wurde nach diversen Bewerbungsrunden genommen. Im Mai wurde die Show schließlich in der Nähe von Köln aufgezeichnet. „Das war schon hart“, erinnert sich Mihai. Die erste Nacht schlief er auf einem Stuhl. Danach entweder auf dem Boden oder auf dem Tisch. Nur 200 Kalorien täglich wurden den Kandidaten zugeteilt. Eine halbe Kartoffel und ein Apfel. „Ich habe in den zweieinhalb Wochen sechs Kilo abgenommen“, sagt er. Die Hygiene im Haus sei, entgegen aller Gerüchte, überhaupt kein Problem gewesen – und das, obwohl zeitweise nur ein einziges Badezimmer für alle zur Verfügung stand. Schlimmer sei da schon die psychische Belastung gewesen. Wem kannst du vertrauen? Wer will dich raushaben? „Meine Taktik war eher, mich im Hintergrund zu halten“, sagt Mihai. „Sie ist leider nicht ganz aufgegangen.“

Eine Frage bleibt: Warum um alles in der Welt tut man sich so etwas an? „Dieses Erlebnis hat mir geholfen, mir bewusst zu werden, in welcher Welt wir eigentlich leben und wie gut es uns geht“, sagt Mihai. „Als wir aus Moldawien hierher kamen, hatten wir nichts.“ Irgendwann verliere man aber die Dankbarkeit für das, was man geschenkt bekommt. „Seit der Show kann ich zum Beispiel Essen wieder viel mehr wertschätzen.“

Vielleicht wird man Mihai demnächst mal wieder in einer Fernsehshow sehen. Wer einmal in der Datenbank ist, ist schnell auch beim nächsten Format dabei. Vielleicht ja beim „Supertalent“ auf RTL? Immerhin ist Mihai auch ein außergewöhnlich guter Breakdancer.

„Get the F*ck out of my House“, am Donnerstag, 20.15 Uhr, ProSieben.