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Das Flüchtlingsheim im Wohnzimmer

Maher und Bärbel Albunni haben bislang 21 Verwandte aus Syrien aufgenommen. Allein die Ausweispapiere kosten 1.800 Euro.

© dpa

Von Matthias Benirschke

Rödinghausen. Im Flur spielen Kinder, in der Küche steht das vorbereitete Abendessen – kiloweise Fleisch und Gemüse, große Teller mit angebratenen Auberginen – ein Wassereis fällt aus einer Kinderhand auf den Boden, auf dem Laptop läuft Mickey Maus. Es geht hoch her im Hause Albunni. „Es ist so schön ruhig gerade“, sagt dagegen Bärbel Albunni, „die anderen sind beim Sprachkurs.“ Die „anderen“, das sind die Verwandten ihres Mannes aus Syrien.

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Bärbel und Maher Albunni haben 21 Familienmitglieder nach Deutschland geholt. Jetzt leben alle unter einem Dach in der Ortschaft Rödinghausen, gut 30 Kilometer nördlich von Bielefeld. Maher und Bärbel haben selbst zwei Kinder von zwei und fünf Jahren, Ende Juni kommt das Dritte. Und jetzt drängen sich die Verwandten im Haus, der jüngste Neu-Rödinghauser aus Syrien ist ein Jahr, die älteste 67. Die Albunnis mussten bis Ende Februar die Verwandten benennen und Anträge stellen. „Ich habe 26 Anträge gestellt, jeder Antrag kostete 25 Euro“, sagt der 38-Jährige, der vor 15 Jahren zum Studium nach Deutschland kam. Er machte sein Diplom als Informatiker und bekam die deutsche Staatsbürgerschaft. Dann heiratete er Bärbel. Beide arbeiten als Lehrer an der Gesamtschule des Ortes. Für Mahers Verwandte wurde es in Syrien immer gefährlicher. Immer wieder gab es Kämpfe. Hubschrauber standen über dem Haus in der Luft und feuerten Raketen ab.

„Was für ein Glück, dass wir im letzten Jahr das Haus gekauft haben“, sagt Maher Albunni im 4.000 Kilometer von Damaskus entfernten Rödinghausen. Ein Keller, ein Erdgeschoss, ein erst notdürftig ausgebautes Dachgeschoss. „Wir mussten für jeden Verwandten eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, dass wir für Unterkunft und Verpflegung sorgen.“ Es gebe kein Kindergeld, keine Sozialhilfe. Nur die medizinische Versorgung übernehme die Behörde. Die Kinder sind in Kitas oder gehen zur Schule. Drei der Neffen haben einen Studienplatz in Paderborn. „Aber wie soll das gehen? Sie brauchen eine Unterkunft, Verpflegung, alles“, sagt Maher Albunni.

Gerade hat die Familie Bücher für die Sprachkurse gekauft. Allein die Ausweispapiere für alle Verwandten kosteten fast 1.800 Euro. Die Summe stottern sie jetzt ab. Vorerst dürfen die Flüchtlinge zwei Jahre bleiben. Oder eben so lange, wie die Krise in Syrien dauert. „Bis dahin sollte der Staat die Flüchtlinge besser ausbilden, damit sie später keine staatliche Hilfe mehr brauchen“, sagt Maher. (dpa)