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„Das freundliche Gesicht von Amerika“

Der US-amerikanische Generalkonsul für Sachsen besucht Meißen – und schwärmt vom Ministerpräsidenten.

Timothy Eydelnant ist als einer von nur zwei US-Diplomaten für drei Bundesländer in Ostdeutschland zuständig und muss deshalb viel herumreisen. Am Dienstag war er in Meißen unterwegs. © Claudia Hübschmann

Meißen. Er könne doch auch mal zum Literaturfest kommen – fällt der SPD-Bundestagsabgeordneten Susann Rüthrich auf einmal ein, da hat die kleine Gruppe um Timothy Eydelnant gerade die Meißner Frauenkirche verlassen. Falls der US-amerikanische Generalkonsul von dieser spontanen Idee etwas überrumpelt ist, dann lässt er es sich nicht anmerken. Wieso nicht, sagt er, er lese gerne vor, besonders im Kindergarten. Auch auf der Leipziger Buchmesse werde er bald lesen. Also warum nicht auch Meißen?

So wird Timothy Eydelnant am Dienstag immer wieder vereinnahmt von der Stadt und ihren Bürgern. Der 45-Jährige, der seit 2017 in Leipzig lebt und arbeitet, besucht die Domstadt bereits zum zweiten Mal. Sein Terminplan ist straff getaktet, vom Frühstück mit Susann Rüthrich im Altstadt- Café, über einen Besuch von Rathaus und Frauenkirche, einem Rundgang durch das Manufaktur-Museum, einer Begegnung mit dem Oberbürgermeister Olaf Raschke, bis zu einer Gesprächsrunde in der Evangelischen Akademie am frühen Abend. Für den Amerikaner nichts Ungewöhnliches, wie er der Sächsischen Zeitung bei einer Pause in der Porzellanmanufaktur erzählt.

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Drei-, viermal pro Woche sei er in Mitteldeutschland unterwegs, normalerweise in den großen Städten, in diesem Jahr aber bewusst einmal in den kleineren wie Meißen. Am Donnerstag gehe es beispielsweise weiter in den Harz. „In Leipzig sind wir nur zwei Diplomaten, aber für die drei Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig“, erklärt Eydelnant. „Das ist viel Arbeit, aber es freut mich auch, das freundliche Gesicht von Amerika in Mitteldeutschland zu sein.“

Wer gehofft hatte, im Gespräch mit Eydelnant sein Englisch aufzubessern, der wurde enttäuscht, der Diplomat spricht ausgezeichnet Deutsch, mit einem Akzent, der eher an eine russische Herkunft denken lässt – tatsächlich hat Eydelnant weißrussische Wurzeln.

In Meißen ist er mit zwei dezent im Hintergrund verbleibenden Personenschützern unterwegs, sichtbar bewaffnet nur mit schwarzen Regenschirmen, weil der Himmel immer wieder mit Wolkenbruch droht. Für großes Aufsehen sorgt der Besuch ohnehin nicht, nur der kleine Anstecker mit deutscher und US-amerikanischer Flagge an Eydelnants Revers deutet darauf hin, dass es sich bei ihm um einen wichtigen Diplomaten handelt.

Und der ist ziemlich bescheiden, hört viel mehr zu, als selbst zu reden, und folgt erst interessiert den Erzählungen von Stadtführerin Walfriede Hartmann, dann denen von Anja Hell, der Geschäftsführerin der Meissen Porzellan-Stiftung beim Rundgang durch das Museum. Den Namen „Meißen“ habe er das erste Mal im Zusammenhang mit dem Porzellan gehört, gibt Eydelnant zu, der mit seinem Mann selbst ein paar Stücke echtes Meissener besitzt.

Vielleicht auch vom letzten Besuch im Herbst 2017. Da war der Konsul schon einmal in der Stadt und der Manufaktur. Beim Gang durch Meißen erinnert er sich an den Blick von der Terrasse des Domkellers über die Altstadt. „Meißen ist eine ganz schöne mittelalterliche Stadt“, schwärmt Eydelnant im Gespräch mit der SZ.

Dann kommt er auf Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu sprechen und aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Ich bin ganz beeindruckt von ihm, wie viel er richtig macht für dieses Bundesland“, sagt Eydelnant. Die Aufgabe von Politikern, von Diplomaten sei es, mit Leuten zu sprechen, auch wenn sie für ihre Probleme vielleicht nichts tun können. „Meiner Meinung nach macht er einen richtigen Dialog mit der Bevölkerung hier.“

Dem Dialog stellt sich der Diplomat am Abend selbst, als er sich in der Evangelischen Akademie mit Vertretern der Zivilgesellschaft trifft, ein gutes Dutzend Bürger, die sich unter anderem bei der Initiative „Meißen kann mehr“, im Verein Buntes Meißen, dem Kunstverein und der Bürgerstiftung engagieren. 

Besonders interessiert sind die Geladenen an der Idee eines deutsch-amerikanischen Instituts, das in Leipzig entstehen soll, als erstes in Ostdeutschland. Die Bindung zu den Vereinigten Staaten sei nach wie vor noch nicht so groß wie beispielsweise zu Russland, geben manche zu Bedenken. „Der Zugang zu den USA fehlt uns einfach“, sagt Bauunternehmer Ingolf Brumm. Das ist aber nur eine Generationenfrage, sind sich die meisten einig und berichten von Schüleraustauschen und Kindern, die ganz selbstverständlich Englisch sprechen. 

Keine Angst vor der Freiheit zu haben, sagt Pfarrer Bernd Oehler, das können wir noch von den Amerikanern lernen. „Ein schönes Schlusswort“, findet Susann Rüthrich und erinnert den Konsul gleich an seinen nächsten Besuch: „Wir freuen uns, wenn Sie vielleicht zum Literaturfest kommen.“

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