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Das Geld liegt unter der Straße

Thomas Seifert, Professor an der Bergakademie Freiberg, glaubt an eine Renaissance des Bergbaus in Deutschland. Die Deutschen müssen nur tiefer etwas schürfen.

© Wolfgang Schmidt

Thomas Seifert, für Lagerstättenforschung an der Bergakademie Freiberg

Es ist wenige Wochen her, da wurde in Niederschlag bei Oberwiesenthal das erste neue Bergwerk seit Jahrzehnten eröffnet. Verglichen mit der weltweiten großen Rohstoffförderung ist die sächsische Unternehmung freilich eher bescheiden: 37 Kumpel sollen dort bis 650 Tonnen Erz täglich fördern. Doch so klein dieser Neustart ist, mit ihm setzt sich eine 800-jährige Erfolgsgeschichte fort.

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Ist das neue Bergwerk im Erzgebirge mehr als eine Episode?

Auf alle Fälle. Der Name Erzgebirge kommt nicht von ungefähr. Dort und auch im angrenzenden Vogtland gibt es auf relativ engem Raum viele Lagerstätten von Erzen und Mineralien. Das ist in dieser Dichte weltweit selten. Der Bergbau hat das Land einst reich gemacht, und es sieht so aus, als ob sich Geschichte jetzt wiederholt.

Es hieß doch aber einst, die Erzlager seien erschöpft.

Das trifft allenfalls auf die Bereiche nahe der Oberfläche zu. Aber welche Rohstoffe gibt es in eintausend oder auch zweitausend Metern Tiefe? Davon wissen wir nur wenig. Deshalb sind geophysikalische Erkundungsarbeiten des Helmholtz-Institutes für Ressourcentechnologie Freiberg gemeinsam mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover gestartet worden. Denn Bergbau in mehr als 1000 Meter ist aus bergbautechnischer Sicht heute nicht mehr ungewöhnlich. Hinzu kommt, dass wir jetzt nach Rohstoffen suchen, von denen die Bergleute früher gar nicht wussten – und die sie folglich auch nicht abgebaut haben wie Indium, Germanium und Scandium.

Welche Rohstoffe könnten die Investoren interessieren?

Angefangen hatte der Bergbau im Erzgebirge im 12. und 13. Jahrhundert mit Silber und Zinn. Später wurden auch Kupfer, Kobalt, Wolfram, Uran, Blei und Zink, Fluss- und Schwerspat gefördert. Jetzt gibt es noch immer Zinn-Vorräte, aber auch Wolfram, Molybdän, Lithium, Wismut, Indium sowie Fluss- und Schwerspat. Vor allem Indium, das in der Hochtechnologie gebraucht wird, ist weltweit selten. Da gibt es nur wenige Vorkommen. Auch Lithium – ein wichtiger Zukunftsrohstoff – wurde bisher kaum gefördert.

Können auch andere alte Bergbauregionen hoffen?

Ich denke schon. Da ist zunächst der Kupferschiefer bei Spremberg (Brandenburg) in der Niederlausitz. Das ist sogar eine größere Kupferlagerstätte. Dann gibt es im Raum Delitzsch Vorkommen an Seltenen Erden. Der Harz bei Goslar wird nach Massivsulfid-Mineralisationen erkundet. Auch im Thüringer Wald, Schwarzwald, Fichtelgebirge und Rheinischen Schiefergebirge, wo schon früher Rohstoffe abgebaut wurden, sind möglicherweise noch größere Lagerstätten verborgen. Ob und wann diese erkundet und gegebenenfalls abgebaut werden, ist letztlich eine Frage der Kosten und der Wirtschaftlichkeit.

Deutschland gilt als rohstoffarm. Das ist doch noch so?

Eigentlich nicht. Deutschland ist sicher kein Rohstoffland wie etwa Russland oder Kanada. Aber richtig rohstoffarm war es historisch gesehen nie, und bei einigen Rohstoffen wie Fluss- und Schwerspat, Zinn oder auch Kupfer und den Zukunftsrohstoffen Lithium und Indium könnten wir den Bedarf künftig sogar aus eigenen Aufkommen decken. Bei Kali- und Steinsalzen ist Deutschland seit mehr als 50 Jahren einer der führenden Bergbauproduzenten weltweit. (SZ/dpa)