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Das Geschäft mit Asylbewerbern

In keinem anderen Bundesland profitieren Unternehmer so viel von der Flüchtlingsunterbringung wie in Sachsen – etwa in Hotels.

© K-D. Brühl

Von Ulrich Wolf und Morgane Llanque

Immer mehr gewinnorientierte Unternehmen und Privatleute betreiben Asylbewerberheime in Sachsen. Nur 15 der insgesamt 55 Unterkünfte im Freistaat werden noch von gemeinnützig arbeitenden Organisationen oder direkt von den Kommunen betreut. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil privater Betreiber und Eigentümer von Asylbewerberheimen so hoch – er liegt bei 74 Prozent.

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Das ergab eine Umfrage der Sächsischen Zeitung bei den zuständigen Behörden aller 16 Bundesländer. Demnach setzt vor allem Ostdeutschland auf privat organisierte Flüchtlingsbetreuung. Mit einer Quote von 64 Prozent rangiert Sachsen-Anhalt auf Platz zwei nach Sachsen. Thüringen und Brandenburg kommen auf 46 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 44 Prozent.

änder wie Baden-Württemberg, Bayern, Bremen oder Schleswig-Holstein verzichten dagegen nach eigenen Angaben bei der Organisation der Heime auf Privatfirmen.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt seit Jahren. 2011 nahm der Freistaat noch 2.700 Asylbewerber auf, in diesem Jahr sollen es fast viermal so viele werden. Die meisten kamen bislang aus der Russischen Föderation, Tunesien, Serbien und Syrien. Landauf, landab heißt es, es stünden kaum noch geeignete kommunale Immobilien für die Unterbringung der Menschen zur Verfügung. Was an früheren Schulen, Wohnheimen oder Kasernen noch vorhanden sei, müsse für viel Geld saniert und umgebaut werden. Und sollte der Flüchtlingsstrom mal wieder abebben, wären diese Gebäude wieder ungenutzt. Dieses Dilemma nutzen die privaten Unternehmer, für die die Unterbringung oft ein gutes Geschäft ist.

Größter Privatbetreiber in Sachsen ist die ITB Dresden GmbH. Das Unternehmen betreut sechs Heime. Auch Hoteliers entdecken Asylbewerber als Einnahmequelle. In Rötha bei Leipzig etwa erhält ein Hotelinhaber 13 Euro pro Tag und Bewohner. Auch in Bautzen, Großenhain oder Dresden werden Asylbewerber in ehemaligen Hotels untergebracht. In der Landeshauptstadt wird nicht eine einzige der neun Unterkünfte kommunal, kirchlich oder gemeinnützig geführt. Als Betreiber agieren hier unter anderem: der börsennotierte Gagfah-Konzern, ein Kaufmann aus Nierstein bei Wiesbaden oder ein Treppenbauer aus der Nähe von Ulm.

Das sächsische Innenministerium sieht in der hohen Zahl privater Asylheimbetreiber kein Problem. Die Kommunen hätten in diesem Jahr 20 Millionen Euro für die Flüchtlingsbetreuung erhalten, teilte ein Sprecher mit. „Damit sind die Voraussetzungen für eine vernünftige Unterbringung stabilisiert.“