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Das gescheiterte Dynamo-Projekt

Der 100 Mitglieder starke Fußballclub hat sich aufgelöst. Was passiert jetzt mit dem 2014 für viel Geld  erneuerten Platz?

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

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Meißen. Noch vor wenigen Jahren hatte so etwas wie Aufbruchstimmung geherrscht beim Dynamo Fußballclub Meißen (DFC). Der aus einem Fanclub der SG Dynamo Dresden hervorgegangene Verein wollte nicht nur die Bausubstanz der Jahnhalle am Jüdenberg retten und diese aus eigener Kraft in ein Nachwuchstrainingszentrum umbauen, er hatte es im Frühjahr 2014 außerdem geschafft, die Jugendwiese an der Siebeneichener Straße dank Flut-Fördergeld vom Freistaat zu modernisieren. Möglich wurde das außerdem durch eine großzügige Spende des Dresdner Vereins Arche Nova.

Seitdem überließ die Stadt dem DFC den Sportplatz zur Pacht. Mit dem bewussten Übergang aus dem Stadtsportverband Meißen nach Dresden konnten bis zum Ende der Saison 2015/2016 auch sportlich positive Schlagzeilen geschrieben werden. Der DFC wird seiner Zeit souverän Staffelsieger in der 1. Stadtklasse, von Ex-Profi Nikita Maglica trainiert. Doch vom Aufstieg in die elftklassige Stadtliga C profitiert der Verein nicht, tritt 2016 nicht mehr zum Punktspielbetrieb an. Im Sommer desselben Jahres wird eine Fusion mit dem großen Ortsnachbarn Meissner SV 08 angestrebt. Doch diese zerschlägt sich. Diese Phase stellt den Anfang vom Ende für den 1997 gegründeten Dynamo Fußballclub dar.

Den in Spitzenzeiten 100 Mitglieder starken Verein hatte wesentlich Ex-Chef Danny de Schultz mitaufgebaut. Auf SZ-Nachfrage sagt er, er habe Anfang 2016 bei den Schwarz-gelben aufgehört, sei nun „völlig raus“ und könne nicht sagen, was mit dem Verein passiert sei.

Laut SZ-Informationen gibt es ihn offiziell seit Ende Juli 2017 nicht mehr, wurde der DFC zu diesem Zeitpunkt aufgelöst. In den letzten Wochen wurde der Kunstrasenplatz meistens von jugendlichen Freizeitkickern in Beschlag genommen, sind die Umkleiden und Funktionsgebäude verschlossen. Der Zugang zum Kunstrasen ist für Jedermann möglich – momentan zumindest. Die Stadt Meißen hatte im November 2017 den Pachtvertrag mit dem Fußballclub für die Sportanlage an der Siebeneichener Straße gekündigt, wollte bis Jahresende den Platz sowie Schlüssel zu den Funktionsgebäuden sauber übergeben haben.

Das sei inzwischen auch passiert, sagt Stadtsprecherin Katharina Reso. Der Platz soll nun für die Benutzung gesperrt werden. „Nach künftigen Nutzungsmöglichkeiten wird derzeit noch gesucht. Das gesamte Objekt befindet sich in städtischer Obhut“, sagt Reso weiter.

Bleibt noch die Frage, was mit den Flut-Fördermitteln des Freistaats passiert. Diese waren laut SZ-Informationen an die Bedingung geknüpft, dass der profitierende Verein zehn Jahre Breitensport auf dem Gelände sicherstellt. Droht nach dem Ende des Clubs nun also eine Rückzahlung? Dazu machte die Stadt am vergangenen Freitag keine weiteren Angaben.

Der letzte Vereinsvorsitzende des DFC, Falk Wehner, will sich zu dem Thema gegenüber der SZ nicht äußern „Ich habe wirklich keine Lust mehr, was dazu zu sagen“, merkt er am Telefon an. Anders sieht das beim aktuellen Vereinsvorsitzenden des inzwischen in die Kreisoberliga abgestiegenen Meissner SV, Johannes Diemert, aus. Er sagt, die Fusion zwischen den beiden Vereinen sei 2016 an finanziellen Herausforderungen gescheitert, die der DFC mit in das Zweckbündnis gebracht hätte. Laut seinem Vorgänger Jan Winter hatte es damals außerdem unterschiedliche Ansichten in Sachen Führungsstil zwischen ihm und dem zu dieser Zeit neuen DFC-Chef Falk Wehner gegeben.

„Die Verhandlungen zur Fusion waren unter dessen Vorgänger Danny de Schultz vielversprechend angelaufen, dann aber ins Stocken geraten“, erinnert sich Winter.

Letztlich habe der Umstand zum Ende des Dynamo-Fußballclubs geführt, dass die meisten seiner Spieler und Übungsleiter bereits die Seiten gewechselt hatten, als die Fusionspläne scheiterten. Danach blieben sie trotzdem beim MSV oder gingen zu anderen Vereinen. Die Dynamos standen somit ohne Spieler da, aus Aufbruch- wurde Endzeitstimmung. Jetzt gibt es den Club nicht mehr.