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Deutschland & Welt

Das Grauen einer Oktobernacht

Eine 18-Jährige wird in Freiburg vergewaltigt. Elf Männer sind angeklagt. Der Prozess gegen sie ist emotional aufgeladen.

Einer der elf Angeklagten wird vor dem Prozessbeginn von einem Justizbeamten in einen Gerichtssaal im Landgericht gebracht.
Einer der elf Angeklagten wird vor dem Prozessbeginn von einem Justizbeamten in einen Gerichtssaal im Landgericht gebracht. © dpa/Patrick Seeger

Von Jürgen Ruf, dpa

Freiburg. Die Nacht vor der Disco wird das Freiburger Landgericht noch länger beschäftigen. Der Prozess dauert bis mindestens Ende Dezember. Fast alle elf Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen, die Richter sind auf Indizien angewiesen. Doch nach sechs Verhandlungstagen wird das Bild klarer. Es geht um eine rund zweieinhalb Stunden dauernde Gewalttat, die Schlagzeilen machte. Der Prozess, der Ende Juni begann, findet überregional Beachtung.

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Die 18-Jährige, die im vergangenen Oktober nachts vor einer Diskothek in Freiburg Opfer einer Gruppenvergewaltigung wurde, soll nun am 24. Juli, dem nächsten Prozesstag, aussagen - voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie hat gegenüber Freunden und der Polizei erklärt, sie sei in der Nacht vor der Disco von "mindestens zehn bis 15 Männern" vergewaltigt worden. Die Männer flüchteten.

Für das Geschehen gibt es keine Zeugen

Nachdem die angehende Altenpflegerin zuvor in der Disco eine Ecstasy-Tablette und möglicherweise auch K.o.-Tropfen zu sich genommen hatte, sei sie hilf- und wehrlos gewesen, sagte Staatsanwalt Rainer Schmid. Der erste Täter habe sich an ihr vergangen und sei dann zurück in die Disco gegangen, um andere Männer zum Vergewaltigen zu animieren. Nacheinander und auch gleichzeitig sollen sie die Frau missbraucht haben. Augenzeugen gibt es laut dem Staatsanwalt nicht. Es seien aber Körperspuren und andere Beweise gefunden worden.

Die elf nun Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Nur einer von ihnen hat vor Gericht ausgesagt, ein anderer hat von seinem Anwalt eine Erklärung verlesen lassen. Tenor: Die Frau habe Sex verlangt, die sexuellen Kontakte seien einvernehmlich gewesen. Das Gegenteil lasse sich nicht beweisen, sagt Verteidiger Jörg Ritzel. Zudem habe die Frau unter Drogen gestanden.

Kritik an Verteidigern

Das Vorgehen mancher der elf Pflichtverteidiger stößt in dem Strafprozess auf Kritik. "Einige Verteidiger verhalten sich sehr offensiv und in einer Weise, die dem Verfahren nicht angemessen ist", sagt die Anwältin der 18-Jährigen, Christiane Steiert. Gegenüber Medien sei die junge Frau von den Juristen diffamiert worden. Das belaste sie. Zudem passe es nicht zusammen, dass Angeklagte und Verteidiger im Prozess zu den Vorwürfen schwiegen, die Verteidiger aber gleichzeitig Interviews gäben.

Pflichtverteidigerin Kerstin Oetjen sagte, der Prozess sei emotional aufgeladen und finde in der Öffentlichkeit statt. "Es ist daher unser Recht, Waffengleichheit herzustellen und uns öffentlich zu äußern". Kritik an Verteidigern könne sie nicht nachvollziehen.

"Aufgeheizte Stimmung schadet dem Verfahren"

Im dem Prozess gehe es nun um die juristische Aufarbeitung der Tatvorwürfe, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin und appellierte an die Prozessbeteiligten, Emotionen im Griff zu halten. "Eine aufgeheizte Stimmung schadet dem Verfahren sehr."

Der Chefermittler der Polizei, der als erster Zeuge auftrat, bestätigte die in der Anklage erhobenen Vorwürfe. So auch die Freundin der 18-Jährigen, die damals mit ihr in der Disco war, sie dann aber aus den Augen verlor. "Sie ist ein herzensoffener Mensch", sagte die 20-Jährige am Freitag über ihre damalige Begleiterin und widersprach der These, sie habe an dem Abend von Männern Sex verlangt: "Das ist nicht ihr Stil, dass sie weggeht und sagt, sie will sexuelle Erfahrungen haben." Am Tatabend habe sie geweint und sei zusammengebrochen, nachdem sie von Vergewaltigungen berichtet habe. Sie leide bis heute.

Wie lange der Prozess dauern wird, lasse sich nicht abschätzen, sagte Richter Bürgelin. Mögliche Termine für Urteile gibt es noch nicht. Fest steht seit Freitag nur: Die Plädoyers werden, zum Schutz der 18-Jährigen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten.

Wann es die Plädoyers geben wird, steht noch nicht fest. Bis Ende September will das Gericht an knapp 30 Verhandlungstagen rund 50 Zeugen und Sachverständige hören.