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Das große Krabbeln

Der Borkenkäfer ist vor allem im Süden des Landkreises und bei Görlitz ein Problem – der Norden bleibt eher verschont.

© René Plaul

Von Matthias Klaus

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Vom Buchdrucker über den Kupferstecher bis hin zum Großen und Kleinen Waldgärtner – sie haben viele Namen. Und derzeit sind sie wohl nach dem Wolf das gefürchtetste Tier im Wald: Borkenkäfer. Zwischen 50000 bis 100000 Männchen und Weibchen machen sich da schon mal an einer mittelgroßen Fichte breit. Sachsens Wald ist von den Schädlingen inzwischen stark betroffen, natürlich auch der Kreis Görlitz. „Die Auswirkungen des Sturms im vergangenen Jahr und der heiße Sommer haben die Zahl der Borkenkäfer gegenüber 2017 in etwa verzehnfacht“, sagt Heike Zettwitz, Dezernentin im Landratsamt. Der Borkenkäfer fand in dem geschädigten Holz reichlich Nahrung.

Vor allem der Süden und die Gegend um Görlitz, die Königshainer Berge sind demnach von der Plage betroffen. Denn der Borkenkäfer liebt Monokulturen, Fichten. Wie viel Waldfläche im Landkreis Görlitz derzeit akut betroffen ist, ist noch nicht bekannt. „Geschätzt sind es aber 48000 Festmeter“, sagt Heike Zettwitz. Das bedeutet also 48000 Kubikmeter Holz. Ein Beispiel hat die Dezernentin: Von den 660 Hektar Wald der Kämpferberge bei Königshain müssen 50 Hektar gefällt werden, um der Borkenkäferplage Herr zu werden. Im Nachbarlandkreis Bautzen spricht man angesichts der Käferinvasion schon von landschaftsverändernden Einschnitten. Der Görlitzer Landrat Bernd Lange hebt bei solchen Aussagen beschwichtigend die Hände. „So würde ich das nicht formulieren“, sagt er. Ja, es werde kahle Stellen geben, das Landschaftsbild werde sich ändern, gerade in den Königshainer Bergen, am Kottmar, im Zittauer Gebirge. „Aber die Aufforstung danach findet ebenso statt“, so der Landrat. Waldgebiete werden demnach Waldgebiete bleiben, auch wenn es, im wahrsten Sinne des Wortes, wegen des Borkenkäfers Einschnitte geben wird. „Panikmache ist an dieser Stelle nicht angebracht“, sagt Bernd Lange. Er bitte heute schon die Bevölkerung um Nachsicht, wenn es demnächst zu Abholzungen komme. „Es ist einfach notwendig“, so der Landrat. Bernd Lange sieht vor allem zwei Kritiker der Situation. „Zum einen sind es manche Naturschützer, die meinen, jeder kranke Baum sei zu heilen. So ist es aber nicht“, sagt er. Zum anderen sieht er die Besitzer von Privatwald betroffen. „Sie müssen ihren Pflichten nachkommen, nachschauen, wo es zum Befall mit Borkenkäfern gekommen ist“, so der Landrat. Mit dem Bundes- und dem Staatsforst gebe es eine gute Zusammenarbeit.

Der Vorsitzende des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, Andreas Bitter, sieht es so: .„Wir können von einer Jahrhundertkatastrophe sprechen.“ So geballt und folgenschwer sei der sächsische Wald bisher kaum getroffen worden. Im Oktober 2017 hatte Sturm „Herwart“ vor allem das Erzgebirge getroffen, im Januar hinterließ „Friederike“ dann massive Schäden in der Oberlausitz, im Elbland und in Nordsachsen.

Ein Problem, das auch die Görlitzer Dezernentin Heike Zettwitz sieht: Die Preise auf dem Holzmarkt gehen wegen des Überangebotes in den Keller. Laut Verband sanken sie unter 60 Euro der Festmeter, vor den Stürmen waren es etwa 90 Euro. „Es ist derzeit kaum möglich, Holz zu verkaufen“, so Andreas Bitter. Viele Waldbesitzer fühlten sich mit der Situation überfordert und seien auf Hilfe angewiesen. Der Sächsische Waldbesitzerverband vertritt rund 85000 kommunale, private und kirchliche Waldbesitzer in Sachsen. Nach den Angaben sind etwa 50 Prozent der Waldfläche Privat- und Körperschaftswälder, rund 38 Prozent gehören dem Land und werden durch den Staatsbetrieb Sachsenforst bewirtschaftet.

Inzwischen hat sich die schwarz-rote Koalition in Sachsen auf den Haushalt verständigt und dabei auch einen Fonds von 50 Millionen Euro für sturmbedingte Schäden im Wald in Aussicht gestellt. Im Kern geht es darum, das Bruchholz schnell aus den Wäldern zu holen, damit die Schäden durch Borkenkäfer überschaubar bleiben. Der Haushalt muss noch vom Landtag beschlossen werden. Die Waldbesitzer fordern Unterstützung vom Land, vor allem im Kampf gegen Schädlinge. Sie wollen 15 Euro pro Festmeter Schadholz. „Damit gerade kleine Forstbetriebe finanzielle Mittel zur Verfügung haben, um die Aufarbeitung in Angriff zu nehmen“, so Andreas Bitter.

Heike Zettwitz in Görlitz hofft derweil auf eine natürliche Lösung. „Wir brauchen einen harten, feuchten Winter“, sagt sie. Das würde der Borkenkäferplage den Garaus machen.