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Das große Niesen

Im Elbland beschert das kalte Wetter den Ärzten volle Praxen. Teilweise müssen sogar Ämter geschlossen bleiben.

© Susann Prautsch/dpa

Von Dominique Bielmeier

Landkreis. Beim Betreten der Hausarztpraxis wird die Frau abrupt ausgebremst: vom Diskretionsschild, das jetzt direkt im Eingangsbereich steht, etwa drei Meter bis zum Empfangstresen und dem nächsten schniefenden Patienten, der sich gerade anmeldet. Nur eine Diskretionsfrage oder schon Infektionsschutz? Das Wartezimmer dahinter ist auf jeden Fall gefüllt bis auf den letzten Platz an diesem Montagmorgen. Eine Stunde Geduld müsse man heute schon mitbringen, prophezeit der Praxisassistent – und soll recht behalten.

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Dieses Bild aus einer Dresdner Praxis findet man zurzeit auch bei vielen Ärzten im Elbland: volle Wartezimmer, hustende und niesende Patienten, soweit das Auge reicht. Eine Erkältungswelle geht um.

In Meißen blieb das Standesamt in der vergangenen Woche „aus betriebsinternen Gründen“ sogar vier Tage lang geschlossen. Pressesprecher Philipp Maurer bestätigte auf SZ-Anfrage, dass der Grund ein erhöhter Krankenstand unter den Mitarbeitern ist. „Nähere Auskünfte sind nicht möglich, da uns die jeweiligen Diagnosen der individuellen Krankheitsfälle unbekannt sind“, so Maurer. Ähnlich sieht es in der Porzellanmanufaktur aus: Dort seien die kurzzeitigen Ausfälle von Mitarbeitern gerade sehr hoch, sagt Sprecherin Sandra Jäschke.

Ein Drittel mehr Erkältungen

In der Stadtapotheke Radebeul macht sich der Anstieg von Infektionskrankheiten bei den nachgefragten Medikamenten bemerkbar. Pharmazieingenieurin Silke Wächter verkauft nun regelmäßig Kombipräparate oder Hustensäfte.

„Von der großen Grippewelle ist zwar noch nichts zu spüren“, sagt sie, „aber jetzt kommen verstärkt Leute mit grippalen Infekten, mit Husten und Schnupfen.“ Über die Weihnachtsfeiertage habe es sogar einmal kurz eine Phase mit vielen Magen-Darm-Infekten gegeben, so Silke Wächter. „Die Erkältungswelle reißt ja eigentlich nie so richtig ab.“

Auch Amtsärztin Petra Albrecht bestätigt: Der Eindruck, dass zurzeit besonders viel gehustet und geniest wird, stimmt. Im Vergleich zur ersten Meldewoche gibt es aktuell etwa ein Drittel mehr Erkältungskrankheiten. Das bestätigen Referenzeinrichtungen wie Arztpraxen und Altenheime, die an das Gesundheitsamt melden. Im Vergleich zum Vorjahr sei dieser Anstieg jedoch nicht außergewöhnlich, sondern schlicht jahreszeitlich bedingt.

Auch was die Zahl der aktuellen Influenzafälle angeht, ist das neue Jahr noch nicht auffällig geworden – wenn Amtsärztin Petra Albrecht auch zu bedenken gibt, dass die Dunkelziffer sicherlich noch deutlich höher liegen dürfte. Gerade wenn Erkältungskrankheiten grassieren, könnten auch immer Influenzas, also echte Virusgrippen, darunter sein, die nicht gemeldet werden.

Impfung auch jetzt noch sinnvoll

Auffällig, wenn eigentlich auch logisch: Die Grippeerkrankten – aktuell fast ausschließlich Erwachsene – sind nur Menschen, die nicht gegen die Influenza geimpft wurden. Dabei kann eine Impfung auch jetzt noch sinnvoll sein, sagt die Amtsärztin. Wenn der Schnupfen oder ein Kratzen im Hals allerdings schon da sind, beziehungsweise das eigene Umfeld erkältungsgeplagt ist, kommt der Piks zu spät – und kann sogar mehr schaden als nützen. „Es ist immer besser, sich gleich im Herbst impfen zu lassen“, so Petra Albrecht.