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Das große Zählen

Seit Wochen gehen montags in Dresden Tausende für und gegen Pegida auf die Straße. Und immer wird geschaut, wer wie viele Menschen mobilisieren kann. Doch wie zuverlässig sind die genannten Zahlen?

© Ronald Bonß

Von Martin Fischer

Dresden. Fast alle betonen, dass die Zahl der Demonstranten zweitrangig ist. Trotzdem schauen alle genau hin, wenn sich Anhänger und Gegner des Anti-Islam-Bündnisses Pegida montags in Dresden versammeln. Die Zahl der Teilnehmer wird je nach Blickwinkel unterschiedlich interpretiert: als Erfolg für die Zivilgesellschaft, als Beleg für den Frust vieler Menschen, als Indiz für Fremdenfeindlichkeit oder als Ausdruck echter Besorgnis von Bürgern, die sich unverstanden fühlen. Doch woher kommen die Zahlen und wer weiß, ob sie stimmen?

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Die Demos vom 12. Januar

25.000 Anhänger der islamfeindlichen Bewegung Pegida sind am Montagabend wieder in Dresden zusammengekommen.
25.000 Anhänger der islamfeindlichen Bewegung Pegida sind am Montagabend wieder in Dresden zusammengekommen.
Gegner der Anti-Islam-Bewegung versuchen, in der Innenstadt den Marsch zu blockieren.
Gegner der Anti-Islam-Bewegung versuchen, in der Innenstadt den Marsch zu blockieren.
Der Pegida-Zug wurde um die Blockierer herumgeleitet.
Der Pegida-Zug wurde um die Blockierer herumgeleitet.
Ein Teilnehmer der Pegida-Kundgebung schlägt mit seinem Plakat auf eine TV-Kamera ein.
Ein Teilnehmer der Pegida-Kundgebung schlägt mit seinem Plakat auf eine TV-Kamera ein.
Pegida-Gegner protestieren auf dem Postplatz in Dresden gegen den Demonstrationszug der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida).
Pegida-Gegner protestieren auf dem Postplatz in Dresden gegen den Demonstrationszug der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida).
Am Rande des Pegida-Marsches steht ein Mann mit einem Besen. Gegendemonstranten wollen die Stadt symbolisch von der Ideologie des islamfeindlichen Bündnisses "reinigen".
Am Rande des Pegida-Marsches steht ein Mann mit einem Besen. Gegendemonstranten wollen die Stadt symbolisch von der Ideologie des islamfeindlichen Bündnisses "reinigen".
Zum Abschluss der Gegenundgebung versammeln sich 7.500 Menschen am Skaterpark an der Lingnerallee. Dort war der Pegida-Marsch ein paar Stunden zuvor gestartet.
Zum Abschluss der Gegenundgebung versammeln sich 7.500 Menschen am Skaterpark an der Lingnerallee. Dort war der Pegida-Marsch ein paar Stunden zuvor gestartet.
Dort trat auch die Gruppe Banda Comunale auf, die den symbolischen Neujahrsputz bereits vergangene Woche begleitet hatte.
Dort trat auch die Gruppe Banda Comunale auf, die den symbolischen Neujahrsputz bereits vergangene Woche begleitet hatte.
Mit Warnwesten bekleidet und teilweise mit Besen in den Händen ziehen die Pegida-Gegner vom Postplatz zum Skaterpark.
Mit Warnwesten bekleidet und teilweise mit Besen in den Händen ziehen die Pegida-Gegner vom Postplatz zum Skaterpark.
Sie setzen sich für ein weltoffenes Dresden ein.
Sie setzen sich für ein weltoffenes Dresden ein.
Demonstranten der "Bürgerbewegung Hellersdorf gegen Flüchtlingsunterkünfte" ziehen mit dem Pegidazug mit.
Demonstranten der "Bürgerbewegung Hellersdorf gegen Flüchtlingsunterkünfte" ziehen mit dem Pegidazug mit.
Ein Pegida-Unterstützer.
Ein Pegida-Unterstützer.
Polizisten haben Gegner des Pegida-Marsches umstellt, um die Demonstrationszüge zu trennen. Insgesamt waren nach Polizeiangaben 1.200 Menschen dem Aufruf von "Dresden nazifrei" gefolgt.
Polizisten haben Gegner des Pegida-Marsches umstellt, um die Demonstrationszüge zu trennen. Insgesamt waren nach Polizeiangaben 1.200 Menschen dem Aufruf von "Dresden nazifrei" gefolgt.
Die Gegendemonstranten heißen Flüchtlinge willkommen.
Die Gegendemonstranten heißen Flüchtlinge willkommen.
In den Reihen der Pegida-Anhänger waren heute viele französische Fahnen zu sehen.
In den Reihen der Pegida-Anhänger waren heute viele französische Fahnen zu sehen.
Immer wieder waren Deutschlandfahnen mit Trauerflor zu sehen.
Immer wieder waren Deutschlandfahnen mit Trauerflor zu sehen.
Teilnehmer der Kundgebung von Pegida.
Teilnehmer der Kundgebung von Pegida.
Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann spricht in Dresden zu den Pegida-Anhängern.
Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann spricht in Dresden zu den Pegida-Anhängern.
Gegendemonstranten nehmen das Motto des Pegida-Marsches aufs Korn, bei dem den in Paris getöteten Mitarbeitern des Satiremagazins "Charlie Hebdo" gedacht werden sollte.
Gegendemonstranten nehmen das Motto des Pegida-Marsches aufs Korn, bei dem den in Paris getöteten Mitarbeitern des Satiremagazins "Charlie Hebdo" gedacht werden sollte.
Am frühen Montagabend haben sich etwa 300 Menschen vor der Synagoge versammelt.
Am frühen Montagabend haben sich etwa 300 Menschen vor der Synagoge versammelt.
Sie war einer der Sammelpunkte für Proteste gegen die Pegida-Veranstaltung.
Sie war einer der Sammelpunkte für Proteste gegen die Pegida-Veranstaltung.
Die Einstellung der Demonstranten vor der Synagoge ist eindeutig.
Die Einstellung der Demonstranten vor der Synagoge ist eindeutig.
Ein Thema ist auch die Pressefreiheit.
Ein Thema ist auch die Pressefreiheit.
Ein Banner gegen Rassismus am Lautsprecherwagen des Bündnisses "Dresden Nazifrei".
Ein Banner gegen Rassismus am Lautsprecherwagen des Bündnisses "Dresden Nazifrei".
Die Polizei ist mit mehr als 1.600 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz.
Die Polizei ist mit mehr als 1.600 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz.
Vor dem Polizeipräsidium stehen sogar Wasserwerfer bereit.
Vor dem Polizeipräsidium stehen sogar Wasserwerfer bereit.
Studenten der Hochschule für Bildende Künste machen sich in den Fenstern ihres Hauses für eine weltoffene Gesellschaft stark.
Studenten der Hochschule für Bildende Künste machen sich in den Fenstern ihres Hauses für eine weltoffene Gesellschaft stark.
Polizisten sichern den Pegida-Demonstrationszug ab.
Polizisten sichern den Pegida-Demonstrationszug ab.

Zählen tun sie alle in Dresden, der Wiege der selbst ernannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“: die Polizei, die Pegida-Organisatoren selbst und das Bündnis „Dresden für alle“, das sich mit seinen Aktionen für eine bunte und weltoffene Stadt einsetzt. Die Veranstalter richten den Blick nur auf die eigenen Leute, die Polizei zählt sie alle.

Polizei präferiert Durchgangszählung

Und oft gehen die Zahlen auseinander. So sprach die Polizei nach der jüngsten Pegida-Demonstration am 12. Januar von 25 000 Teilnehmern, die Organisatoren hingegen von 40 000. Wer hat recht? Wie zuverlässig sind die Zahlen, und wie geht die Polizei vor?

„Wir halten die Durchgangszählung bei einem Demonstrationszug für die genaueste Methode“, sagt Marko Laske, Sprecher der Dresdner Polizei. Und weil zuletzt immer wieder Zweifel an den von der Polizei genannten Zahlen zur Pegida-Demonstration angemeldet wurden, gehe man nun auf Nummer sicher. „Am vergangenen Montag hatten wir zwei Zählpunkte eingerichtet.“ Beide Ergebnisse hätten nicht weit auseinandergelegen, sagt Laske. Nach einem Abgleich, der immerhin rund eine Stunde dauerte, wurde verkündet: 25 000 Pegida-Demonstranten.

Pegida zählt und schätzt

Das Pegida-Bündnis selbst fährt ebenfalls zweigleisig - hier wird gezählt und geschätzt. Die Zählungen erfolgten von Personen in den Demos, teilt ein Sprecher des Organisationsteams mit. Bei den Schätzungen werde die Fläche ausgemessen, auf der die Demonstranten stehen, und dann mit maximal 2,4 Menschen pro Quadratmeter multipliziert.

Und warum der Aufwand? Glaubt man den Zahlen der Polizei nicht? „Hierzu muss man zunächst sagen, dass überall, wo Menschen, und erst recht überall, wo politische Interessen im Spiel sind, Objektivität in reinem Sinne unmöglich ist“, sagt der Pegida-Sprecher. Hinzu komme, dass manche Zahlen gar nicht von der Polizei stammten: „Die zur Tillich-Gegendemo beruhte allein auf der Staatskanzlei als Quelle - weder Polizeibericht noch Rathaus-Pressestelle kommunizierten eine Zahl.“

An der Großkundgebung vor der Frauenkirche für Demokratie und Mitmenschlichkeit, zu Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (beide CDU) aufgerufen hatten, sollen 10. Januar 35 000 Menschen teilgenommen haben - bislang absolute Spitze.

Das Bündnis „Dresden für alle“ hält die Debatte grundsätzlich für problematisch. „Natürlich spielt die Größe einer Bewegung eine Rolle“, sagt Sprecher Eric Hattke. „Aber ich halte dieses Zahlenspiel für gefährlich.“ Es lenke von der eigentlichen Thematik ab. Inhalte und Argumente zählten schließlich mehr. „Wir sind es den Menschen schuldig, die bei uns Schutz suchen, uns ernsthaft mit der Problematik auseinanderzusetzen.“

Und dennoch: „Auf unserer letzten Demonstration hat ein Soziologieprofessor von der TU Dresden gezählt“, sagt Hattke. Weil sich die von der Polizei genannten Teilnehmerzahlen sehr stark von den eigenen Einschätzungen unterschieden hätten.

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Genau wie bei der Polizei habe man sich angeguckt, wie viele Menschen in dem Demonstrationszug von „Dresden für alle“ nebeneinander hergingen, und dann die Reihen abgezählt. 6 800 kam dabei am vergangenen Montag heraus, als Anhänger des Bündnisses beim sogenannten Neujahrsputz mit Warnwesten und Besen loszogen, um den Versammlungsort der Pegida nach der Kundgebung symbolisch zu reinigen. Die Polizei meldete 200 Demonstranten mehr. (dpa)