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Das große Zittern

Obstbauern und Winzer fürchten um ihre nächste Ernte. Landwirte hingegen brauchen die Kälte.

© Claudia Hübschmann

Bautzen. Die Region bibbert. Kein Wunder. In diesen Tagen paart sich der Frost aus dem Osten mit der skandinavischen Kälte. Seit Tagen sind die Temperaturen im Keller – und zwar im zweistelligen Bereich. Sachsens Winzern und Obstbauern treibt das Sorgenfalten auf die Stirn, zumal derzeit keinerlei Schnee schützend auf dem Boden liegt. Erst im letzten Jahr hatten sie bei Frost im Frühjahr Pflanzen verloren. Doch Landwirte sehen in dem klirrenden Frost auch eine Chance.

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Aroniasträucher mit kräftigen Wurzeln
Obstbauer Michael Görnitz hat seine Plantagen in Coswig und elbabwärts von Meißen. Görnitz: „Trotz der relativ warmen Januartage ist der Saftstrom in den Sträuchern und Bäumen noch nicht so weit aufgestiegen. Kritisch wird es ab minus 15 Grad Celsius.“ Die neu gepflanzten Aroniasträucher hätten kräftige Wurzeln und seien gut in die Erde gekommen, sagt der Obstbauer aus Coswig. Und die Äpfelbäume würden ohnehin einiges an Frost vertragen. „Eigentlich“, so Görnitz, „hätte ich nicht mal etwas dagegen, wenn das frostige Wetter bis Ende März anhalten würde und dann der Frühling kommt. Allerdings dann nicht mehr mit Frostnachschlag wie 2017, als die Triebe schon draußen waren.“

Senken sind am gefährdetsten
Gespannt, aber nicht verängstigt sieht der Sörnewitzer Winzer Matthias Schuh auf den Wetterbericht: „Solange die Voraussage stimmt und wir in dieser Woche nicht mehr als minus 13 Grad Celsius bekommen, mache ich mir keine Sorgen.“ Im letzten Jahr hatten er und seine Mitstreiter die ganze Nacht im Weinberg verbracht und kleine Feuer unterhalten. Die Spätfröste von 2017 waren so gefährlich, weil die Pflanzen bereits Blüten getrieben hatten. Die Feuer sollten die Eisschwaden zwischen den Rebreihen vertreiben. Was zumeist gelang.

Bei der Winzergenossenschaft trifft der Frost auf eine durch die Winterferien ausgedünnte Mannschaft. Trotzdem: Aus der Ferne beobachtet Geschäftsführer Lutz Krüger die Vorhersagen mit Argusaugen. Er teilt die Einschätzung seines Kollegen Matthias Schuh. Der Frost im Februar sei im Elbtal zumeist besser zu verkraften, als wenn das Thermometer im Frühjahr weit nach unten sinkt. Als vordringlich gefährdet in den nächsten Tagen sieht das Vorstandsmitglied der Weinbaugemeinschaft Diesbar-Seußlitz Alexander Scharf tiefer gelegene Mulden- und Auenlagen, da der Frost dahin abfließt. Jungpflanzen sollten zum Schutz rechtzeitig angehäufelt werden, rät der Winzer.

Scharf empfiehlt zudem, künftig langfristig schon bei der Sortenwahl kälteempfindliche Lagen zu entschärfen. „Zum Beispiel Riesling, Blauer Zweigelt und Traminer besitzen eine höhere Frosthärte als Müller-Thurgau und Goldriesling. Traminer benötigt allerdings eine anspruchsvolle Lage, weswegen er lieber in höheren Hanganlagen angepflanzt werden sollte. Am wenigsten Sorgen müssen sich nach Ansicht Scharfs Winzer mit Steil- und Terrassenanlagen machen. Früher hätten die Weinanbauer im Elbtal genau gewusst, warum man die Reben genau da pflanzte.

Kälte als Bodenverbesserer
Mit Frost haben die Landwirte eher kein Problem, sagt Marco Halbendorf, Leiter Pflanzenbau bei der Lausitzer Hügelland Agrar AG in Gersdorf. Die vor dem Winter ausgesäten Pflanzen, wie zum Beispiel Winterweizen, kommen ganz gut mit Kälte klar. Zwar könne es bei anhaltend tiefen Frosttemperaturen auch zum sogenannten Auswintern von Kulturen kommen. „Das sieht man aber erst, wenn die Vegetation wieder losgeht.“ Dafür sorgt Frost für die sogenannte Bodengare. So wird in der Landwirtschaft der Idealzustand eines fruchtbaren Bodens bezeichnet. Das in der Erde enthaltene Wasser gefriert und dehnt sich aus. Dadurch werden große Klumpen zerteilt. „So entsteht ein fein krümeliger Boden.“ Und das sei bei der Frühjahrsaussaat von Vorteil.

Eingefrorene Stiefmütterchen

Auch in der Gärtnerei Kroll in Höflein sieht man die den klirrenden Frost eher gelassen. In den Kaltgewächshäusern warten die Stiefmütterchen unter Vließ auf wärmere Tage. „Die haben wir einfrieren lassen“, erklärt Kerstin Kroll. „Das macht ihnen nichts aus.“ Zuvor habe man die bereits vorhandenen Blüten abgeknipst. So überstehen die Frühblüher den Frost schadlos. Die Primeln hingegen müsse man ohnehin immer frostfrei halten. Egal ob draußen nun minus drei oder minus dreizehn Grad herrschen. Lediglich mit höheren Heizkosten müsse ist in diesen Tagen eben zu rechnen. (SZ/dom; SZ/pam)

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