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„Das Gymnasium wird 2019 fertig“

Wilsdruff wächst. Bürgermeister Ralf Rother (CDU) sieht aber auch Grenzen dieser Entwicklung.

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Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother ist im Glück. Seiner Stadt ist es gelungen, den Bau eines Gymnasiums auf den Weg zu bringen. 2018 konnte Richtfest gefeiert werden.
Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother ist im Glück. Seiner Stadt ist es gelungen, den Bau eines Gymnasiums auf den Weg zu bringen. 2018 konnte Richtfest gefeiert werden. © Andreas Weihs

Herr Rother, Wilsdruff hat in den letzten Jahren mehr Einwohner bekommen. Auch die Zahl der Gewerbebetriebe ist größer geworden. Wie stehen Sie zum Wachstum?

Wachstum hat Grenzen. Bezogen auf Wilsdruff haben wir ein langsames, ganz behutsames Wachstum. Von 2005 bis 2018 ist unsere Bevölkerung um 4,7 Prozent gewachsen, nicht pro Jahr, sondern bezogen auf die gesamte Zeitspanne. Wir haben jetzt 650 Bürger mehr als vor 13 Jahren. Das ist ein leichtes Wachstum, und das ist eine gesunde Entwicklung. Schließlich müssen wir die Infrastruktur, zum Beispiel in der Kinderbetreuung vorhalten.

Wo wird die Stadt in nächster Zeit investieren müssen?

Seit Ende der 1990er-Jahre investiert Wilsdruff massiv in die Kindereinrichtungen. Allein in den letzten 16 Jahren haben wir die Zahl der Betreuungsplätze verdoppelt. Uns ist es auch gelungen, jeder Familie, die es möchte, Krippenplätze anzubieten – auch in der Zeit, als das noch keine Pflicht war. Deshalb werden wir in diesem Jahr die Kita am Landbergweg erweitern. Das Gebäude wollen wir so umbauen, dass dort auch unser Musikschulverein ein festes Domizil bekommen wird. Möglich wird das, weil wir Räume nutzen können, die bisher Wohnungen und Büros waren. Auch die Wilsdruffer Grundschule werden wir im Blick behalten. Noch kommen wir mit drei Klassen pro Schuljahr aus. Und wie mich der Schulleiter informierte, besteht auch 2019 kein zusätzlicher Bedarf. Mittelfristig kann es uns schon passieren, dass nicht drei, sondern vier erste Klassen eingeschult werden. Deshalb müssen wir uns schon Gedanken machen. Glücklicherweise schaffen wir Reserveflächen im neuen Gymnasium.

Das soll in diesem Jahr fertig werden. Ist der Termin zu halten?

Ja. Es war von Beginn an sportlich geplant und das wird es bis zur Fertigstellung bleiben.

Und wie sieht es in der Oberschule aus? Muss die bald erweitert werden?

Mittelfristig ja. Allerdings werden wir schauen, wie es sich auswirkt, wenn wir unseren Schülern im Stadtgebiet neben der Oberschule, auch ein Gymnasium anbieten können. Es kann durchaus sein, dass sich die Anmeldezahlen in Richtung Gymnasium verschieben. Eines zeichnet sich indes schon ab: Die geplante neue Oberschule in freier Trägerschaft im benachbarten Ullendorf wird unsere Oberschule leider nicht entlasten.

Gegenwärtig entsteht zwischen der Nossener Straße und dem Birkenhainer Weg ein neues Baugebiet. Nicht jeder, der dort bauen wollte, kam zum Zug. Was tut Wilsdruff, um neue Bauflächen für Eigenheimbauer auszuweisen?

Die Grundlagen dafür haben wir im Flächennutzungsplan gelegt, der unsere Planung für die nächsten zehn bis 15 Jahre vorgibt. Es wird mehrere kleine Bauflächen geben. Außerdem hoffen wir, dass bestehende Baulücken bebaut werden. Hier gibt es noch Reserven. Bis vor ein paar Jahren konzentrieren sich die Bauaktivitäten auf Wilsdruff, Kesselsdorf und Grumbach – also die Dresden nahen Ortschaften. Jetzt werden auch die Ortsteile attraktiv, die etwas weiter von Dresden entfernt sind, wie Mohorn, Blankenstein, Limbach, Braunsdorf und Helbigsdorf. Zunehmend wird auch in den Bestand investiert, Häuser werden um- und ausgebaut. Das ist sehr zu begrüßen. Auch hier gibt es noch Reserven. Ich glaube, dass damit unsere Strategie aufgeht, weiter nur langsam zu wachsen.

Sind neue Gewerbeansiedlungen geplant?

Es gibt nichts Konkretes. Wir sind mit mehreren Firmen im Gespräch. Vieles bahnt sich über Jahre an. Bei manchen Firmen fällt dann eine Entscheidung und es muss sehr schnell gehen. Andere Firmen planen sehr langfristig. Wir als Verwaltung müssen uns bereithalten, kurze Wege und schnelle Entscheidungen gewährleisten. Ein guter Partner ist auch die Wirtschaftsförderung Sachsen, mit der wir eng zusammenarbeiten. Diese hat zum Beispiel die Ansiedlung des Automobilzulieferer Eberspächer mit begleitet.

Vor einigen Tagen haben Sie vorgeschlagen, eine Busschnelllinie im Taktverkehr zwischen Wilsdruff und Dresden einzurichten. Gibt es hier etwas Neues?

Ich freue mich, dass Entscheidungsträger wie unser Landrat diese Initiative aktiv unterstützen. Inzwischen wird mein Vorschlag ernsthaft geprüft. Der Verkehrsverbund Oberelbe soll ein Gutachten dazu anfertigen. Fahrgastpotenziale, Taktung, Haltestellen und Kosten müssen genau untersucht werden. Wenn der ÖPNV attraktiver werden will, muss über den Schülerverkehr hinaus gedacht werden.

Ihrem Vorschlag, eine Straßenbahn nach Kesselsdorf zu bauen, haben die Dresdner Verkehrsbetriebe hingegen wenig Chancen eingeräumt. Halten Sie trotzdem daran fest?

Ja wir halten die Trasse frei. Mir ist schon klar, dass sich dieser Wunsch nicht kurzfristig erfüllen wird. Aber wir sollten langfristig denken. Und da sehe ich Chancen.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wird im neuen Jahr Baustellen auf der A 4 und dann auch auf der A 17 einrichten. Welche Chancen sehen Sie, ein Verkehrschaos abzuwenden, wie es viele Bürger 2018 erlebt haben?

Das liegt nicht in unserer Hand. Ich hoffe, dass die Straßenbaubehörde aus den Erfahrungen gelernt hat. Bei anderen Baustellen klappt es ja auch. In der Ausschreibung müssen klare Vorgaben zur Nachtarbeit und der Mindestbesetzung der Baustelle enthalten sein und die Steuerungszeiten aller betroffenen Ampelanlagen auf den Entlastungsstrecken angepasst werden.

Auf die Umgehungsstraße für Wilsdruff werden Sie noch ein bisschen warten müssen. Wagen Sie eine Prognose, wann hier Baustart sein wird?

Nach unseren Informationen soll das Planfeststellungsverfahren im neuen Jahr eröffnet werden. Das Verfahren liegt dann bei der Landesdirektion. Und zu Verfahren Dritter möchte ich keine Prognosen abgeben.

Das Gespräch führte Maik Brückner.