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„Das halte ich moralisch für sehr bedenklich“

Die Debatte um die Zukunft von Christian Prokop im deutschen Handball spitzt sich zu. Leipzigs DHfK-Manager Karsten Günther versucht, zu relativieren.

© WORBSER-Sportfotografie

Die Schlagzeilen reißen auch eine Woche nach dem Ausscheiden der deutschen Handballer bei der EM in Kroatien nicht ab. Im Mittelpunkt aller Kritik steht der Bundestrainer. Obwohl Christian Prokop noch einen Vertrag bis 2022 besitzt, werden die Forderungen nach seiner sofortigen Ablösung immer lauter.

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Vor dem Allstar-Game, bei dem das Nationalteam am Freitag in Leipzig auf eine Bundesliga-Auswahl trifft, erklärt Karsten Günther, Manager bei Prokops Ex-Verein SC DHfK Leipzig, seine Sicht auf die Dinge.

Herr Günther, wie groß ist Ihre Vorfreude auf das Allstar-Game noch?

Genauso groß wie immer. Das wird wieder ein Spektakel und die Arena voll sein. Man trifft viele Kollegen. Ich freue mich drauf.

Welche Rolle spielt das enttäuschende Abschneiden der Nationalmannschaft bei der EM?

Natürlich ist das jetzt ein Gesprächsthema, das ist doch völlig normal. Das zeigt aber auch, wie viele Menschen der Handball inzwischen bewegt.

Vor allem wird gerade sehr emotional diskutiert. Wie haben Sie die EM erlebt?

Als absoluter Fan der Nationalmannschaft, der die Daumen gedrückt hat. Und nicht nur ich. Wir hatten während der EM sogar Public Viewing in Leipzig.

Teilen Sie die Kritik am Bundestrainer?

Dazu möchte ich mich überhaupt nicht äußern, da ist in den vergangenen Tagen und Wochen schon viel zu viel diskutiert und reininterpretiert worden, dieses Spiel spiele ich nicht mit. Ich weiß, dass Christian ein sehr guter Trainer ist. Er wird die EM kritisch mit sich und der Mannschaft auswerten, damit sie das nächste Mal dieses eine Quäntchen besser sind. Viel mehr hat ja nicht gefehlt, die Mannschaft stand kurz vorm Halbfinale.

Die Sport-Bild berichtet, der Ligaverband HBL sei bereit, sich an einer möglichen Abfindung für Prokop und den SC DHfK zu beteiligen. Wissen Sie davon oder sind Sie in solchen Gesprächsrunden dabei?

Wie gesagt, es wurde und wird so viel Quark geschrieben und ich habe mittlerweile gelernt, dass nicht alles, was in Zeitungen abgedruckt ist, eine realistische Grundlage hat.

Mit Philipp Weber, Maximilian Janke und Bastian Roscheck waren auch drei Spieler vom SC DHfK bei der EM dabei. Haben Sie mit denen die Tage in Kroatien schon ausgewertet?

Unsere Trainer Michael Biegler und André Haber haben mit den Dreien ausführlich gesprochen und mit ihnen individuelle Pläne ausgearbeitet, um topfit in die Rückrunde starten zu können. Vorher gab es ein paar Tage frei und natürlich auch Kontakt mit mir. Ich freue mich, dass die Jungs gesund und sicher zurück sind und es ihnen gut geht. Und was ich privat mit ihnen bespreche, bleibt auch privat.

Speziell Roscheck und Janke, aber auch Weber sind zum Teil hart kritisiert worden – nicht nur von den Medien, auch von Bundesliga-Managern und -Trainern. Befürchten Sie Nachwirkungen?

Zum einen bin ich ganz fest der Meinung, dass sich jeder Nationalspieler seine Teilnahme an der EM redlich verdient hat, weil er sich mit starken Leistungen in den Fokus gespielt hat. Das trifft auf unsere drei Spieler zu, aber auch auf alle anderen 17 aus dem 20-Mann-Kader. Natürlich habe ich mich für unsere Jungs besonders gefreut, dass sie die Erfahrung Europameisterschaft machen konnten. Das war für alle drei das erste Mal, das ist etwas ganz Großes, und das nimmt ihnen auch keiner mehr weg. Und zu dem anderen Aspekt nur so viel: Öffentlich über andere Spieler zu urteilen, gehört sich nicht, das halte ich moralisch für sehr bedenklich.

Wie gehen die drei Spieler damit um?

Keiner kommt mit Platz neun freudestrahlend nach Hause, das ist völlig klar. Deshalb sollen sie jetzt durchschnaufen, den Kopf frei kriegen, Abstand gewinnen – und beim Allstar-Game langsam wieder in den Spielrhythmus reinkommen. Ab nächster Woche sind sie dann voll im Mannschaftstraining dabei und bereiten sich mit aller Akribie auf die Rückrunde vor. Darauf freuen wir uns alle.

Befürchten Sie nach all den Diskussionen einen Imageschaden für Ihren Verein?

Nein. Im Gegenteil, wir wurden erst vergangene Woche mit der Leipziger Lerche ausgezeichnet, einem Preis also, der Personen oder Institutionen ehrt, die sich für das Image Leipzigs über die Stadtgrenzen hinaus verdient gemacht haben. Das gibt Rückenwind und bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Das Interview führte Tino Meyer.