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Das Handwerk ist gefragt wie nie

Die meisten Betriebe in der Region blicken optimistisch in die Zukunft – aber auch zurück auf schwere Startbedingungen.

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© Sebastian Schultz

Von Dominique Bielmeier

Meißen. Frank Gärtner lacht herzlich. „Tja, wie das gekommen ist, wissen wir auch nicht so richtig“, sagt der 67-Jährige. „Wahrscheinlich spricht sich gute Qualität im Laufe der Jahre einfach rum.“ Bis September sind die Auftragsbücher des Beschriftungs-unternehmens in Glaubitz schon voll, gerade musste Gärtner, der das Unternehmen 1991 gegründet hat, einen Leiharbeiter einstellen, um alle anstehenden Arbeiten bewältigen zu können. Es ist Mitarbeiter Nummer 16. Im Mai hatte der Auftragseingang bereits die Million Euro erreicht, „vielleicht schaffen wir dieses Jahr erstmals die zwei Millionen beim Umsatz“, sagt Gärtner. In seiner Branche sind Auftragseingang und Umsatz fast gleich.

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Wie der Frank Gärtner Beschriftungstechnik geht es derzeit vielen Handwerksbetrieben in der Region. „Sechs von zehn Handwerksunternehmen im Landkreis Meißen bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als gut“, teilte die Handwerkskammer Dresden vor Kurzem mit. Deren Frühjahrskonjunkturumfrage, für die über 4 000 der rund 22 100 Mitgliedsbetriebe befragt wurden, zeige, dass Firmen positiv in die Zukunft blicken. „Lediglich drei Prozent der befragten Firmen beurteilt ihre Lage als schlecht.“

Etwa 42 Prozent der rund 3 700 Handwerksunternehmen im Landkreis erwarten demnach in den nächsten Monaten steigende Umsätze, nur fünf Prozent sind pessimistisch und gehen von sinkenden Umsätzen aus. Knapp ein Drittel der Firmen rechnet in naher Zukunft außerdem mit steigenden Auftragseingängen.

„Für ein erstes Quartal sind dies die besten konjunkturellen Ergebnisse für den Landkreis Meißen“, sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. „Diese Zahlen zeigen deutlich die Stärke des Handwerks.“

„Es gab aber auch andere Zeiten“, sagt Frank Gärtner in seinem Büro in Glaubitz. Sein Elternhaus ist gleich nebenan, als kleiner Junge ist er immer zwischen den Arbeiterinnen der Lampenfabrik Gebrüder Lieske herumgesprungen, erzählt er. Später wurde die Firma an die Fahrzeugelektrik Suhl angegliedert, die hier bis zur Wende Zündspulen für Wartburg und Trabant herstellte. Der gelernte Elektriker und Betriebsingenieur für Instandhaltung arbeitete selbst im Riesaer Stahlwerk. Kurz vor der Wende begann dort unter seiner Leitung die Produktkennzeichnung. „Das ist keine Werbung“, erklärt Gärtner. Es sind die Markierungen, die man auf allen Produkten findet und die zum Beispiel Auskunft geben über Herstellungsort und -zeit – vom Joghurtbecher bis zum Flugzeugteil.

1991 macht Gärtner sich selbstständig. Eigentlich will er nur einen Raum in dem Gebäude der früheren Lampenfabrik mieten, schließlich kauft er das ganze Haus mit Grundstück. „Meine Frau hat gesagt: Du bist ja wahnsinnig, das zu kaufen.“ Heute sagt Gärtner selbst: Zwei Jahre später hätte er wohl irgendwo auf der grünen Wiese gebaut. 600 Quadratmeter Asbestdach mussten runter, der riesige Kohlenhaufen im Hof wich einer modernen Heizung für die Firma. „Dabei brauchte uns in der Anfangszeit keiner“, sagt Gärtner. „Die großen Konzerne brachten ja alles mit.“

Heute ist das anders. Zu den Kunden der unscheinbar in einer Kurve in Glaubitz versteckten Firma zählen Namen wie Airbus, Porsche und Siemens. Für sie stellt das Unternehmen Sondermaschinen zur Beschriftung her, unter anderem im Tintenstrahlverfahren, mit Nadelprägern oder mit Lasern.

Zusammen mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen hat die Firma sogar den Prototypen einer Beschriftungsmaschine für archäologische Funde entwickelt.

Gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt für die Betriebe gekommen, die Weichen für die Zukunft zu stellen, findet die Handwerkskammer Dresden. „Wir brauchen dringend gut ausgebildeten Nachwuchs“, sagt Hauptgeschäftsführer Brzezinski. Dafür müssten die Oberschulen personell wie materiell besser ausgestattet werden.

Auch Frank Gärtner hat schon an die Zukunft gedacht. Seine Firma sollen die langjährigen Mitarbeiter Alexander Henning und Stev Besser übernehmen, die auch bei ihm ausgebildet wurden. Schon seit rund zwei Jahren führen sie die Geschäfte selbstständig. Doch einen Kredit zu bekommen, sei nicht einfach, erzählt Gärtner. Spätestens gegen 2020 soll die Übernahme aber abgeschlossen sein. Interessenten aus den alten Bundesländern, die das Unternehmen sofort kaufen würden, hat Gärtner genug. „Aber ich bin eben noch ein wenig sozial eingestellt.“

Den Konjunkturbericht des Frühjahrs 2018 finden Sie hier zum Download.