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Das ist der neue Dresdner Handball-König

Mindaugas Dumcius ist nach Litauens Staatsgründer benannt und trumpft beim Zweitligisten HC Elbflorenz auf. Das liegt auch an seiner privaten Wohlfühl-Basis.

Mindaugas Dumcius deutet es an: In seinem linken Wurfarm steckt jede Menge Power.
Mindaugas Dumcius deutet es an: In seinem linken Wurfarm steckt jede Menge Power. © Matthias Rietschel

Dresden. Seine Gefährlichkeit auf Fotos zu bannen, ist nicht so einfach. Mindaugas Dumcius wirft meist ansatzlos, sodass auch geübte Sport-Fotografen den Auslöser meist zu spät betätigen.

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Diese blitzartigen Abschlüsse dürften eines der Erfolgsgeheimnisse des Litauers sein, der im Sommer innerhalb der Liga von Aue für mindestens zwei Jahre nach Dresden wechselte. Bereits nach vier Spieltagen steht fest: Der 24-Jährige ist die versprochene Verstärkung, die sportartenübergreifend jedem Neuzugang zunächst per se unterstellt wird. Der Linkshänder stand bereits zweimal in der Mannschaft des Spieltages – eine hübsche Spielerei, die sich die 2. Handball-Bundesliga anhand der gezeigten Einzelleistungen gönnt. Mit 16 Saisontoren ist er bisher der treffsicherste Dresdner und kann darüber auch staunen.

„Weshalb es so gut für mich läuft, ist schwierig zu beantworten. Ich kann da nur Danke an die Mannschaft sagen. Ich denke, da war auch Glück dabei. Ich hoffe, das hält an“, betont der 1,92 Meter große Rückraumspieler. „Wir spielen mehr über mich. Daher bekomme ich mehr Chancen“, sagt der Nationalspieler, der mit 17 Jahren sein Debüt in der Auswahl seines Landes feierte.

„Minde“, verrät Trainer Rico Göde, „war der Spieler, der schon sehr fit ankam. Er hatte mit Abstand den besten Laktatwert. Der Junge ist fit. Das sieht man auch“, sagt der 37-Jährige. „Wir haben zuletzt mit viel Bewegung im Angriff agiert. Das kommt seiner Spielweise entgegen. Er ist keiner, der hochsteigt und über die Abwehr wirft.“ Dumcius platziert viele Würfe – natürlich ansatzlos – aus der Hüfte oder per Schlagwurf im gegnerischen Gehäuse. „Was mich besonders freut, ist, dass er auch hinten gut arbeitet. Das macht er echt gut. Da ist viel körperliche Präsenz da“, sagt der Trainer.

Die Maori-Motive auf seiner Haut haben viele Bedeutungen

Diese Präsenz unterstreicht der in der Hafenstadt Klaipeda aufgewachsene Profi mit einem martialisch anmutendenden großen Tattoo am Wurfarm. „Das sind Maori-Motive“, sagt Dumcius. „Da stecken viele Bedeutungen drin, aber das jetzt alles zu erklären, würde zu lange dauern“. Dabei spricht er erstaunlich beredtes Deutsch, wenn man bedenkt, dass Dumcius sich die Sprache gewissermaßen durch das Zuhören von Kabinengesprächen beibringt.

„Meine Eltern“, sagt er, „haben mich nach dem König von Litauen benannt“, erzählt er. Mindaugas I. wird die Einigung der fünf Fürstentümer Litauens im 13. Jahrhundert zu einem Staatswesen angerechnet. Die Frage, ob er mit seinen Leistungen auf dem Weg sei, der neue König des HC Elbflorenz zu werden, überlächelt Dumcius freundlich und bescheiden. Er versteht sich als Teamplayer.

Dass es für den begabten Athleten in Dresden vom Fleck weg so erstaunlich gut läuft, könnte auch mit seinem privaten Wohlbefinden zu tun haben. Er wohnt mit seiner Verlobten Aurelija Norkute in Blasewitz. Das war in Aue noch anders. Da pendelte seine Lebensgefährtin wegen ihres Studiums (Gesundheitswesen) noch zwischen Litauen und Aue. „Wir sind schon sechseinhalb Jahre zusammen“, sagt Dumcius und lächelt stolz. „Meine Eltern gucken die Spiele zu Hause im Internet. Danach telefonieren wir meist zwei, drei Stunden. Vielleicht kommen sie mal nach Dresden“, sagt er. „Aber es ist natürlich für mich sehr wichtig, dass meine Verlobte mit in Dresden ist und mir den Rücken freihält“, sagt er.

Auf dieser Wohlfühl-Basis will Dumcius in Dresden aufbauen und sich persönlich entwickeln. „Natürlich träume ich von der 1. Bundesliga. Das ist die beste Liga der Welt“, gibt er unumwunden zu. Für diesen Traum hat er als Achtjähriger bei seinem Heimatverein Dragunas Klaipeda mal mit Handball angefangen. Ob er den HC Elbflorenz auf diesem Weg als Sprungbrett betrachtet, ist offen. Wenn Dumcius weiter so verlässlich für die Sachsen trifft, sind beide Wege denkbar.