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Feuilleton

Der Liebling der Karikaturen-Ausstellung

Über 13.000 Besucher sahen in Dresden die Ausstellung des 20. Deutschen Karikaturenpreises. Der Liebling des Publikums wird jetzt geehrt.

Die Karikatur zum Thema "Prima Klima" von Till Mette wurde vom Publikum zum Liebling gewählt.
Die Karikatur zum Thema "Prima Klima" von Till Mette wurde vom Publikum zum Liebling gewählt. © Zeichnung: Til Mette / Shirin Abedi

Aufklärung tut not. Denn irgendwie soll ja die Menschheit die Klimakurve noch kriegen. Da tut jeder, was er kann. Der umweltbewusste Vater zum Beispiel fährt mit dem neuen E-Auto zum Kohlekraftwerk seines Vertrauens und zeigt dem Nachwuchs, wo neuerdings der Rauch aus dem Auspuff aufsteigt. Ein ziemlich lachhaftes Bild, was da entstanden ist. 

Das Reinheitsgebot der klimaneutralen Gesellschaft soll wohl vor allem das Gewissen sauber halten. So jedenfalls sieht es der Karikaturist Til Mette. Die von der Regierung geförderten Ökokisten seien eine echte Lachnummer, meint der 63-Jährige, denn am Ende bleibe die Summe allen Drecks der Wohlstandsgesellschaft dieselbe. Mit dieser satirischen Sicht auf die menschengemachten Reaktionen auf den Klimawandel traf der Zeichner den Nerv des Publikums. 

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Der Publikumspreis des 20. Deutschen Karikaturenpreises geht an Til Mette mit dieser Zeichnung.
Der Publikumspreis des 20. Deutschen Karikaturenpreises geht an Til Mette mit dieser Zeichnung. © Zeichnung: Til Mette

Das Motto des 20. Deutschen Karikaturenpreises hieß „Prima Klima“. Insgesamt 13.829 Gäste besuchten die Ausstellung, die vom 18. November 2019 bis 23. Februar 2020 im Dresdner Haus der Presse stattfand. Mit großer Mehrheit wählten die Besucherinnen und Besucher die Schwarz-Weiß-Malerei des Hamburger Künstlers auf Platz eins.

Til Mette, der bereits mehrfach von der Jury des Deutschen Karikaturenpreises ausgezeichnet wurde, lässt sich den massenhaften Zuspruch gefallen. Nachdem er am Mittwoch von dem Gewinn am Telefon erfuhr, sagte er belustigt: „Das ist der erste Preis, bei dem ich die Jury nicht bestechen musste, großartig!“ Nie habe er gedacht, dass er vom Publikum zum Liebling gewählt werden würde, denn seine Figuren seien weder putzig noch heiter, sondern krakelig und widersprüchlich. 

Er bringt Typen aufs Blatt, die im Alltag oft auf die politischen Abgründe hereinfallen. Er ergänzte noch: „Dass der Preis an einen links-grün versifften Zeichner der Systempresse geht, zeigt, dass die Dresdner viel klüger und freigeistiger sind, als die Nazis uns glauben machen wollen. Danke Sachsen!“

Am 13. März in Leipzig

Til Mette zeichnet seit 1995 exklusiv für das Wochenmagazin „Stern“ und ist längst nicht nur Karikaturist, sondern auch Mahner moralischer Leitlinien. Zudem berät er seit einigen Jahre viele Nachwuchskünstler und wurde so vom einstigen Cartoon-Rebell zum Nestor der deutschen Karikaturenszene.

Am 13. März nimmt er den Publikumspreis auf der Leipziger Buchmesse entgegen. Ab 14.30 bis 15 Uhr findet die Siegerehrung am Stand des Deutschlandfunks (Nummer 12) in der Glashalle der Messe statt. Anschließend signiert der Publikumsliebling Zeichnungen und den neuesten Katalog des Karikaturenwettbewerbs, den die Sächsische Zeitung 2019 zum zwanzigsten Mal veranstaltete. 

Die „Flucht der Regenwürmer“ ist mit dem „Geflügelten Bleistift in Gold“ ausgezeichnet worden.
Die „Flucht der Regenwürmer“ ist mit dem „Geflügelten Bleistift in Gold“ ausgezeichnet worden. © Axel Bierwolf

„Selbstverständlich fahre ich wie Greta mit dem Zug nach Leipzig und zurück“, sagt der Mann, der sonst gern mit dem Motorrad durch Hamburg düst und eine dieselfette Großkarosse in der Garage stehen hat. Das schlechte Gewissen seiner persönlichen Ökobilanz versuche er im Moment noch mit Witzen zu bereinigen. Das gelingt ihm ausgezeichnet.

Treffen der Stars unter den Karikaturisten

Schon am kommenden Sonnabend wird Til Mette unweit von Hamburg auf Schloss Agathenburg dabei sein, wenn die Ausstellung des 20. Deutschen Karikaturenpreises dort eröffnet wird. Denn die Exposition geht in den kommenden Monaten auf Reisen und macht in mehreren deutschen Städte Station. Nach Agathenburg werden die über 250 Zeichnungen ab Ende April in Schwerin, dann in Köln und Pirna sowie im Lausitz-Center in Hoyerswerda zu sehen sein.

In Agathenburg kommen am Wochenende viele der Karikaturistinnen und Karikaturisten zusammen. Solche Treffen sind für sie, die alle als Einzelkämpfer arbeiten, für den Austausch sehr wichtig. Mit dabei ist neben Til Mette der Schweriner Mario Lars, dessen Cartoons fast täglich auf der Titelseite der Sächsischen Zeitung zu sehen sind. Er bekam 2017 den Publikumspreis. Auch Bettina Bexte aus Bremen will anreisen, die nahm den mit 1.000 Euro dotierten Publikumspreis 2019 auf der Buchmesse entgegen. Der Sieger des Deutschen Karikaturenpreises von 2019, Axel Bierwolf aus Pirna, will ebenfalls dabei sein.

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Auch 2020 wird es wieder einen Deutschen Karikaturenpreis geben. Zurzeit sucht die Jury das Motto für den diesjährigen Wettbewerb. Ab Mai läuft die Ausschreibung im deutschsprachigen Raum. 2019 hatten sich insgesamt 255 Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit 1.153 Werken bei der Jury für den Preis beworben. Seit 2016 trägt die Bremer Tageszeitung Weser-Kurier die Ausrichtung gemeinsam mit der Sächsischen Zeitung mit. Die Verleihung findet deshalb jährlich abwechselnd in Dresden und Bremen stattfinden, dieses Jahr am 15. November in Bremen.