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Dippoldiswalde
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Das ist der Tote aus der Dippser Heide

Die Polizei veröffentlicht nun das rekonstruierte Gesicht. Wer kennt den jungen Mann, den Pilzsammler fanden?

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Das rekonstruierte Gesicht.
Das rekonstruierte Gesicht. © Polizei

Bislang war es ein Skelett, das im vergangenen Oktober nahe des Waldstadions in Oelsa gefunden wurde. Nun hat der Tote ein Gesicht: Die Polizei hat am Freitag ein Bild veröffentlicht. Zu sehen ist darauf der Kopf des jungen Mannes, nachempfunden von einer professionellen Zeichnerin. Laut Polizei wurde zudem bei dem Skelett eine Kette aus Naturfaserband mit vier Kugeln gefunden. Von der Veröffentlichung der zwei Bilder erhoffen sich die Ermittler nun Hinweise zur Identität des Toten.

Diese Kette wurde bei dem Skelett gefunden.
Diese Kette wurde bei dem Skelett gefunden. © Polizei

Anhand seines Schädels hatte Steffi Burrath, Expertin beim Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt, das Gesicht des Toten rekonstruiert und gezeichnet. Die diplomierte Modezeichnerin ist deutschlandweit eine der wenigen, die sich mit der Rekonstruktion von Gesichtern auskennen. Sie hat sich dafür 2002 beim FBI ausbilden lassen. Seither landen pro Jahr etwa zwei bis drei Fälle aus dem gesamten Bundesgebiet auf ihrem Tisch, unter anderem auch der Schädel aus der Dippser Heide. Da bei dem Skelett ein Haarbüschel gefunden wurde, hatte Steffi Burrath Anhaltspunkte, was Haarlänge und Haarstruktur betrifft. Untersuchungen der Polizei ergaben zudem, dass der junge Mann mittel- bis dunkelblonde Haare hatte.

Trotz DNA-Analyse und rechtsmedizinischer Untersuchung konnte bisher nicht geklärt werden, wer der Tote ist. Es sind noch viele Fragen offen, auf welche Ermittler der Polizeidirektion Dresden Antworten suchen. Zum Beispiel steht die Todesursache noch nicht fest. „Wir haben keine Organe und können die Todesursache nicht am Skelett ablesen“, sagte Kriminalhauptkommissar Frank Haschke, der in dem Fall ermittelt. „Der Tote kann erfroren sein oder erdrosselt, das können wir nicht ausschließen. Genauso wenig, ob es sich um einen natürlichen Tod handelt oder um ein Tötungsdelikt.“ Auch ist offen, wie der junge Mann, der vermutlich zwischen 12 und 17 Jahre alt war, in die Nähe des Waldstadions gekommen sein könnte, denn die Polizei hat keine Fahrzeug- oder Schleifspuren entdecken können. Erst wenn die Identität feststeht, hoffen die Ermittler darauf, die genaueren Umstände klären zu können.

Das Skelett wurde nahe des Oelsaer Waldstadions gefunden.
Das Skelett wurde nahe des Oelsaer Waldstadions gefunden. © Karl-Ludwig Oberthür

Erkenntnisse gibt es hingegen, was die Liegezeit des Toten angeht. „Wir gehen davon aus, dass er ungefähr im Sommer dort hingekommen sein könnte“, sagt Frank Haschke. Da der Sommer sehr heiß war und die Leiche Umwelteinflüssen und Tierfraß ausgesetzt war, sei es nicht ungewöhnlich, dass ein Mensch innerhalb von wenigen Monaten skelettiert ist. Die Ermittlungen im Fall des Oelsaer Skeletts führt die Morduntersuchungskommission der Polizeidirektion Dresden, die unter anderem für Tote zuständig ist, deren Identität auch nach längerer Zeit noch unbekannt ist. Außerdem werden die Ermittler tätig, wenn die Todesursache nicht feststeht – ein Tötungsdelikt also nicht ausgeschlossen werden kann. Der Tote aus der Dippser Heide ist dabei nicht der einzige offene Fall, den das siebenköpfige Team derzeit auf dem Tisch liegen hat. Parallel wird im Schnitt etwa an acht bis zwölf Fällen gearbeitet, sagt Frank Haschke, darunter auch Tötungsdelikte und Mordfälle. Da Mord nicht verjährt, kommen auch alte Fälle nicht zu den Akten. Denn schließlich entwickeln sich die technischen Möglichkeiten immer weiter. Dass menschliche Skelette gefunden werden, deren Identität unbekannt ist, komme immer mal wieder vor. „Davon haben wir etwa ein bis zwei pro Jahr.“ In Erinnerung sind dem erfahrenen Ermittler beispielsweise zwei immer noch unbekannte Skelette, die vor einigen Jahren in Meißen gefunden wurden.

Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden entgegen unter Tel. 0351/4832233.

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