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„Das ist ein Karrierehöhepunkt“

Der Dresdner HC Elbflorenz II erreicht das Finale um den DHB-Amateurpokal. Der Einsatz von Profis löst eine heftige Debatte aus.

© kairospress

Von Alexander Hiller

Seit Monaten hat der Verein darauf hingearbeitet – mit einer ausgeklügelten Personalstrategie. Die fällt dem HC Elbflorenz nun auf die Füße. In Form von heftiger Kritik aus prominentem Munde.

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Doch zunächst die Fakten: Die zweite Mannschaft des HC Elbflorenz, derzeit Tabellenfünfter der Mitteldeutschen Oberliga, hat sich am Sonnabend für das Finale um den Amateurpokal des Deutschen Handball-Bundes (DHB) qualifiziert. Die Sachsen setzten sich am Karsamstag im Halbfinale bei der HSG Ostsee mit 28:26 nach Verlängerung (23:23, 9:12) durch und stehen damit im Endspiel am 6. Mai in der Hamburger Barcleycard-Arena. Das Endspiel um den Amateurpokal gehört zum Rahmenprogramm des Final-Four-Turniers um den DHB-Pokal. „Für uns als Verein ist die Chance derzeit sehr gering, mit unserer Profimannschaft den DHB-Pokal zu holen oder erst mal in das Finalturnier zu kommen“, erklärte Rico Göde, Trainer der HC-Reserve. „Deshalb ist es für alle Spieler ein absoluter Karrierehöhepunkt, es durch den Amateurpokal nach Hamburg geschafft zu haben“, erklärt der Ex-Profi.

Der Finalplan beginnt im August

Und eben diesen Weg hatte der HC Elbflorenz generalstabsmäßig geplant. Profi-Trainer Christian Pöhler verzichtete in der 1. Runde des DHB-Pokals auf den Einsatz von Adrian Kammlodt, Robin Hoffmann und Nils Kretschmer. Wohlwissend, dass sein Team sich in der Viererrunde unter anderem gegen den Erstligisten HSG Wetzlar nicht würde als Sieger für die nächste Runde qualifizieren können. Erwartungsgemäß scheiterte der HCE Ende August 2017 mit 23:35 an Wetzlar. Kammlodt, Hoffmann und Kretschmer hatten sich durch die „Schonung“ noch nicht in einem Pokalwettbewerb des DHB festgespielt und standen somit für die zweite Mannschaft im Amateurpokal zur Verfügung.

Für den hatte sich der HC Elbflorenz II als Sieger des sächsischen Ausscheids gegen HC Glauchau/Meerane als Vertreter des Freistaates qualifiziert. „Ich finde es auch nicht unbedingt gut, dass wir als zweite Mannschaft in einem Amateurpokal mitspielen dürfen, aber wir haben die Statuten nicht gemacht“, sagte Rico Göde. Dessen Gegenüber vom Sonnabend, der frühere 83-fache Nationalspieler Thomas Knorr, fuhr zu diesem Thema verbal schärfere Geschütze auf. „Wenn Dresden hier mit fünf Zweitliga-Profis antreten darf, verdient der Amateur-Pokal seinen Namen einfach nicht“, haderte der 46-jährige HSG-Trainer . „Adrian und Robin sind Anschlusskader im Profiteam und außerdem Studenten. Sie haben sich ihre Einsätze in der 2. Liga mit Trainingsleistungen verdient. Das heißt aber nicht, dass sie Profis sind“, verteidigte Göde die Marschroute seines Klubs. Den Status Profi erfülle also nur Kretschmer.

Beim Spitzenreiter der ostholsteinischen Oberliga gehörten ohnehin andere zu den Matchwinnern – neben dem achtfachen Torschützen Robin Hoffmann. Göde zählt da vor allem Torhüter Marcel Balster und Alt-Star Alexander Matschos auf. Dass sich die Gegenseite vehement über die Dresdner Personalpolitik ereifert, will Göde nicht kommentieren. „Den Einsatz der Profis kann man gut finden, muss man aber nicht. Es ist regelkonform, doch hier sollte der DHB seine Hausaufgaben machen“, hatte HSG-Teammanager Roland Dieckmann vor der Partie in der Tageszeitung Lübecker Nachrichten gefordert. Durch die neuerliche Kritik von Thomas Knorr, der als siebenter Spieler überhaupt die Marke von 500 Bundesligaspielen übertraf (insgesamt 501), dürfte die Debatte darum neue Nahrung erhalten.

Den Dresdnern dürfte das zumindest bis zum 6. Mai ziemlich egal sein. Da treffen sie in Hamburg auf Titelverteidiger TuS Spenge. Beide Finalisten haben sich mit dem Finaleinzug auch für die 1. Runde des DHB-Pokals – ohne den Zusatz „Amateure“ qualifiziert. „Ob wir da mit beiden Mannschaften überhaupt antreten dürfen, wissen wir gar nicht genau“, sagt Geschäftsführerin Cathleen Rupprecht. „Zu den Pokalmeisterschaftsspielen sind von jedem Verein mehrere Männer- bzw. Frauenmannschaften zugelassen“, heißt es dazu in der Spielordnung des DHB, mit der Einschränkung: „ ... sofern die Landesverbände und der DHB für ihren Bereich die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften pro Verein nicht begrenzt haben“.