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„Das ist in die Hose gegangen“

Neuer und die Bayern lecken Wunden. Die erste Saisonpleite nagt am sonst so unerschütterlichen Selbstvertrauen.

© dpa

Von Jörg Soldwisch und Thomas Wolfer

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Nachdem die DSC-Volleyballtalente der Altersklasse U18 bereits die Deutsche Meisterschaft gewinnen konnten, legte die U20 nach und holte den Deutschen Meistertitel.

Manuel Neuer tat die Vier-Tore-Abreibung auch am Wochenende noch richtig weh, Arjen Robben sprach von einem „Schock“, und Trainerfuchs Pep Guardiola schien sogar ein bisschen ratlos. Nach der kaum für möglich gehaltenen 1:4 (0:2)-Klatsche des FC Bayern zum Rückrundenstart beim Verfolger VfL Wolfsburg leckten die entzauberten Münchner kleinlaut ihre Wunden.

„Das ist in die Hose gegangen“, sagte Weltmeister Neuer über die auch in der Höhe verdiente erste Bundesliga-Niederlage seit 293 Tagen. „Das ist keine Katastrophe, wir haben alles noch selbst in der Hand. Aber wir müssen jetzt die Kurve kriegen“, erklärte der Bayern-Torwart, der die Niederlage nicht verhindern konnte. „Das war ein Weckruf“, sagte Robben und erkannte: „Wir müssen uns jetzt deutlich steigern.“

Während fast ganz Fußball-Deutschland wieder auf einen halbwegs spannenden Titelkampf hofft, will der Rekordmeister morgen im Heimspiel gegen Schalke 04 endlich aus dem Winterschlaf erwachen und die Machtverhältnisse geraderücken. „Gegen die haben wir in den letzten Jahren ja immer ganz gut ausgesehen“, sagte der Ex-Schalker Neuer.

Wenn die Bayern schon vergangene Erfolge bemühen, um Optimismus zu verbreiten, dann sind sie angeschlagen. Das schier unerschütterliche Selbstvertrauen, das „Mia san mia“, hat sichtlich gelitten, weil der erste Gegner, der die Partie gegen die bislang übermächtigen Münchner auch wirklich gewinnen wollte, fast schon leichtes Spiel hatte.

Mit hoher Lauf- und Zweikampfbereitschaft sowie schnörkellosem Konterfußball düpierten die Wolfsburger den Tabellenführer und schenkten ihm genauso viele Treffer ein wie die anderen Liga-Teams zuvor zusammen. „Da ist viel zu oft ein Wolfsburger völlig allein auf mich zugelaufen“, schimpfte Torhüter Neuer. Kapitän Bastian Schweinsteiger zeigte sich selbstkritisch: „Vielleicht hat jeder einen Schritt weniger gemacht.“ Und Robben erkannte: „Wir sind ins offene Messer gelaufen.“

Vier Gegentore in einer Partie, kaum Durchschlagskraft im Angriff, wenig Ideen im Mittelfeld, und wie schon bei der 0:4-Schmach in der Vorsaison gegen Real Madrid extrem anfällig bei Kontern. „So ein Spiel darf uns nicht noch mal passieren“, mahnte Weltmeister Jérôme Boateng.

Der Vorsprung auf die Wölfe beträgt zwar noch immer komfortable acht Punkte, doch ein Blick zurück auf Wolfsburgs Meistersaison 2008/09 lässt die VfL-Fans an ein zweites Wunder glauben. Damals betrug der Rückstand der Niedersachsen auf die Bayern nach dem 18. Spieltag ebenfalls acht Zähler, wegweisend für den Titel war ein 5:1-Triumph gegen München.

Die Parallelen von 2009 wollte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking aber nicht als Omen werten. „Kein Team wehrt sich, deutscher Meister zu werden, auch Wolfsburg nicht“, sagte Hecking. „Aber im Moment ist die Chance noch eher gering“, fügte er hinzu. Schweinsteiger macht sich schon mal so seine Gedanken. „Natürlich sind sie ein Rivale“, sagte er.

Am Sonnabend trainierten in München die Ersatzspieler. Gestern bat Trainer Guardiola wie gewöhnlich zu einer nicht öffentlichen Trainingseinheit. Grund für Unruhe oder Aktionismus gibt es an der Säbener Straße nicht. Auch Franz Beckenbauer erwartet vom FC Bayern jetzt keine anhaltende Schwächephase. „Es war ein kollektives Versagen. Das wird nicht mehr vorkommen“, erklärte der Ehrenpräsident der Bayern. „So schlecht werden die Bayern nicht alle Tage sein“, versicherte Beckenbauer.

Ein Ärgernis ist der Auftakt dennoch. „Man kann mal ein Spiel verlieren, aber das 1:4 ist natürlich schon ein kleiner Schock“, sagte Robben und erinnerte daran, dass die ganz wichtigen Partien erst noch kommen. „Wir wollen diese Saison viel erreichen, nicht nur in der Bundesliga“, sagte Robben.

Trotz der ungewohnten Demontage seines Star-Ensembles schien Trainer Guardiola fast schon ein wenig froh über die neue Spannung in der Meisterschaft zu sein. „Es ist schwer, wenn du immer gewinnst und gewinnst“, sagte der Spanier. „Die Zuschauer denken dann, es ist einfach. Die Spieler denken, es ist einfach, und der Trainer denkt, es ist einfach“, erklärte der Bayern-Trainer.

Das 1:4 von Wolfsburg war auch für Guardiola eine Premiere. Erstmals unterlag der Spanier mit den Münchnern in einem Ligaspiel, in dem sein Team noch nicht als deutscher Meister feststand. Überhaupt genießen Pleiten des Rekordchampions in der Bundesliga mittlerweile Seltenheitswert. Seit Mai 2012 verloren die Münchner lediglich vier Ligaspiele, zwei davon im Vorjahr in Augsburg und gegen Dortmund direkt nacheinander.

„Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen, und für die Zukunft ist das vielleicht gar nicht so schlecht“, fand Robben.Vielleicht hat Wolfsburg den Bayern mit der Abreibung am Ende sogar einen Gefallen getan. (sid mit dpa)

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