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„Das ist keine Böswilligkeit, sondern Langeweile“

Viele Strehlaer ärgern sich über Vandalismus in der Stadt. Sie kritisieren, dass sinnvolle Angebote für Jugendliche fehlen.

© Archiv/Sebastian Schultz

Von Eric Weser

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Strehla. Nachdem Jugendliche in Strehla den Osterbrunnen am Markt ramponiert haben, gab es Empörung. „Da gibt sich jemand Mühe, und dann kommen irgendwelche Vollidioten daher und machen es wieder zunichte“, kommentiert eine Nutzerin die SZ-Meldung bei Facebook mit drastischen Worten. Andere Leser äußern sich ähnlich und fordern, dass den Tätern reichlich Sozialstunden aufgebrummt werden. Vandalismus scheint sich in letzter Zeit in Strehla zu häufen. Tatsächlich registrierte die Polizei zuletzt einen sehr deutlichen Anstieg angezeigter Sachbeschädigungen in der Kleinstadt. Oft sind die Schäden für die Betroffenen extrem ärgerlich. Nicht in jedem Fall sind sie allerdings dramatisch. Aber immer sind sie unnötig. Etwa die Graffiti-Schmierereien an der Museumsfassade oder zerstörte Baumpfähle auf der Streuobstwiese des Schlosses.

Als Übeltäter stehen in Strehla vielfach Jugendliche im Verdacht. Teilweise, wie bei einem Einbruch ins Strehlaer Sportlerheim oder der Osterbrunnen-Beschädigung, wurden die Täter bei ihren Taten erwischt. In anderen Fällen bleibt es dagegen bei Mutmaßungen. – In der Stadtpolitik kommt das Thema immer wieder auf. Eine, die es im Stadtrat regelmäßig anspricht, ist Marianne Pfeil (FWG). Sie hat selbst schon angekokelte Klingelschilder und Hakenkreuz-Schmierereien an einem Haus ihrer Familie am Markt feststellen müssen. Eine Anzeige bei der Polizei blieb laut Pfeil ergebnislos. Die Stadträtin ist aber überzeugt, dass es Jugendliche waren. An ein politisches Motiv hinter den gekrakelten NS-Symbolen glaubt sie nicht. „Das ist keine Böswilligkeit, sondern Langeweile“, meint die ehemalige Apothekerin, die nach eigenen Angaben öfters beim Spazieren mit Jugendlichen spricht – und ihnen auch ins Gewissen redet, damit sie keinen Unfug machen.

Was Strehla fehlt, sei ein Treffpunkt mit sinnvollen Angebote für Jugendliche, ist in der Stadt immer wieder zu hören. Im Jugend- und Freizeitzentrum an der Leckwitzer Straße hatte es den bis vor einigen Jahren noch gegeben. Eine Mitarbeiterin vom Riesaer Verein Sprungbrett kümmerte sich darum. Doch der Jugendklub existiert nicht mehr. Auch, weil er kaum von den jungen Leuten angenommen wurde. Kritiker sehen darin vor allem eins bestätigt: Teenager lassen sich nicht gern vorgeben, wo und wie sie sich treffen sollen. Angesichts der jüngsten Sachbeschädigung wünscht sich Stadträtin Marianne Pfeil, dass solche Vorfälle in der Schule angesprochen werden. Laut Strehlas Oberschulleiterin Katrin Wilczek spielt zwar Prävention eine Rolle, dafür komme die Polizei einmal im Schuljahr in die Klassen. Auf aktuelle Geschehnisse gehe man im normalen Unterricht jedoch nicht ein. Die Schule sei auch nicht dafür da, Freizeitverhalten der Jugendlichen zu sanktionieren, unterstreicht Wilczek. Schüler würden erfahrungsgemäß auch nicht wollen, dass sich die Schule in ihre Freizeit einmische. Die Schulleiterin sieht darüber hinaus die Elternhäuser in der Verantwortung.

Verantwortung würde man in der Strehlaer Stadtpolitik gern die Jugendlichen selbst übernehmen lassen: Mit einem sogenannten Jugendstadtrat könne der Nachwuchs an öffentliche Belange heranführt werden, so der Vorschlag von CDU-Stadtrat Heinz Schmitt. Über die Schaffung eines Jugendstadtrats will Bürgermeister Jörg Jeromin (FWG) auch diskutieren, allerdings erst gegen Ende dieses Jahres.

Um weiteren Schäden durch womöglich gelangweilte oder übermütige Jugendliche vorzubeugen, wünscht man sich in Strehla bereits jetzt etwas mehr Polizeipräsenz. Doch beim zuständigen Riesaer Revier verweist man jedoch auf die begrenzten personellen Ressourcen. Revierleiter Hermann Braunger plädiert außerdem dafür, die Dinge im Verhältnis zu sehen. Was es in Strehla gebe, sei Kriminalität auf sehr niedriger Stufe. Kein Vergleich etwa zu jener kriminellen Teenager-Bande, die während der vergangenen Monate etwa in Zeithain und Umgebung mit zahlreichen Straftaten von Brandstiftungen bis Diebstählen von sich reden gemacht hatte. „Dazwischen und dem, was in Strehla passiert, liegen Welten.“