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„Das ist nicht mein Problem“

Der Ostritzer Hotelbesitzer Hans-Peter Fischer über seine Verbindung zur NPD und das geplante Neonazi-Fest.

© Karl-Heinz Köppner

Von Frank Seibel

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Ostritz. Seit einem Vierteljahrhundert ist Hans-Peter Fischer im Raum Görlitz als Unternehmer aktiv. Vor allem in den 1990er Jahren bis in die ersten 2000er Jahre hinein machte er mit seinem Hotel „Neißeblick“ immer wieder Schlagzeilen – durchaus positiv. So holte Hans-Peter Fischer seinen Namensvetter Gotthilf Fischer, den berühmten Chorleiter, ebenso an die Neiße wie die damals noch unbekannte Helene Fischer. Seit der Flut von 2010 ist es still geworden um das Hotel, und der Unternehmer hat nur noch gelegentlich den Weg aus seiner Heimat im südhessischen Biblis nach Ostritz gesucht.

Jetzt ist er wieder im Gespräch: als derjenige, der sein Hotel in Ostritz samt dem großen Außengelände vom 20. bis 22. April an bekennende Neonazis vermietet, die zu Hunderten ihr völkisches Festival „Schild und Schwert“ feiern wollen – just am Geburtstag von Adolf Hitler, den sie ebenso sehr verherrlichen wie sie Ausländer und Juden hassen.

Wie tickt der Mann, der keinen Hehl daraus macht, dass er politisch immer rechts von der Mitte unterwegs war; der einst Mitglied in der NPD war, später bei den Republikanern? Wir haben Hans-Peter Fischer in seiner Heimatstadt Biblis südlich von Frankfurt am Main besucht. Dort hat er eine Wählervereinigung gegründet und ist kommunalpolitisch einflussreich. Auf der Baustelle zu seinem dortigen Hotel lässt er sich auf ein Interview ein.

Herr Fischer, Sie leben in Biblis und haben ein Hotel 600 Kilometer weiter östlich. Welche Beziehung haben Sie zu Ostritz?

Gar keine. Ich komme aus Südhessen, das hört man ja auch. Aber nach der Wende hieß es, dass man sich am Aufbau im Osten beteiligen solle. Wir wollten dabei sein. Und da wir etwas Vermögen hatten, sagte unser Steuerberater: gebt’s dem Finanzamt oder investiert.

Und warum Ostritz?

Eigentlich wollten wir eine Immobilie in Dresden kaufen und sind zuerst dorthin gefahren. Aber das hat sich zerschlagen, und über ein paar Hinweise sind wir auf die ehemalige Textilfabrik an der Neiße gestoßen.

Sie sind aber ursprünglich kein Gastronom?

Nein, ich bin gelernter Maschinenschlosser. Aber dann habe ich zunächst als Handelsvertreter, dann als Verkaufsleiter für einen großen Markenhersteller gutes Geld verdient. Mitte der 1980er Jahre haben meine Frau und ich begonnen, in Immobilien zu investieren. Zunächst war das ein kleines Einkaufszentrum in Biblis.

Das heißt, Sie waren bald ein angesehener Unternehmer in Ihrer Heimat ...

Ja, damals war ja die Welt noch in Ordnung. Da gab es noch nicht diese Stigmatisierung wie heute ...

Was meinen Sie?

Naja, meine NPD-Mitgliedschaft in jungen Jahren. Die bekomme ich nun schon seit Jahrzehnten vorgehalten, aber damals war das noch nicht so schlimm. Ich hatte dort ja auch nur mit anständigen, rechtschaffenden Leuten zu tun; Ärzte und Anwälte. Da waren damals keine Spinner mit Springerstiefeln, die Völkisches Zeug oder Judenhass verbreitet hätten. Das gab’s damals in meinen Kreisen nicht.

Warum waren Sie in der NPD?

Die NPD war Anfang der 1970er Jahre die einzige Partei, die gegen die Ostverträge war, also die Anerkennung der DDR und der Oder-Neiße-Linie als Ostgrenze Deutschlands.

Die CDU war in den 1970er Jahren im Westen noch sehr konservativ ...

Aber damit haben sie sich arrangiert. Die NPD war die einzige Partei, die dagegen war, die ehemaligen Ostgebiete aufzugeben.

Warum war Ihnen das wichtig?

Meine Familie stammte aus Ostpreußen. Mein Vater hatte dort eine Straßenbaufirma und Grundstücke. Er hat immer von den Gräueln der Vertreibung erzählt. Das empfand und empfinde ich als Unrecht. Wir hätten einen Anspruch auf unser Erbe in Ostpreußen!

Wie lange waren Sie in der NPD?

Zehn Jahre etwa. Dann gab es Streit mit dem Landesvorstand in Hessen, und ich bin gegangen.

Aber Ihre Sympathie gilt immer noch der NPD?

Ich hab damit nichts zu tun! Es hängt mir nur seit Jahrzehnten nach ...

Aber die „Spinner“ mit Springerstiefeln, von denen Sie sprachen, die werden auf Ihrem Gelände in Ostritz feiern!

Ja, weil man mich dazu zwingt, an alle interessierten Gruppen zu vermieten. Zunächst gehe ich aber davon aus, dass keine Leute mit Springerstiefeln kommen werden.

Wer zwingt Sie wie?

Nach der Flut von 2010 hat mir niemand geholfen mit meinem Hotel! Alle sind zum Kloster gerannt, damals. Ich bin der einzige, der keine müde Mark bekommen hat.

Das wäre sehr ungewöhnlich, wenn das stimmen würde. Also haben Sie das Hotel im August 2010 schließen müssen?

Schließen nicht, aber wir haben den Betrieb sehr eingeschränkt. Seitdem haben wir nur noch wenige Zimmer. Das ist nicht wirtschaftlich.

Und bis dahin lief es gut?

Wir hatten 10000 Übernachtungen pro Jahr! Reisegruppen aus ganz Deutschland, auch aus Holland. Viele wollten ihre alte Heimat in Schlesien besuchen und haben bei uns Station gemacht. Wir haben auch komplette Pakete mit Ausflügen in die Region angeboten.

Und dann kam ausgerechnet die NPD, die zum Beispiel 2012 ihren Landesparteitag bei Ihnen durchgeführt hat. Warum? Weil Sie in der Szene immer noch bekannt waren als Sympathisant?

Ach was! Ich hatte mit der NPD schon lange nichts mehr zu tun. Und vor der Flut hatte ich Veranstaltungen verschiedenster Couleur. Die Linken haben sich hier versammelt, Katholiken, auch ein Motorradclub von Homosexuellen. Ich bin der toleranteste Mensch der Welt!

Und jetzt lassen Sie zu, dass Neonazis völkische Ideologie auf Ihrem Grundstück verbreiten?

Zunächst wusste ich doch gar nicht, wer da kommt. Mein Verwalter vor Ort sagte nur, da kommen junge Leute, die wollen drei Tage feiern, mit Musik und Sport. Dagegen hatte ich natürlich nichts. Erst über Medienberichte habe ich später erfahren, dass das für problematisch gehalten wird.

Und Sie lassen das dann einfach laufen?

Solange die nichts Verbotenes machen, warum soll ich etwas dagegen unternehmen?

Es sind Bands angekündigt, deren Lieder zum Teil auf dem Index stehen, weil sie rassistisch und judenfeindlich sind.

Das ist dann aber nicht mein Problem.

Im Grundgesetz steht: Eigentum verpflichtet. Sie haben also eine Verantwortung für das, was auf ihrem Grund und Boden passiert oder eben nicht.

Wem gegenüber sollte ich eine Verantwortung haben? Gegenüber dem Staat, dessen Behörden mich seit Jahrzehnten nur ärgern?

Oder ganz allgemein gegenüber der Gesellschaft, in der Sie leben. Und gegenüber deren Grundwerten.

Also, wenn die Leute etwas Verbotenes machen, gehe ich davon aus, dass der Staat das im Blick hat. Die Szene wird doch rund um die Uhr bewacht. Wenn verbotene Texte gesungen oder verbotene Symbole gezeigt werden, dann sollen Polizei und Staatsschutz eingreifen und das unterbinden. Ich muss doch aber als privater Unternehmer nicht die Aufgaben des Staates übernehmen!

Wenn sich dieses Wochenende für Sie lohnt – wird es weitere rechtsextreme Veranstaltungen geben?

Was heißt, es lohnt sich? Es kommt mal wieder ein bisschen Geld herein. Aber das Hotel rechnet sich dadurch ja noch nicht. Es sind in diesem Jahr aber schon zwei weitere Veranstaltungen angemeldet.

NPD-Funktionäre suchen bundesweit nach Immobilien, die sie kaufen können, um dauerhafte Veranstaltungsorte zu etablieren.

Ich bin gern bereit, das Areal abzugeben. Auch an die NPD.