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Das ist nur noch peinlich

Die Gemeinderäte wollen ihre Bürger von der Diskussion über die Zukunft der Kommune ausschließen – Jürgen Müller über die Pläne des Gemeinderates von Käbschütztal.

© Claudia Hübschmann

Dem Gemeinderat konnte es gar nicht schnell genug gehen. Gleich in der ersten Sitzung des Jahres müsse über die Zukunft der Gemeinde diskutiert werden, beschloss er im Dezember. Doch zu einer wirklichen Diskussion kam es nicht. Der eine machte Vorschläge, wie die Gemeinde erhalten werden kann, ein permanenter Bedenkenträger zerredete sie sogleich wieder. Jetzt will man erneut beraten. In der Februarsitzung und nicht öffentlich. Ein klarer Verstoß gegen die Gemeindeordnung. Wenn die Zukunft einer Gemeinde nicht von größtem Interesse für die Öffentlichkeit ist, was dann?

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Die Entscheidung hat aber auch etwas Gutes. Denn was da im Käbschütztaler Gemeinderat abgeht, ist nur noch peinlich. Vor allem ein stets übelgelaunter Gemeinderat hat scheinbar nur noch ein Ziel – den Bürgermeister bloß zu stellen und irgendwie loszuwerden. Der erträgt das mit frappierender Gelassenheit. Längst hat sich bei Außenstehenden der Eindruck verfestigt, dass es nicht um das Wohl der Gemeinde, sondern um persönliche Befindlichkeiten geht.

Im Gemeinderat sollte man sich endlich zusammenraufen und von der naiven Wunschvorstellung trennen, andere würden ihre Probleme lösen. Weder Meißen noch Nossen haben etwas zu verschenken. Warum sollten sie sich ohne Not die Probleme anderer aufladen? Nein, Käbschütztal muss sich selbst helfen. Vielleicht hilft ein Blick ins benachbarte Lommatzsch. Dort hat man den Zoff im Stadtrat längst beigelegt, arbeitet jetzt konstruktiv zusammen. Aus eigener Kraft hat Lommatzsch seine immensen Schulden abgebaut, dabei auch unpopuläre Entscheidungen wie die Schließung des Freibades nicht gescheut. Stadtrat und Verwaltung haben dort ihre Pflicht erfüllt. Und diese Pflicht heißt nicht Selbstaufgabe, heißt nicht Drücken vor der Verantwortung, heißt nicht Abwälzen der Probleme auf andere. Das sollte man in Käbschütztal endlich begreifen.

E-Mail an Jürgen Müller