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Das ist Sachsens beliebteste Herberge

Noch nie kamen mehr Gäste, nie waren sie zufriedener. Dennoch bleibt viel zu tun.

© Robert Michael

Von Michael Rothe

Die Örtlichkeit war nur auf den ersten Blick eine Fehlbesetzung. Tatsächlich passt die Dresdner Herkuleskeule perfekt, um neben Stars auch ein Tourismusbarometer zu präsentieren. Schließlich hießen Kabarett-Programme dort schon „Grand Brie“, „Wir Blauen Wunderkinder“ und „Ballast-Revue“ – alle passend zum Thema.

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Als Wunderkinder dürften sich Susann Zimmer und ihre beiden Mitarbeiter am Donnerstag gefühlt haben. Ihr kleines aber feines Hapimag Resort in Dresden ist überraschend Sachsens „Gästeliebling 2017“. Das ergab die Auswertung von mehr als 250 Onlineportalen durch das Monitoringsystem TrustYou. Demnach erreichte das Trio 97 von 100 möglichen Punkten und verwies das Relaxhotel Sachsenbaude in Oberwiesental und das Hotel Vogtland in Bad Elster auf die Plätze. „Wir sind wahnsinnig stolz“, sagt Chefin Zimmer und liefert eine Erklärung nach: „Unser kleines Team bietet eine sehr persönliche Betreuung an – und wir beantworten jede Onlinebewertung“, sagt die 38-Jährige. Auch das sorgt für 100 Prozent Weiterempfehlung und mit 78 Prozent Jahresauslastung für eine Quote, von der andere träumen.

Am Wettbewerb nehmen automatisch alle Betriebe mit mindestens 70 Onlinebewertungen teil. 2017 hatten das 543 von insgesamt 2 036 online erfassten Hotels und Pensionen in Sachsen geschafft.

Hapimag ist ein Anbieter von Ferienwohnrechten mit Sitz in der Schweiz. Die Aktiengesellschaft mit 130 000 Teilhabern verfügt über 58 Resorts in 16 Ländern Europas, Nordafrikas und den USA – wie die 38 Appartements an der Frauenkirche oft in Toplage. Den Eingang dort schmückt neben der Schweizer Fahne auch das Hapimag-Logo mit der stilisierten Wolke.

Auf einer Wolke schwebt derzeit die gesamte Tourismusbranche in Sachsen. Im ersten Halbjahr 2017 stieg die Zahl der Übernachtungen um 3,7 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahreszeit. Dies geht aus dem jüngsten Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes hervor. Jene Analyse glich in der Vergangenheit einem „Vorzurückzurseiteran“, mit dem die Herkuleskeule auch schon ihr Publikum verzückte. Zuletzt gab es zwei Jahre lang eine Stagnation.

Quantität durch Qualität

Derzeit erlebe Sachsen eine stabile Nachfrage von Gästen aus Deutschland, heißt es, und noch dynamischer zeige sich die Nachfrage aus dem Ausland. Mit einem Übernachtungsplus von 3,7 Prozent liege Sachsen über dem Bundesmittel und im Länderranking an sechster Stelle. Erstmals verzeichneten alle neun Tourismusregionen Nachfragezuwächse, besonders das Vogtland sowie Chemnitz und Leipzig.

Auch die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen haben sich laut Barometer verbessert. Das vergrößere den unternehmerischen Handlungsspielraum und ermögliche es den Betrieben, in Qualität zu investieren. Einzig die Freizeitwirtschaft (u. a. Burgen, Schlösser, Erlebniseinrichtungen) verzeichnet ein leichtes Minus.

„Ein ‚Immer mehr an Gästen‘ kann nicht überall die Lösung sein“, sagt Michael Ermrich, Präsident des OSV. „Wir müssen uns stärker darauf besinnen, die Wertschöpfung durch den Tourismus zu steigern und Gäste mit Kundennähe und Qualität zu überzeugen.“ Auszeichnungen wie der „Gästeliebling“ des Landestourismusverbandes (LTV) zeigten den richtigen Weg.

LTV-Verbandsdirektor Manfred Böhme ist „hochzufrieden“ mit der Bewertung. Die sei aber eine Momentaufnahme. „Jetzt wird kurz geklatscht und gefeiert – und ab morgen wieder angestrengt gearbeitet“, so Böhme. Trotz der guten Ergebnisse bleibe viel zu tun – gerade in Sachen Qualität. Denn am Ende gibt’s von den Analysten in der „Keule“ verbal doch mit der Keule – getreu dem „Das hat uns gerade noch gequält“: Die Zahl der Betriebe, die sich zertifizieren und nach Sternen klassifizieren lassen, stagniert, und liegt weit hinter den Zahlen anderer Länder. Dabei vertrauen drei Viertel der Gäste offiziellen Siegeln – mehr noch als Internetbewertungen. Im Wettbewerb um Gäste wird Qualität zur Voraussetzung für den Erfolg von Betrieben und Reisezielen, resümiert das Barometer. Qualität muss aus Gästesicht definiert werden, heißt es – ohne Witz. Eine Vokabel im Bericht wäre reif fürs Kabarett: Destinationsmanagementorganisationen.