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Das jähe Ende der glänzenden Militärkarriere von General Schneiderhan

Für viele ist der Offizier nur ein Bauernopfer in der Ministeriums-Affäre.

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Von Kristina Dunz, Berlin

Die Szene mit dem Strick ist erst zwei Wochen alt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steigt bei seinem Besuch im nordafghanischen Kundus mit Soldaten in einen Panzer. Ein dickes Seil hängt im Weg. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan hält es mit seinem rechten Arm hoch über dem Kopf zur Seite, damit sein Minister das Innere des schweren Geräts ungestört besichtigen kann. Schneiderhan sagt zu Journalisten: „Hoffentlich hat der Strick nicht noch symbolische Bedeutung in meiner verbleibenden Amtszeit.“

Gestern entließ Guttenberg den 63-jährigen Vier-Sterne-General sieben Monate vor seinem regulären Ausscheiden. Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour spricht aus, was viele denken: Schneiderhan ist ein „Bauernopfer“ – wenngleich diese Bezeichnung seiner Lebensleistung nicht gerecht werde.

Sein jähes Dienstende dürfte für Schneiderhan und viele Offiziere und Soldaten bitter sein. Der gelernte Panzeroffizier hat ein glänzendes Ansehen in der Bundeswehr, er gilt als nahbar und seine 43-jährige Karriere als beispiellos und beispielgebend. Über ihn heißt es, dass er trotz aller goldenen Sterne auf seiner Schulterklappe Kamerad geblieben sei.

Mit Franz Josef Jung (CDU) als Verteidigungsminister von 2005 bis Ende Oktober 2009 wurden allerdings Schwierigkeiten sichtbar. Schuld daran sei weniger Jung als vielmehr sein Berater-Umfeld gewesen, hieß es stets. Nach außen zeigte sich Schneiderhan loyal zu Jung, was dieser öffentlich würdigte und überraschend die Amtszeit des Generalinspekteurs bis Mitte 2010 verlängerte. Dabei hätte er schon 2008 mit 62 Jahren regulär in den Ruhestand gehen können.

Schneiderhan machte nicht öffentlich, dass die politische Spitze des Verteidigungsministeriums seinen militärischen Rat direkt nach dem Luftangriff nicht abgefragt hatte. So heißt es in seinem Umfeld. Nach dpa-Informationen hatte Schneiderhan bereits einen Bericht des betroffenen Obersts – als Jung noch erklärte, seines Wissens seien bei dem Angriff ausschließlich Taliban getötet worden. Am 18. September hatte er öffentlich zu der von der Nato eingesetzten Untersuchung gesagt: „Wir müssen uns aber auch darauf einstellen, dass dabei Einzelheiten festgestellt werden, die von uns weitere Antworten verlangen.“

Als eine seiner Tugenden wurde immer wieder Geradlinigkeit genannt. Dass er selbst aktiv die Informationen über die zivilen Opfer unterschlagen haben soll, wirkt irritierend. (dpa)