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Das kleinste Fahrradmuseum am Elbradweg

Stefan Bahlmann zeigt in Paußnitz eine ungewöhnliche Ausstellung. Ein Besuch.

© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Strehla. Am Anfang war ein Diebstahl: Als Stefan Bahlmann vor zehn Jahren nach Riesa zieht, wird ihm sein damaliges Fahrrad aus seinem Keller geklaut. Auf der Suche nach Ersatz entdeckt er einige Zeit später auf der Internetplattform Ebay ein intaktes Diamant-Rennrad Baujahr 1987. Das blau schimmernde Gefährt weckt nostalgische Gefühle, und er denkt sich: „Das musst du unbedingt haben.“ Für Stefan Bahlmann ist es der Beginn einer neuen Leidenschaft, die beim Besuch eines Diamant-Fahrrad-Treffens endgültig geweckt wird. Dort lässt er sich nicht nur seine Rennmaschine von Friedensfahrt-Legende Gustav-Adolf „Täve“ Schur signieren, sondern sich selbst voll in den Bann der alten Räder ziehen.

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Das 87er Diamant, diverse Täve-Schur-Autogramme und noch viel mehr historische Fahrräder und Zubehör hat der heute 36-Jährige seither gesammelt. Und wäre da nicht seine Frau, wären es dreimal so viele Stücke, sagt er und lacht.

Wer sich die Sammlung ansehen will, muss dafür in den Strehlaer Ortsteil Paußnitz fahren. Dort hat Stefan Bahlmann das kleinste Fahrradmuseum am Elberadweg eingerichtet, wie er selbst sagt. Im Untergeschoss des Familien-Wohnhauses stehen auf wenige Quadratmeter gedrängt mehrere Jahrzehnte Rad-Geschichte. „Mit den Rennrädern hat es angefangen.“ Stolz ist der Sammler auf ein altes Diamant – einst der erste Rennrad-Typ, der auf den Befehl der Sowjetischen Militäradministration Nummer 167 nach dem Krieg in der DDR gefertigt wurde.

Das älteste Rad in der kleinen Ausstellung aber ist eins aus dem Jahr 1924 – natürlich auch ein Diamant. Auf die alten Räder ist er besonders stolz. Eins davon, Baujahr 1935, soll sogar die alliierten Bombenangriffe auf die Rhein-Metropole Köln während des Zweiten Weltkriegs erlebt haben. Sein damaliger Besitzer soll es aus den Trümmern gezogen und damit ins norddeutsche Flensburg gefahren sein, wo es einschlummerte – nun steht es in Sachsen.

Eine bewegte Geschichte sei kein Muss, damit ein Rad in die Sammlung aufgenommen wird. „Aber es ist cool, wenn die Räder eine haben“, sagt Stefan Bahlmann, der auch öfters auf Trödelmärkten unterwegs ist und von sich sagt, er habe „ein Faible für altes Zeug, für ‚gelebte‘ Dinge.“

Stefan Bahlmann eigene Geschichte beginnt in Grimma, wo er herstammt. Seit vielen Jahren ist der Familienvater bei der Landestalsperrenmeisterei beschäftigt. War schon an der Talsperre Malter eingesetzt und in der Dresdner Flussmeisterei. Seit einigen Jahren arbeitet er in der Flussmeisterei Riesa. Dorthin sei er lange mit dem Rad unterwegs gewesen, obwohl er eher ein Hobby-Radler als ein Vereins- oder Fitnessfahrer sei.

Inzwischen fahre er aber weniger Rad als Auto. Die Suche nach einem passenden Wohnhaus haben Stefan Bahlmann und seine Familie vor fast einem Jahr nach Paußnitz verschlagen. In dem Strehlaer Ortsteil fühle er sich gut aufgenommen, erzählt der Neu-Paußnitzer, der künftig bei der Feuerwehr mitmischen will. Für mehrere Leute aus dem Ort habe er schon alte Fahrräder aufgemöbelt. Denn Bahlmann ist nicht nur Sammler, sondern restauriert auch alte Räder. Das hat sich bereits rumgesprochen, auch aus dem Umland kommt mancher extra deshalb zu ihm.

Als Experte für Rad-Oldtimer sieht er sich selbst aber nicht, betont Stefan Bahlmann. „Ich lerne immer noch dazu.“ Vieles, was er über die alte Räder wisse, stamme aus Büchern oder Gesprächen.

Erzählt bekommen hat er auch, dass einer seiner Vorfahren in den 1920ern als Fahrrad-Hersteller gearbeitet hat. „Mein Urgroßvater hatte in Grimma einen Nähmaschinen- und Fahrradladen.“ Aus Einzelteilen habe der Räder gebaut und den Steuerkopf mit seinem Namens-Emblem versehen: „Markoff“.

Ein Emblem und ein Markoff-Rad hat Stefan Bahlmann auch in Paußnitz, die Suche nach weiteren Exemplaren sei bisher aber erfolglos verlaufen. Bisher unerfüllt geblieben ist auch der Traum eines Diamant-Rennrades aus der Vorkriegszeit. „Die sind aber kaum zu bekommen“, weiß Bahlmann. – Sehenswert ist das kleine Radmuseum in Paußnitz aber auch so. Stefan Bahlmann hat sich bereits mit dem Strehlaer Fremdenverkehrsverein verständigt, damit der die Schau auf seinen Info-Tafeln bewirbt und auch Radler vom Elberadweg anlockt. Eintritt wolle er nicht nehmen, sagt der Rad-Freund. „Es geht um den Spaß.“ An alten Rädern interessierte Leute kennenlernen, Kontakte knüpfen.

Wer die Ausstellung sehen möchte, solle aber am besten vorher Bescheid sagen, denn im Haus Bahlmann ist nicht immer jemand da. Mal abgesehen von der Alarmanlage. Die hat der Hausherr vorsichtshalber installiert, immerhin sind die alten Räder durchaus wertvoll. Und ein Diebstahl am Anfang der Geschichte reicht schließlich auch.

Das Fahrradmuseum in Paußnitz ist erreichbar unter 0162 9864030. Interessenten werden gebeten, sich spätestens ein bis zwei Tage vor einem Besuch bei Stefan Bahlmann anzumelden.