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Das Kreuz mit dem Kreuz

Viele Menschen leiden unter Rückenschmerzen. Beim Gesundheitsforum der SZ in Bautzen gaben zwei Experten Auskunft.

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© dpa

Von Carmen Schumann

Bautzen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in den westlichen Industriestaaten waren schon wegen Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung – eine beeindruckende Zahl. Dass „Rücken“ eine Volkskrankheit ist, zeigte sich auch daran, dass beim SZ-Gesundheitsforum zu diesem Thema der Konferenzraum im Bautzener Krankenhaus restlos gefüllt war.

Die Problematik ist aber auch ein sehr weites Feld, das Oberarzt Dr. Torsten Eckert und Orthopäde Dieter Gamerdinger in zwei Stunden gar nicht allumfassend beackern konnten. Trotzdem schütteten die beiden Experten eine Fülle von Fakten über die sehr interessiert Zuhörenden aus. Wie Dieter Gamerdinger sagte, stünden den Medizinern heute vielfältige technische Möglichkeiten zur Verfügung, den Rückenschmerz zu untersuchen und zu behandeln. Trotzdem, so räumte er ein: „Es gibt keinen Test oder keine technischen Untersuchungsgeräte, die Rückenschmerzen eindeutig belegen oder ausschließen können!“ Denn es gibt spezifische und unspezifische Kreuzschmerzen.

Patienten müssen selbst aktiv werden

Gerade bei Letzteren wirkten oft auch psychische Risikofaktoren ein. Deshalb sollte sich jeder behandelnde Arzt umfassend über die Lebensumstände des Patienten informieren. Längerfristig helfe nur die aktive Bewegungstherapie. Massagen seien schön und gut, aber besser sei es, wenn der Patient selbst aktiv werde. Bei dem nichtspezifischen Rückenschmerz sei auch die Erwartungshaltung des Patienten wichtig, letztlich spiele sich vieles in seinem Kopf ab. Positive Erwartungen führten auch zu einem positiven Ergebnis. Unterstützend könne auch eine psychologisch orientierte Verhaltenstherapie wirken.

Der spezifische Rückenschmerz kann verschiedene Ursachen haben, wie Tumore, Infektionen oder erbliche Vorbelastung. Bei seinem Vortrag beschränkte sich Oberarzt Dr. Torsten Eckert jedoch auf die Ursache Osteoporose, um ausführlicher auf die diesbezüglichen operativen Behandlungsmethoden eingehen zu können. Ein Viertel aller Menschen über 50 sei von Osteoporose, also von allmählich immer poröser werdenden Knochen betroffen. Deshalb führten Stürze im höheren Lebensalter auch häufiger zu Knochenbrüchen. Wichtig sei deshalb zur Vorbeugung eine ausreichende Kalzium-Zufuhr und vor allem Vitamin D.

Zwei Operationsmethoden vorgestellt

Dr. Torsten Eckert schilderte zwei Operationsmethoden. Das ist zum einen die Kyphoplastie und zum anderen die Spondylodese. Außerdem gibt es noch die Möglichkeiten, beide Methoden miteinander zu verknüpfen. Bei der Kyphoplastie wird ein Ballon in den defekten Wirbelkörper eingeführt, der mit Zement ausgefüllt wird. Bei erheblichen Deformierungen des Wirbelkörpers greifen die Operateure zur Methode der Spondylodese. Mittels eines Schrauben-Stabsystems wird die Wirbelsäule versteift, was allerdings zu einer Einschränkung der Beweglichkeit führen kann. Die Eingriffe erfolgen minimalinvasiv, also mit nur kleinsten Schnitten.