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Das lange Warten auf den Straßenbau

In die Sanierung des Seebschützer Weges kommt Bewegung. Doch ob und wann gebaut wird, ist völlig unklar.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Zehren. Eigentlich könnte sich Jürgen Birnstein freuen. Seit Jahren kämpft der 77-jährige Zehrener darum, dass der Seebschützer Weg – eine Kreisstraße – saniert wird. Das ist auch bitter notwendig. Denn seit drei Jahren ist diese Verbindungsstraße, die auch als Ausweichmöglichkeit bei Hochwasser genutzt wird, nur noch in einer Richtung befahrbar. Die Böschung am Grutschenbach ist abgerutscht. So ist aus Sicherheitsgründen nur eine Spur befahrbar. Doch statt eine Ampel einzurichten, machte der Landkreis den Seebschützer Weg zur Einbahnstraße. Mit der Folge, dass die Anwohner große Umwege fahren müssen. Offenbar ist die Kreisstraße für den Landkreis zu unbedeutend. Eine Verkehrszählung ergab, dass in 24 Stunden dort nur 228 Autos entlangfahren.

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Doch Jürgen Birnstein gab nicht auf. Er schrieb eine Petition an den Landkreis. Nun kommt langsam Bewegung in die Sache, geht es an die Planung. Diese wurde jetzt in der Gemeinderatssitzung vorgestellt. Auch Jürgen Birnstein war zur Sitzung gekommen. Und gespannt, was er zu hören bekommt.

Die Schulz & Rank Ingenieurgesellschaft aus Chemnitz hat fünf Varianten untersucht, zwei kamen in die engere Wahl, wie Andreas Richter, einer der drei Geschäftsführer, sagte. Nicht mehr aktuell ist hingegen der Bau einer sogenannten Notstützwand. Dieser Vorschlag wurde bereits 2013 gemacht. „Es war die damals favorisierte Variante, es gab aber keinen Beschluss des Kreistages dazu“, so Petra Otto, Sachgebietsleiterin beim Kreisstraßenbauamt.

Man habe sich jetzt für Varianten entschieden, die auch einer Weiterführung des Gehweges von der Kindertagesstätte zum Bauhof zuließen, so Richter. Damit war der Bau einer Gabionenwand - das sind mit Steinen gefüllte Stahlkäfige - ebenso vom Tisch wie Varianten, die zu sehr in den Berg eingreifen. Um die Kreisstraße auf einer Länge von 340 Metern zu sanieren, soll jetzt entweder eine Stützwand gebaut oder der Grutschenbach umverlegt werden. Die erste Variante würde rund 1,5 Millionen Euro kosten, die Bachumverlegung etwa eine Million Euro. Abzüglich der Fördermittel müsste die Gemeinde nach derzeitigen Berechnungen für die Stützwand 45 000 Euro an Eigenmitteln zahlen, bei der Bachumverlegung kämen 43 000 Euro an Kosten auf die Gemeinde zu. Die Tendenz geht dennoch zu der etwas teureren Variante. Würde der Bach umverlegt, wäre das Genehmigungsverfahren länger und die Risiken höher, so Andreas Richter. Zudem würde eine landwirtschaftliche Fläche zerschnitten. Um beide Teile der Fläche mit Technik befahren zu können, müsse eine Furt angelegt werden. Zudem verringere der anzulegende Gewässerrandstreifen die Nutzfläche, erklärte der Planer. Allerdings käme es bei dieser Variante zu weniger Verkehrsbehinderungen, weil man auf dem Feld arbeiten könne.

Die Idee, den Grutschenbach zu verlegen, habe es schon seit den 1970er Jahren gegeben, sagte Gemeinderat Wolfgang Schneider (CDU). Die Anwohnerin und Gemeinderätin Ute Böhme (Wählervereinigung „Zukunft Diera-Zehren“) ist dennoch für den Bau einer Stützwand. Und das nicht nur, weil dies schneller ginge. Sie sieht große Risiken bei einer Bachumverlegung, dass dadurch Grundstücke bei Starkniederschlägen überschwemmt werden könnten. Schneider widerspricht: „Bei dem Bau einer Stützwand bleiben die jetzt schon vorhandenen Probleme bei Hochwasser, bei einer Bachumverlegung könnte es besser werden.“ In beiden Fällen würden eine 5,50 Meter breite Fahrbahn und ein Gehweg entstehen. Und bei beiden Varianten wird in ein Schutzgebiet eingegriffen, was eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig macht und den Planungszeitraum verlängert. Beide Bauwerke sollen eine Haltbarkeit von 80 Jahren haben. Und beide würden so konstruiert, dass sie einem Hochwasser, das statistisch alle 100 Jahre vorkommt, standhalten würden, so Planer Richter.

Was die Anwohner und Gemeinderäte aber am meisten interessiert, ist, wann denn die Straße gebaut wird. Petra Otto ließ sich nicht zu einer konkreten Aussage hinreißen: „Das kann man nicht einschätzen, es hängt vor allem von den Fördermitteln ab, ob und wann diese bewilligt werden. Wir bauen in jedem Fall nur, wenn es Förderung gibt“, sagte die Sachgebietsleiterin. Zudem müsse das Geld, das der Landkreis bezahlen müsse – je nach Variante sind das zwischen 160 000 und 170 000 Euro – erst mal in den Haushalt eingeplant werden. Für 2017/18 seien nur die Planungskosten eingestellt. Die Baukosten könnten also erst in den Doppelhaushalt 2019/2020 eingeplant werden. Mit anderen Worten. Vor 2020 wird in keinem Fall gebaut werden. Zwei Jahre Planung seien mindestens notwendig, und das sei sogar wenig, so Petra Otto. Beim Straßenbau seien zehn Jahre Planungszeit normal. Hinzu käme, dass im Landkreis jetzt erst die letzten Hochwassermaßnahmen fertig seien. Dadurch sei der „normale“ Straßenbau liegengeblieben.

Der Gemeinderat von Diera-Zehren will sich in der Oktobersitzung für eine der beiden Varianten entscheiden. Bis dahin muss auch geklärt sein, ob die Gemeinde ihren Eigenanteil zahlen kann. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Baukosten auf heutiger Basis berechnet wurden. Sie werden sich mit Sicherheit in vier, fünf Jahren erhöht haben. Außerdem sind Kosten wie Grundstückserwerb und Vermessung, die bei einer Bachumverlegung anfielen, noch gar nicht berücksichtigt.

Anwohner Jürgen Birnstein verlässt desillusioniert die Sitzung: „Ich bin enttäuscht. Zwei Jahre hat sich überhaupt nichts getan. Dass jetzt erst 2020 oder 2021 gebaut werden soll, kann ich nicht verstehen“, sagt der 77-Jährige.