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Das lange Warten auf die Tonne

Der riesige Ansturm auf die Biotonne hat den Zweckverband überrascht. Das sorgt bei einigen Bürgern für Verdruss.

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© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson und Antje Steglich

Im Garten muss das Herbstlaub zusammengerecht, störende Triebe an Bäumen und Sträuchern entfernt und die letzten Beete eingeebnet werden. Doch wohin mit dem Grünschnitt, fragt sich Annett Heßler aus Bobersen. Schon Mitte August hat sie beim Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal eine 120-Liter-Biotonne für sich und ihre Eltern bestellt. Doch seitdem wird die 43-Jährige immer wieder vertröstet. Zuletzt hieß es wohl am Telefon, dass die Braune Tonne bis spätestens Ende Oktober auf dem Hof steht. Doch der Hof blieb leer – und Annett Heßler ist langsam richtig verärgert. „Im Winter brauche ich sie schließlich nicht mehr“, schimpft die junge Frau.

Der Zweckverband bittet seine Kunden indes um Geduld. Denn der Ansturm auf die neue Tonne sei riesig. Noch Ende August wurde das Angebot in großen Teilen der Landkreise Meißen und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge von weniger als 15 bis 20 Prozent der Einwohner genutzt. Innerhalb von lediglich zwei Monaten hat sich die Zahl zwischen Strehla und Schöna auf mindestens 30 Prozent erhöht. „Von fast 27 000 Behältern hat sich die Zahl seit 17. August auf rund 52 000 fast verdoppelt“, sagt der Geschäftsführer des ZAOE Raimund Otteni.

Ausgelöst wurde dieser rasante Zuwachs durch die Information des Verbandes, die Biotonnen bis mindestens 2021 gebührenfrei zu leeren. Möglich wird diese Aktion, da der Verband sparsam gewirtschaftet hat, heißt es. Lediglich eine nach Größe gestaffelte Miete von 2,72 Euro, 4,20 Euro oder 8,40 Euro ist jährlich zu entrichten. Zur Wahl stehen dafür Behälter in den Größen von 60 Litern, 120 Litern und 240 Litern, die ab diesem Herbst das ganze Jahr über wöchentlich geleert werden.

Im Gegenzug fällt 2017 die kostenfreie Grünschnittannahme weg. Ausgenommen sind lediglich die Weihnachtsbäume, die wie bisher nach dem Fest abgeholt oder den gesamten Januar kostenfrei an den Wertstoffhöfen angenommen werden.

Durchschnittlich 600 bis 800 Bestellungen täglich nahmen die Mitarbeiter in der Radebeuler Verbandszentrale zurzeit entgegen. Über eine Zeitarbeitsfirma wurden zwischenzeitlich vier zusätzliche Mitarbeiter zu Hilfe geholt. Die Entsorger in den Regionen bestellen laufend neue Tonnen, doch die Hersteller haben solche großen Mengen gar nicht vorrätig. Daher entsteht dort der nächste Engpass, so der Zweckverband. Trotzdem würden täglich weitere Tonnen an die Kunden ausgeliefert, die Behälter mit dem eingearbeiteten Chip im System des Entsorgers erfasst und in die Tour der Müllabfuhr eingetaktet. Bis Ende des Jahres solle dieser komplexe Prozess abgeschlossen sein. Der Zweckverbandschef bittet die neuen Kunden deshalb um Nachsicht. „Wer heute online etwas ordert, erwartet oft, das Bestellte bereits am nächsten oder spätestens übernächsten Tage geliefert zu bekommen“, sagt Raimund Otteni. Das funktioniere bei der Biotonne leider nicht.

Im Vergleich zu den Anlaufschwierigkeiten bei der Biotonne fallen die Beschwerden zur wegfallenden mobilen Grünschnittannahme dem Verband zufolge vergleichsweise gering aus, heißt es. In Orten, wo die Sammlung bereits durch sei, müssten die Leute nun zum nächsten Wertstoffhof fahren, sagt Raimund Otteni. Das sei aber in den vergangenen Jahren nicht anders gewesen. Die Gebühr für Kleinmengen von bis zu einem Kubikmeter liegt dort bei 3 Euro. Alles, was darüber liegt, wird gewogen und kostet 20 Euro pro Tonne.

Annett Heßler und ihren Nachbarn in Bobersen kann das zum Glück mittlerweile egal sein. „Gestern früh ist die Tonne gekommen, das ist eine Freude.“ Laut Zweckverband sollten jetzt auch alle weiteren Neukunden in der Gemeinde Zeithain beliefert worden sein.