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Das langsame Garten-Sterben

Die Kahlbusch-Gärtner waren auf alles gefasst. Nicht aber darauf, dass die Stadt ihre Entscheidung zum Schulstandort verschiebt.

© Archiv/SZ

Von Heike Sabel

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Dorothee Oberlinger zeigt mit Liebe und Leidenschaft, wie wandlungsfähig die unscheinbare Blockflöte ist. 

Dohna. Der Schreck saß tief, damals im Frühjahr. Da wurde bekannt, dass die Stadt Dohna einen Teil der Kahlbusch-Gartenanlage als Standort für eine neue Grundschule favorisiert. Begeistert war keiner der etwa 40 betroffenen Gärtner, aber irgendwie machten sie sich mit dem Gedanken vertraut, ihre Gärten aufgeben zu müssen. Schon wurde erklärt, wie das mit den Entschädigungen und Alternativen aussieht.

Nun fiel vergangene Woche die Entscheidung. Aber eine andere, als die Gärtner erwarteten. Der Stadtrat verfolgt erst einmal zwei Standorte für den Bau einer Grundschule. Das kann natürlich auch bedeuten, sie wird am Ende woanders gebaut, nämlich am Rand des neuen Gewerbegebietes. Doch so richtig können sich die Gärtner darüber nicht freuen. „Weil wir wieder warten müssen“, sagt Spartenvorsitzender Detlef Angerstein.

Der Zeitplan der Stadt ist großzügig. Erst einmal muss der Flächennutzungsplan beschlossen werden, mit beiden Optionen. Das ist für Frühjahr 2018 vorgesehen. Dann muss der Plan noch genehmigt werden. Damit rechnet die Stadt im Herbst 2018. Nächster Schritt ist ein Bebauungsplan. Parallel dazu sollen schon Fördermittel beantragt werden. Einen Bescheid dazu erwartet die Stadt nicht vor Ende 2019. Das könnte aber auch länger dauern, siehe Anbau an die Schule. Da hatte Dohna mehrere Jahre gekämpft, ebenso wie Heidenau beim Anbau ans Gymnasium. Gekündigt kann den Gärtnern jeweils im Februar zu Ende November des laufenden Jahres.

Die Gärtner hängen nun also in der Luft. Das hatten sie auch Hans-Jörg Fischer gesagt. Der Fraktionschef der Freien Wähler war eingeladen worden, konnte ihnen da aber auch noch nichts Konkretes sagen. Die Gärtner aber sagten ihm, sie wollen eine schnelle Entscheidung und Klarheit. Nun ist es anders gekommen. Welche Konsequenzen das noch hat, ist nicht absehbar.

Stillstand ist das Schlimmste

Derzeit stehen etwa zehn bis 15 Gärten leer. Es sind in den vergangenen Wochen und Monaten mehr geworden, sagt Kleingartenchef Detlef Angerstein. Das Schlimmste ist der Stillstand, der jetzt eintritt. Keiner wird mehr in seinen Garten investieren, leere Gärten können nicht wieder vergeben werden, die Stimmung ist wie auf einem sinkenden Schiff.

Bürgermeister Ralf Müller (CDU) räumt ein, dass die Situation für die Gärtner ungünstig ist. Es sei so aber ehrlicher. Ehrlich hat er auch den Freien Wählern gesagt, dass ihre Forderung, die Schule nur bei 100-prozentiger Förderung zu bauen, unrealistisch ist. „Das gab‘s noch nie.“