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Das Leben wieder gefunden

Cryotec. Die Ex-Geiseln sind auf dem Weg zurück zur Normalität.

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Von Marion van der Kraats,Leipzig

Unsicher lächelnd stehen Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke in der Menge. Elf Wochen nach ihrer Freilassung aus der Geiselhaft im Irak ist es das erste Mal, dass sie sich einer so großen Öffentlichkeit stellen. Viele Hände sind zu schütteln an diesem Abend. Das Sommerfest ist das Dankeschön ihres Arbeitgebers Cryotec in Bennewitz bei Leipzig an die Menschen, die während der 99-tägigen Geiselhaft den Familien und dem Unternehmen beigestanden haben.

Beim Dankgottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche unmittelbar nach ihrer Heimkehr hatten Bräunlich und Nitzschke noch nicht die Kraft, sich persönlich für die Solidarität zu bedanken. Nun gehen sie gemeinsam ans Mikrofon. „Die schwere Zeit belastet uns nicht mehr so sehr“, sagt Nitzschke. „Ich habe mein Leben wieder gefunden, es geht schrittweise aufwärts“, ergänzt Bräunlich. Nach ihrem Auftritt lächeln sie sich aufmunternd zu. Gemeinsam mischen sie sich unter das Volk, weichen einander nicht von der Seite.

Im Laufe des Abends werden die Techniker lockerer, plaudern mit etlichen der etwa 100 Gäste. Viele sehen sie zum ersten Mal. Ihren Arbeitskollegen und Müttern dagegen sind die Gesichter bekannt: Man kennt sich von den 27 Mahnwachen an der Nikolaikirche. Nun feiern die Menschen beim Grillen.

Nur fünf Wochen nach ihrer Freilassung kehrten die Techniker an ihren Arbeitsplatz in Bennewitz zurück. Es war ein Freudenfest für die Kollegen – und für die beiden Ex-Geiseln. „Wir wussten nicht, ob es unsere Firma noch gibt. Unser Auftrag im Irak war damals sehr wichtig für das Unternehmen“, schildert Bräunlich. „Das wäre das Schlimmste gewesen: Wir kommen wieder und sind arbeitslos“, ergänzt Nitzschke.

Die Kollegen zu Hause jedoch haben Überstunden geschoben. „Die Zeit hat uns sehr zusammengeschweißt“, sagt Kollege Stefan Linke. (dpa)